Jürgen von Hollen, CEO von Universal Robots, steht neben Robotern der Firma.

Jürgen von Hollen führt als CEO Universal Robots durch die Coronakrise. - Bild: Universal Robots

| von Anja Ringel

PRODUKTION: Herr von Hollen, die Corona-Pandemie ist eine Krise, die für alle neu ist. Wie haben Sie die Krise bisher als CEO erlebt und was waren Ihre größten Herausforderungen?

Jürgen von Hollen: Da gab es viele. Eine ist, dass ich derzeit die Geschäfte von Frankfurt aus leite. Ich war seit der Krise nur dreimal in Dänemark im Büro. Da stellt sich natürlich erst einmal die Frage, wie das funktionieren soll. Aber es läuft gut. Das ist auch eine Erkenntnis, die ich mitnehmen werde. Normalerweise bin ich 75 Prozent meiner Zeit unterwegs. Ich dachte immer, dass Präsenz wichtig ist, um die Message rüberzubringen, und stelle jetzt fest, dass das nicht zwangsläufig so ist. Es kann sogar manchmal effektiver sein, wenn man nicht überall hinreist.

Ein anderer Punkt ist natürlich die IT. Da musste ich zu Beginn auch erst einmal meine Kinder um Hilfe bitten. Inzwischen funktioniert es aber sehr gut. Wir sind eine globale Firma, die weltweit agiert. Da fragt man sich, ob man das virtuell auch in den Griff bekommt. Ich habe aber festgestellt, dass Vieles fokussierter abläuft. Außerdem ist das Homeoffice sehr persönlich. Ich merke aber auch, dass der Kalender viel wichtiger ist und man alles einplanen muss – auch Pausen.

Sie haben es schon angesprochen: Universal Robots hat seinen Sitz in Dänemark. Wie wird dort mit der Krise umgegangen?

Von Hollen: In Dänemark hat die Regierung Guidelines erstellt, die Büros wurden aber nicht geschlossen. Bei uns waren nur so viele Mitarbeiter im Büro wie nötig. Auch jetzt sind noch nicht alle Mitarbeiter zurück, sondern viele arbeiten weiter im Homeoffice. Die Komplexität an den Lockdowns ist, dass es in jedem Land anders ist. Das macht es für uns als Unternehmen schwierig. Ich finde es schade, dass die Europäische Union da nicht gemeinsam agiert hat.

Durch die Coronakrise denken immer mehr Firmen über Automatisierung nach. Kann man also sagen, dass Robotik der Gewinner der Pandemie ist?

Von Hollen: Der Bereich Robotik war auch vor der Krise bereits aufsteigend. Firmen haben sich dafür interessiert, weil sie nicht genügend Mitarbeiter gefunden haben und deshalb auch auf Robotik gesetzt haben. In der Krise sind die Treiber für Robotik nun Reshoring und die Stabilisierung der Supply Chain. Die Pandemie hat auch bewirkt, dass sich neue Märkte wie die Pharma- und Medizinbranche mehr mit dem Thema Robotik beschäftigen.

Man muss auch noch dazu sagen, dass die kollaborativen Roboter erst in einer Anfangsphase sind und viele Kunden noch nicht erkannt haben, was sie alles leisten können. Deshalb ist Awareness wichtig. Viele Unternehmen merken jetzt, dass sie flexibel sein und ihre Produktion schnell umstellen müssen. Das bringt aber nicht sofort neue Kunden, denn wir befinden uns ja mitten in einer Finanz- und Wirtschaftskrise. Ich gehe aber schon davon aus, dass die Robotik langfristig ein Wachstum erleben wird.

Welche Auswirkungen hat denn die Corona- aber auch die daraus entstandene Wirtschaftskrise für Universal Robots?

Von Hollen: Wir hatten das „Glück“, dass wir Ende Dezember/Anfang Januar schon Umsatzeinbrüche in China verzeichnet haben. Deshalb konnten wir schnell reagieren. An den Lockdown in China kann ich mich noch genau erinnern. Das war ein Donnerstag oder Freitag in Dänemark. Wir haben dann Leute in Autos gesetzt und Roboter in vier Länder gefahren, um vorbereitet zu sein.

