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Wenn es um die Frage der Wirtschaftlichkeit von Industrie 4.0 geht, verweist Prof. Robert Obermaier vor allem auf den Bereich der vernetzten Produkte. - Bild: Weinzierl

„Wir sind da keineswegs so vorne dran, wie wir glauben“, konstatierte Prof. Robert Obermaier vom Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre an der Uni Passau. Andere Länder würden das Thema stärker vorantreiben, zum Beispiel mit Industrial Internet in den USA oder der Industrial Value Chain in Japan.

China investiere im Riesenprogramm „Made in China 2025“ extrem viel Geld in zukunftsfähige Produktionsinfrastruktur. „Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit, es geht nicht darum, ob das Ganze ein Medienhype ist, das sind die falschen Fragen. Dieses Thema kommt mit ungeahnter Geschwindigkeit“, so Obermaier.

Um zukunftsfähig zu sein, gehe es wie auch in den vergangenen Jahrzehnten darum, Arbeit durch Kapital zu ersetzen, indem in Technologien investiert wird. Es dürfe aber nicht mit den Technologien von gestern gearbeitet werden, sondern denen von morgen – sonst komme man auf diesem Pfad nicht voran, stellte Obermaier fest: „Wir reden noch immer über die industrielle Revolution, die ist schon lange im Gange, nur jeweils mit unterschiedlichen Technologien“.

Es gehe um den Wohlstand der Nation, der da auf dem Spiel steht. Man sei im Begriff steckenzubleiben mit der Frage  „rechnet sich das denn?“.

Strategie ist wichtig

Als wichtigen Punkt nennt Obermaier die Prozesse. „Wenn wir digitalisieren und vernetzen, dann müssen wir auch die Prozesse reorganisieren. Das ist ein großes Problem, dass man in eine Produktivitätsfalle tappt, indem man solche Schritte geht und nicht an den zusammenhängenden organisatorischen Hintergrund denkt“, berichtet Obermaier.

Projekte zeigten jedoch, dass sich üblicherweise zum Beispiel um 40 Prozent geringere Rüstzeiten erzielen ließen. Es brauche aber zudem eine Strategie, wohin die Industrie 4.0-Investitionen gehen sollen, in Effizienzsteigerungen oder neue Geschäftsmodelle.

Wenn es um die Frage der Wirtschaftlichkeit von Industrie 4.0 geht, verweist der Experte vor allem auf den Bereich der vernetzten Produkte, der insbesondere erlösrelevant sei. „Die Wertschöpfung wandet in Richtung der Software-Komponente von Produkten. Wir erleben eine Erlösschrumpfung, wenn wir als deutsche Unternehmen an der Stelle nicht mitgehen“, sagt Obermaier auch mit Blick auf die Tendenz zur Plattformbildung. Den Erfolg sieht er vor allem in Geschwindigkeit, Investitionen und Kooperation.

„Vielleicht ist es auch ein Problem der Ingenieurs- und Controllerdenke, dass wir immer über diesen Effizienzpfad nachdenken und uns damit in passive Rolle manövrieren. Das ist tatsächlich eine unternehmerische Aufgabe, die kann man nicht allein in der Produktion lösen“, sagt Obermaier. Den Unternehmen gab er mit, mehr über die Erlösseite und über Geschäftsmodelle nachzudenken. Er höre häufig von Ingenieuren, dass sie an das „Bessermachen“ von Produkten gewöhnt seien, ihnen jedoch wenig einfalle, wie sie Produkte intelligenter machen und dadurch zusätzliche Erlösquellen erschließen können.

Wie sich konsequent ein Unternehmen auf Industrie 4.0 umstellen lässt, erklärte Wassim Saeidi von der Geschäftsleitung der WS Kunststoff-Service GmbH. Über eine Mitarbeiter-App pflegen die Mitarbeiter ihre eigenen Daten, reichen Urlaub ein und sehen in ihrem Kompetenzprofil, wann eine regelmäßige Weiterbildung  zu einem bestimmten Thema ansteht. „Wir glauben, der Mensch kann seine Zeiten am besten selber planen“, sagte Saeidi. Deshalb sollen sich die Mitarbeiter im Sinne von fraktalen oder Mini-Fabriken ihre Aufträge selbst organisieren. Schon seit 2014 werden Datenbrillen in der Produktion verwendet. 

Im letzten Jahr war die Vernetzung der Maschinen abgeschlossen, in diesem Jahr folgte der Start der robotergesteuerten Polierung. Saeidi setzt dabei auf die schrittweise Einführung neuer Technologien, zunächst mit Mitarbeitern, die von sich aus Interesse haben, sei es bei Datenbrillen oder der Zusammenarbeit mit Robotern. Im Umgang mit Neuland sind Strategien gefragt. So hätten einige Mitarbeiter angefangen, nur in kurzen Intervallen mit den Brillen zu arbeiten, heute werde teilweise acht Stunden damit gearbeitet, ein externer Akku sorgt für den Dauerbetrieb. „AR-Brillen sind Innovation – und bei Innovation gibt es eben keine Langzeitstudien. Man kann warten und wird überholt – oder man kann anfangen und lernen“, fasste der Geschäftsführer die Herausforderung zusammen.

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