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Brodtmann rechnet für die europäischen Länder mit einem leichten Wachstumsimpuls 2017. - Bild: VDMA

| von Gunnar Knüpffer

Produktion: Die Übernahme der US-Präsidentschaft durch Donald Trump steht kurz bevor. Mit welchen Konsequenzen rechnen Sie für Ihre Branche?

Thilo Brodtmann: "Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen Donald Trump als US-Präsident letztlich umsetzt. Sollte er tatsächlich eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik vollziehen und Zölle sowie andere Handelshemmnisse aufbauen, dann wäre das vor allem auch ein Schaden für die USA.

Denn in den USA gibt es für viele Branchen keinen nennenswerten Maschinenbau
mehr. Daher müssen die USA für einen breitangelegten Ausbau des produzierenden Gewerbes Milliarden beispielsweise in Automatisierungstechnik investieren. Hier kommen dann u.a. deutsche Firmen mit ihren Produkten und Services ins Spiel.

Schaut man auf die Zahlen wird schnell deutlich, wie wichtig die USA für den Maschinenbau sind: Im vergangenen Jahr exportierten die Maschinenbauer aus Deutschland Waren für fast 17 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten, die somit der wichtigste Einzelmarkt für deutsche Maschinenausfuhren sind. Für 2016 erwartet der VDMA, dass die USA diesen Spitzenplatz verteidigen werden."

Produktion: Welche Märkte stehen für Ihre Branche 2017 im Fokus?

Brodtmann: "Für den Maschinen- und Anlagenbau gilt es seine Chancen überall dort zu nutzen, wo Produktion automatisiert wird und die Digitalisierung voranschreitet. Denn als Treiber dieser Entwicklung können die Maschinenbauer überproportional von diesen Trends profitieren.

Vor diesem Hintergrund wird beispielsweise für die europäischen Nachbarländer in 2017 mit einem leichten Wachstumsimpuls gerechnet. Gleiches gilt für die USA und selbst in einigen Schwellenländern regt sich Nachfrage. In Russland und Brasilien ist die Talsohle erreicht, China bleibt unverändert wichtig.

Alles in allem spricht einiges dafür, dass es den deutschen Maschinenbauern 2017 gelingt, das Vorjahresniveau mindestens zu halten, wenn nicht zu toppen. Die Prognose für die deutsche Maschinenproduktion lautet deshalb auf plus 1 Prozent real."

Produktion: Wie gut ist Ihre Branche in Sachen Digitalisierung unterwegs: Sind Produkte und Prozesse zukunftsfähig?

Brodtmann: "Die Maschinenbau-Industrie ist führend bei digital-vernetzten Produkten und Services, das belegt eine aktuelle Studie des VDMA.

Insgesamt ist die technologische Dynamik hoch und der Maschinen- und Anlagenbau arbeitet als klassischer Technologie-Integrator intensiv an neuen Produkten und Services. Er verbinden Big Data mit Big Thinking, also Korrelation mit Kausalität und das Domänenwissen verschafft dem Maschinenbau eine starke und zentrale Position beim Thema Industrie 4.0"

Produktion: Mit welcher Schulnote bewerten Sie die Konjunktur in Ihrer Branche?

Brodtmann: "Der VDMA bewertet die Konjunktur im Maschinen- und Anlagenbau für 2017 mit der Schulnote 3-."

Die Industrie-Trends 2017