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Seit der Pandemie lese ich noch mehr Zeitung als zuvor, um einen Überblick zu bekommen. Ich denke die meisten Firmen sind inzwischen so vorbereitet, dass sie eine zweite Welle viel besser meistern können und sie deshalb nicht so einen Effekt haben würde wie die erste.

Wird sich durch die Coronakrise etwas an Ihrem Produktangebot ändern, weil zum Beispiel neue Kunden mit neuen Anforderungen dazu gekommen sind?

Von Hollen: Vor der Krise hat die Automotivbranche indirekt alles geprägt. Und als dann viele große Krisen aufgrund der Pandemie entstanden sind, hatte das auch Auswirkungen auf kleinere Firmen. Die haben jetzt umgestellt und produzieren andere Sachen, zum Beispiel medizinische Ausrüstung. Das zeigt aber auch, dass der Bereich Medizin gerade erst am Anfang ist. Viele – vor allem im Westen – merken, dass sie nicht gut auf die Krise vorbereitet waren – auch die Krankenhäuser.

Stichwort Innovationsfähigkeit. Es gibt immer wieder Befürchtungen, dass diese durch die aktuelle Krise leiden wird. Wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus? Mussten zum Beispiel Projekte verschoben werden?

Von Hollen: Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir aufgrund der Krise keine Mitarbeiter entlassen werden – auch nicht aus Forschung und Entwicklung. Unabhängig vom kurzfristigen Umsatz bleiben die Wachstumstreiber ja unverändert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder anläuft.

Bei aktuellen Projekten haben wir keine gravierenden Verspätungen. Wir merken aber, dass die Endkunden vorsichtiger geworden sind. Innovationskraft ist jedoch weiter wichtig. Es gibt im Wettbewerb viele Start-ups, die in anderen Ländern gefördert werden: Da müssen auch weiter eine Basis und eine Plattform für Innovation geschaffen werden. Unterstützung ist hier sehr wichtig.

Die Firmenzentrale von Universal Robots in Dänemark von außen.
In Dänemark soll eine neue Firmenzentrale für Universal Robots entstehen. - Bild: Universal Robots

Innovation ist auch das Thema bei Ihrem Firmensitz in Dänemark. Der soll neu gebaut werden. Wie weit sind da die Planungen? Ändert sich durch die Coronakrise etwas?

Von Hollen: Wie die Büros aussehen werden, kann ich noch nicht sagen. Wir sind noch in Planung mit dem Architekten. Was die Coronakrise aber gezeigt hat, ist, dass nicht jeder einen eigenen Schreibtisch braucht. Ich denke, wir werden da ein eher kollaboratives Konzept anstreben. Das wird die größte Änderung sein. Was die Zeitschiene angeht: Das wird davon abhängen, wie sich die Pandemie noch weiterentwickelt.

Neben der Pandemie hat Universal Robots noch eine andere Herausforderung. Es gibt immer mehr Wettbewerber, vor allem aus Asien. Sorgt sie das?

Von Hollen: 2016 hatten wir drei bis vier Mitbewerber, heute sind es um die 50. Das liegt daran, dass der Markt noch am Anfang ist. Ich sehe es aber so, dass wir gemeinsam Awareness entwickeln können. Nichts ist für ein Unternehmen besser als Wettbewerb, den wir mit den Themen Innovation, Marketing und Vertrieb angehen können. Der Wettbewerb ist also gut, solange er ein gesunder ist. Ein Preiskrieg muss dagegen nicht sein.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Können Sie schon einschätzen, welche Auswirkungen die Coronakrise in diesem Jahr, aber auch langfristig auf Universal Robots haben wird?

Von Hollen: Ein Blick nach Asien zeigt, dass die Wirtschaft von Ost nach West schnell wieder hochgefahren ist. Das passiert jetzt auch langsam in der EU. Die Frage ist, ob eine zweite Welle kommen wird und wie Politik, Wirtschaft und Endkunden darauf reagieren. Wir rechnen in den ersten zwei Quartalen mit Einbußen, gehen aber davon aus, dass wir danach aus der Krise herauskommen. 2021 wird dann wieder ein starkes Jahr.