Der weltweite Maschinenbau wächst stark und erfährt durch die Digitalisierung eine Sonderkonjunktur.

Der weltweite Maschinenbau wächst stark und erfährt durch die Digitalisierung eine Sonderkonjunktur. - Bild: Pixabay

  • Wachstum um 6 Prozent von 2016 zu 2017: Umsätze entwickeln sich nach stagnierender Phase rasant
  • Solide Konjunktur und gestiegene Nachfrage nach Industrie 4.0-tauglichen Produkten: Unternehmen profitieren in nahezu allen Regionen und Marktsegmenten
  • Drei Billionen Euro Marktvolumen bis 2021 möglich
  • Bewertungs-Multiples weiter auf hohem Niveau: Übernahmen im Markt getrieben vom Ausbau der Produktportfolios und dem Zugang zu Know-how
  • Sonderkonjunktur beim Maschinenbau durch Digitalisierung: Branche hat weltweit die digitale Transformation als Chance ergriffen
  • Zusätzliche Effizienzsteigerungen möglich: Im kostenintensiven Engineering sind weitere Einsparungen und mehr Agilität durch so genannte „Digitale Zwillinge“ zu erreichen

Die Umsätze im globalen Maschinenbaumarkt sind laut der „Industriegüterstudie 2018“ der global agierenden Beratung AlixPartners auf insgesamt rund 2,7 Billionen Euro in 2017 gestiegen. Dieses entspricht einem Plus von 5,7 Prozent. Spitzenreiter ist weiter China mit etwas mehr als einer Billion Euro, die USA haben sich vom Einbruch in 2016 erholt. Auch in Deutschland beschleunigt sich die Entwicklung merklich.

Währungsschwankungen und Inflation herausgerechnet, war 2017 das erste deutliche Wachstumsjahr für die weltweite Branche nach einer fünf Jahre andauernden Stagnation. In Verbindung mit einem anhaltend guten, überwiegend stabilen Konjunkturumfeld, so die Einschätzung der Studienautoren, könnte sich der globale Maschinenbaumarkt weiter robust vorwärtsentwickeln. Innerhalb der kommenden vier Jahre ist ein globales Marktwachstum von drei bis vier Prozent jährlich möglich; bis zum Jahr 2021 könnte die Schwelle von drei Billionen Euro Umsatz im Weltmarkt überschritten sein.

„Die tendenzielle Seitwärtsbewegung der weltweiten Maschinenbauindustrie ist vorüber“, kommentiert der Manufacturing-Experte Manuel Backhaus, Managing Director bei AlixPartners am Standort Düsseldorf und Co-Autor der Studie. „In einem guten Investitionsklima können viele Unternehmen von der angelaufenen Digitalisierung profitieren und auf weiter gute Erträge hoffen, sollten aber an bisher vernachlässigten Stellen noch kräftig investieren.“

Industriemaschinen aus Deutschland sind international stark gefragt

AlixPartners hat im Rahmen der Studie die Umsätze und Profitabilität von fast 1.200 Unternehmen analysiert und daraus eine "Heatmap" entwickelt. Dabei zeigt sich: Das Anschieben in der Marktentwicklung ist auf nahezu alle Regionen und Segmente verteilt. In Deutschland konnten die Bereiche Elektrogroßmaschinen (Umsätze +5 Prozent), Baumaschinen und -anlagen (+4 Prozent), Bauprodukte (+3 Prozent) sowie Industriemaschinen (+2 Prozent) zulegen. Gerade im letzteren Bereich stiegen 2016 die EBIT-Margen spürbar an (+7 Prozent).

„Das Wachstum in Deutschland setzt sich durch die zunehmende Internationalisierung und das gestiegene Angebot an Zusatzdiensten rund um Aftersales sowie Wartung und Service kontinuierlich fort“, sagt Stefan Ohl, Managing Director bei AlixPartners in München und Experte für Industriegüterunternehmen.

Bei deutschen Produzenten von landwirtschaftlichen Maschinen dagegen zeigt sich ein zweiprozentiger Umsatzrückgang, der auch die EBIT-Margen eingefroren hat. Auch in China schwächelt ein Marktsegment: Bei Baumaschinen gingen die Umsätze um rund sechs Prozent sowie die Margen um ein Prozent zurück. Eine mögliche Erklärung: Der massiv vorangetriebene Infrastrukturausbau des Landes hat mittlerweile seine Sättigung erreicht.

