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"Die deutsche Automobilindustrie investiert allein in die Elektromobilität bis zum Jahr 2020 rund 40 Milliarden Euro", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann im Interview mit Produktion. - Bild: VDA

| von Gunnar Knüpffer

Produktion: Die Übernahme der US-Präsidentschaft durch Donald Trump steht kurz bevor. Mit welchen Konsequenzen rechnen Sie für die deutsche Automobilindustrie?

Matthias Wissmann: "Die deutsche Automobilindustrie hofft, dass TTIP nur schockgefroren ist und bald wieder aufgetaut werden kann. In den bisherigen Verhandlungen wurde bezüglich der gegenseitigen Anerkennung in der Automobilindustrie bereits einiges erreicht. Es wäre schade, wenn diese Verhandlungsergebnisse nicht umgesetzt werden könnten, obwohl die Chance dazu durchaus gegeben ist.

Stoppt der neue US-Präsident tatsächlich TTIP, dann schaden die Vereinigten Staaten damit vor allem sich selbst.

Mit TTIP würden etwa der EU-Importzoll von 10 Prozent entfallen, der derzeit auf jeden Pkw, der in den USA produziert und nach Europa exportiert wird, gezahlt werden muss. Für die deutsche Automobilindustrie addieren sich die jährlichen „transatlantischen“ Zollzahlungen auf über eine Milliarde Euro, die mit TTIP wegfallen würden.

Hinzu kommen die Kosten der vielen nicht-tarifären Handelshemmnisse. Noch wichtiger: Gemeinsam können die USA und Europa Standards setzen, die dann global Vorbild sein könnten."

Produktion: Welche Märkte stehen für die deutsche Automobilindustrie 2017 im Fokus?

Wissmann: "Der westeuropäische Pkw-Markt – unser Heimatmarkt – ist nach wie vor der wichtigste. 2016 verzeichnete er ein Plus von 5 Prozent, wobei Frankreich, Italien und Spanien besonders starke Zuwächse verzeichneten. Diese Länder befinden sich auf Erholungskurs. Weiterhin wichtig bleibt der US-Markt, auch wenn dort das Umfeld nicht gerade einfach ist.

Und natürlich engagieren wir uns weiterhin stark auf dem chinesischen Pkw-Markt. Er ist der weltweit größte und wächst in diesem Jahr um 15 Prozent. Die deutschen Konzernmarken haben dort einen Marktanteil von rund einem Fünftel. Das gilt es zu sichern und auszubauen."

Produktion: Wie gut ist die deutsche Automobilindustrie in Sachen Digitalisierung unterwegs: Sind Produkte und Prozesse zukunftsfähig?

Wissmann: "Das Auto der Zukunft fährt automatisiert, vernetzt und elektrisch. Die deutsche Automobilindustrie investiert allein in die Elektromobilität bis zum Jahr 2020 rund 40 Milliarden Euro. Hinzu kommen 16 bis 18 Milliarden Euro für die Digitalisierung in den kommenden drei bis vier Jahren. Dieses enorme Engagement unterstreicht den Stellenwert, den diese Innovationstrends für unsere Unternehmen haben.

Bereits heute sind 20.000 Entwickler in der deutschen Automobilindustrie in Arbeitsbereichen rund um das Thema Vernetzung und automatisiertes Fahren beschäftigt, die Zahl wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiter steigen.

Dass deutscher Erfindergeist zu Spitzenleistungen führt, belegen die Zahlen: 58 Prozent aller erteilten Patente für autonomes Fahren, die weltweit seit 2010 vergeben wurden, kommen von der deutschen Automobilindustrie.

Produktion: Mit welcher Schulnote bewerten Sie die Konjunktur in der deutschen Automobilbranche?

Wissmann: "Für das Jahr 2016 gibt es eine Zwei, denn es war ein gutes Automobiljahr. Die deutschen Hersteller haben erstmals mehr als 15 Millionen Pkw weltweit produziert, fast 6 Millionen davon hier im Inland. Die Beschäftigung ist auf einem sehr hohen Niveau, der Pkw-Inlandsmarkt legt auf fast 3,4 Millionen Autos zu. Aber auf guten Noten ruhen wir uns nicht aus – wir wollen auch im kommenden Jahr auf den Weltmärkten erfolgreich sein.

Die Industrie-Trends 2017

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