Heimische Unternehmen müssen verstärkt auf dem Weltmarkt gegen etablierte Player antreten. Ein beeindruckendes Comeback dagegen haben US-amerikanische Industriemaschinenhersteller. Sie können ein vierprozentiges Umsatzwachstum und eine zuletzt bei 13 Prozent rangierende EBIT-Marge vorweisen – getrieben durch die Schwäche des US-Dollars und die gute amerikanische Konjunktur.

  • Danobat Werkzeugmaschinen

    Platz 15: Danobat | Die spanische Danobat Gruppe, zu der beispielsweise Bimatec Soraluce und Danobat Overbeck gehören, konnte 2018 einen Umsatz von 261 Millionen Euro erwirtschaften und landet damit auf Platz 15. - Bild: Danobat

  • Diskus Werke Maschine

    Platz 14: DVS Technology | Mit 264 Millionen Euro Umsatz erreicht die Diskus Werke AG, die am Markt unter der Dachmarke DVS Technology agiert auf Platz 14. - Bild: DVS Technology

  • Mikron Werkzeugmaschine

    Platz 13: Mikron | Mikron konnte den Umsatz 2018 um 29,3 Prozent auf 282 Millionen Euro steigern und wandert so von Platz 14 auf Platz 13. - Bild: Mikron

  • GF Werkzeugmaschine

    Platz 12: GF Machining Solutions | Unverändert auf Platz 12 ist die Werkzeugmaschinensparte des Georg Fischer Konzerns. GF Milling erzielte 2018 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro, die GF Machining Solutions insgesamt brachte es auf rund 973 Millionen Euro. - Bild: GF Machining Solutions

  • Starrag LX051 Werkzeugmaschine

    Platz 11: Starrag | Starrag erzielte mit 348 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz in der Geschichte der Gruppe. Trotzdem rutscht das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um eine Stelle nach unten, auf Platz 11. - Bild: Starrag

  • Schwäbische Werkzeugmaschinen SW 322i

    Platz 10: Schwäbische Werkzeugmaschinen | Schwäbische Werkzeugmaschinen hat es im Ranking 2018 in die Top 10 geschafft. Der Gruppen-Umsatz betrug 400 Millionen Euro. - Bild: Schwäbische Werkzeugmaschinen

  • Niles Simmons Werkzeugmaschine

    Platz 9: Niles Simmons | Niles Simmons Hegenscheidt bleibt auf Platz 9. Der Umsatz wuchs dennoch um 7,9 Prozent auf 410 Millionen Euro. - Bild: Niles Simmons

  • Hermle Werkzeugmaschine

    Platz 8: Hermle | Mit 453 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2018 sichert sich Hermle Platz 8.- Bild: Hermle

  • Chiron Werkzeugmaschine mit Palettenlager

    Platz 7: Chiron | Auch Chiron verbleibt wie im Vorjahr auf Platz 7. Der Umsatz stieg um 6,9 Prozent auf 498 Millionen Euro. - Bild: Chiron

  • Heller HF 5500 Werkzeugmaschine

    Platz 6: Heller | Der Umsatz von Heller ging um 3,2 Prozent zurück und das Unternehmen rutscht von Platz 5 auf Platz 6 mit 558 Millionen Euro Umsatz. - Bild: Heller

  • Index B500 Werkzeugmaschine

    Platz 5: Index | In die Top 5 geschafft hat es in diesem Jahr der Esslinger WZM-Hersteller Index, mit einer Umsatzsteigerung von über 22 Prozent auf 575 Millionen Euro. - Bild: Index

  • Emag VL 1 Twin Werkzeugmaschinen

    Platz 4: Emag | Mit 673 Millionen Euro Umsatz kann Emag den vierten Platz im Ranking verteidigen. - Bild: Emag

  • United Grinding Werkzeugmaschinen

    Platz 3: United Grinding | Mit einem ungefähren Umsatz von 700 Millionen Euro (die Gruppe veröffentlicht keine genauen Zahlen) liegt die United Grinding Group aus der Schweiz auf Platz 3 des Rankings. - Bild: United Grinding

  • Grob G350 access Werkzeugmaschine

    Platz 2: Grob | Der zweitgrößte Hersteller zerspanender Werkzeugmaschinen ist Grob aus Mindelheim. Das Unternehmen erreichte 2018 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Dies liegt 2,6 % unter dem Vorjahreswert. - Bild: Grob

  • DMG Mori Werkzeugmaschine mit Servicetechniker

    Platz 1: DMG Mori | Unangefochten auf Platz 1 ist auch in diesem Jahr die DMG Mori AG mit über 2,6 Milliarden Umsatz, was 13 Prozent mehr sind als im Vorjahr. - Bild: DMG Mori

Fusionen und Übernahmen weiterhin im Fokus

Das Thema M&A ist eine strategische Priorität vieler Unternehmen geblieben, bei Großunternehmen vor allem mit dem Ziel der Erweiterung des Produktportfolios und des Zugangs zu Know-how. Dennoch gab es in den vergangenen drei Jahren keine Zunahme bei der Anzahl der Deals. Die Transaktionswerte sanken sogar kontinuierlich auf nur mehr 38,5 Milliarden Euro ab – zwei Drittel weniger als 2014. Eine Ursache dafür könnte in den anhaltend hohen, für die Attraktivität des Marktes sprechenden Bewertungs-Multiples liegen. Dazu kommt, dass die Kapitalverkehrskontrollen in China die Rationalität der Bewertungen beeinflussen.

Implementierung digitaler Technologien ausbaufähig

Die Zukunft der Maschinenbauindustrie ist eng verknüpft mit der Digitalisierung. Die Branche ist wegen der Komplexität ihrer Produkte wie keine andere von den heutigen Weltmarktanforderungen betroffen: Ein Plus an Schnelligkeit und Flexibilität bei gleichbleibend hoher Qualität gelingt vor allem durch den Einsatz digitaler Technologien. „Entsprechend wächst das Bewusstsein für die positiven Auswirkungen der Digitalisierung unter den Maschinenbauern. Um auch künftig erfolgreich zu sein, müssen aber idealerweise entlang der gesamten Wertschöpfungskette Potenziale zur Effizienzsteigerung ausgelotet und mit digitalen Mitteln gehoben werden“, analysiert Maschinenbau-Experte Patrick Widmaier, Director am AlixPartners-Standort Düsseldorf.

Bereits jetzt zeigt sich, dass die digitale Transformation zur Kostensenkung in den Unternehmen beiträgt und neue Absatzchancen eröffnet. So berichten mehr als 80 Prozent der europäischen Firmen von positiven Effekten und einer verbesserten strategischen Positionierung; mehr als die Hälfte sieht konkrete Verbesserungen beim Umsatz und bei der Produktivität. Innovationsseitig sind die meisten schon auf einem erfolgreichen Weg. Die Implementierungs-Geschwindigkeit kann aber noch erhöht werden – beispielsweise durch den stärkeren Einsatz kollaborativer Ansätze und durch eine Funktion wie die eines Chief Digital Officers, der die Ziele der Transformation definiert und Maßnahmen gebündelt vorantreibt.

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Engineering und Manufacturing sollten auf Digital Twins und Cobots setzen

„Die Anstrengungen der digitalen Transformation wirken bislang nur punktuell und tangieren vor allem Geschäftsmodell und Produkte. Um nicht den Anschluss zu verlieren, könnten Maschinenbauunternehmen hierzulande einen zusätzlichen Schwerpunkt auf das Engineering und die Fertigung legen“, rät Christian Leber, Director bei AlixPartners in München und Spezialist für Transformationsprozesse.

So steht die Konstruktion zwar oft für den größten Kostenblock, mehr als der Hälfte der deutschen Unternehmen nehmen diesen Bereich allerdings entweder noch ganz von der Digitalisierung aus oder berücksichtigen ihn kaum. Ein Positivbeispiel sind so genannte „Digitale Zwillinge“ (Digital Twins): Noch viel zu wenige Unternehmen nutzen solche virtuellen Prototypen von Maschinen, Anlagen und Fertigungsstrecken, um die Konstruktion, Funktionalität und Effizienz vorab zu simulieren und so Zeit und Kosten zu sparen.

Bis 2020, so die Prognose, ändert sich das Bild allerdings: Dann werden verschiedene digitale Hilfsmittel zur Simulation bei mehr als 90 Prozent der Maschinenbauer im Einsatz sein und die gesamte Wertschöpfungskette positiv beeinflussen.

Weitere Effizienzgewinne versprechen laut AlixPartners-Analyse digitale Technologien bei der Fertigung: Shopfloor-Management auf der Basis von Echtzeitdatenanalysen, „Modular Manufacturing“ mit flexiblen Arbeitsstationen, „Augmented Operation“ oder Mensch-Maschine-Teams („Cobots“) sind nur einige Beispiele dafür, wie sich gerade in der Produktion Prozesse durch neue Ansätze verbessern und die Produktivität erhöhen lassen.

Alix Partners

  • Die Maschinenbauer in Deutschland erhoffen sich durch die systematische Nutzung digitaler   Daten vor allem mehr Sicherheit bei Entscheidungen (69 %).

    Mehr Sicherheit bei Entscheidungen: Die Maschinenbauer in Deutschland erhoffen sich durch die systematische Nutzung digitaler Daten vor allem mehr Sicherheit bei Entscheidungen (69 Prozent). Damit liegen sie vor dem Durchschnitt des gesamten Mittelstands, dort sind es nur 58 Prozent. Weitere Vorteile sind für die Branchenunternehmen die Automatisierung von Arbeitsprozessen (68  Prozent) und eine bessere Planung und Auslastung von Ressourcen. - Grafik: Produktion/Commerzbank

  • Zuständig für die Daten-Analyse ist häufig auch die Geschäftsführung.

    Zuständig für die Daten-Analyse ist häufig auch die Geschäftsführung: Der Studie zufolge haben 42  Prozent der Maschinenbau-Unternehmen interne Spezialisten, die Daten abteilungsübergreifend analysieren. Externe Spezialisten ziehen diese Branchenunternehmen nur selten (15 Prozent) hinzu. Die Analyse der Daten liegt auch bei der Geschäftsleitung, sagt 71 Prozent der Befragten. Dabei sind jedoch lediglich 26 Prozent der Meinung, dass die Geschäftsführer dafür allein zuständig sind. - Grafik: Produktion/Commerzbank

  • Die meisten Befragten  aus dem Maschinenbau beklagen, dass eine fehlende Bereitschaft der Führungskräfte (42 %) eine umfassendere Erfassung und Analyse von Daten blockiert.

    Bereitschaft der Führungskräfte ist entscheidend: Die meisten Befragten aus dem Maschinenbau beklagen, dass eine fehlende Bereitschaft der Führungskräfte (42 Prozent) eine umfassendere Erfassung und Analyse von Daten blockiert. Gleich danach wird eine fehlende Qualifikation der Mitarbeiter als Blockade-Grund genannt. - Grafik: Produktion/Commerzbank

  • Die Mehrheit der Unternehmen des Maschinenbaus (80 %) versucht, ihre verfügbaren Daten systematisch zu nutzen.

    Mehrheit versucht, Daten systematisch zu nutzen: Die Mehrheit der Unternehmen des Maschinenbaus (80 Prozent) versucht, ihre verfügbaren Daten systematisch zu nutzen. Dabei geben 67 Prozent an, dass sie ihre Daten automatisiert auswerten und 64 Prozent, dass sie diese zusammenführen, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Allerdings leiten nur 43 Prozent der Maschinenbauer zumindest in Teilen automatisiert Entscheidungen aus ihren Daten ab. Das sind weniger Firmen als im Durchschnitt des gesamten Mittelstands (47 Prozent). - Grafik: Produktion/Commerzbank

  • Eine Mehrheit der Maschinenbauer (69 %) betrachtet die Tech-Giants Google, Amazon, Microsoft, Facebook und Apple kritisch.

    Tech Giants mit ‚beunruhigender Monopolstellung‘: Eine Mehrheit der Maschinenbauer (69 Prozent) betrachtet die Tech-Giants Google, Amazon, Microsoft, Facebook und Apple kritisch: Ihrer Meinung nach entwickeln die technologischen Big Five eine ‚beunruhige Monopolstellung‘. 42 Prozent sehen diese Firmen als Inspirationsquelle. - Grafik: Produktion/Commerzbank