Mitarbeiter in einer Fabrik von Endress+Hauser

Endress+Hauser hat im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Messgeräte ausgeliefert. (Bild: Endress+Hauser)

Nachhaltigkeit, Diversität, Lieferengpässe und der Ukraine-Krieg: Der Schweizer Messtechnik-Spezialist Endress+Hauser steht derzeit – wie viele andere Unternehmen auch – vor einigen Herausforderungen. Am dringendsten ist momentan natürlich der russische Angriff auf die Ukraine und seine Auswirkungen. Rund drei Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Schweizer in der Ukraine, Russland und Belarus.

Anders als andere Unternehmen hat Endress+Hauser beschlossen, die Geschäfte in Russland weiter am Laufen zu halten. Dort beschäftigt die Firma 180 Menschen. CEO Matthias Altendorf erklärte dazu heute auf einer Pressekonferenz, das Unternehmen halte sich an alle Sanktionen, wolle aber weiter loyal gegenüber seinen Kunden und Mitarbeitenden sein, den Krieg in der Ukraine aber gleichzeitig nicht unterstützen. „Als Unternehmen verurteilen wir die Invasion, die allein die russische Machtelite zu verantworten hat, und wir stellen uns gegen alle Kräfte, die diesen Krieg unterstützen – aber wir verurteilen nicht das russische Volk als Ganzes“, sagte er.

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Matthias Altendorf, Chef von Endress+Hauser.
Matthias Altendorf, Chef von Endress+Hauser. (Bild: Endress+Hauser)

Keine Gewinne mehr mit Russland-Geschäft

Endress+Hauser will sich deshalb auf Bereiche beschränken, die der Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten, Chemieprodukten und Energie dienen. „Das direkte und indirekte Geschäft mit Kunden aus der Öl- und Gas-Branche stellen wir ein“, sagte Altendorf. Der geplante Bau einer eigenen Produktion in Russland wurde außerdem gestoppt.

Der Firmenchef rechnet damit, dass aufgrund des stark reduzierten Geschäfts „in absehbarerer Zeit in Russland keine Gewinne mehr anfallen werden“. Für das laufende Jahr rechnet er damit, dass das Unternehmen die meisten Geschäfte in Russland, Belarus und der Ukraine verlieren wird.

In der Ukraine selbst hat das Unternehmen keine eigenen Beschäftigten, aber zwei Vertretungen. Diese erhalten „die maximale und volle Unterstützung“, so der Firmenchef. Altendorf berichtete außerdem, dass sich vor allem die Mitarbeitenden in den osteuropäischen Sales-Centern engagieren– zum Beispiel bei der Betreuung von Flüchtlingen. Das Unternehmen unterstütze sie dabei unter anderem mit bezahltem Urlaub.

Diversität: Mehr Frauen in Führungspositionen

Neben dem Ukraine-Krieg stehen noch andere Themen auf der Agenda des Unternehmens. Dazu zählt auch der Fachkräftemangel. 2021 wurden 660 neue Stellen geschaffen. „Es wären vermutlich noch mehr geworden, wenn es nicht immer länger dauern würde, Fachkräfte zu finden“, sagte Altendorf. Derzeit seien noch 600 Stellen offen.

Daneben arbeitet das Unternehmen daran, sich diverser aufzustellen. Altendorf erklärte: „Eine diverse Belegschaft meistert Herausforderungen besser, schützt vor dem Unbekannten, erhöht die Innovation, stärkt die Kundenbindung und hilft im Wettbewerb um Talente.“ Ziel ist es nun, bis 2030 den Anteil an Frauen in Führungs-, Fach- und Projektverantwortung auf 30 Prozent steigern.

Damit das gelingt, will Endress+Hauser mehr Frauen für das Unternehmen begeistern. Der Frauenanteil im Unternehmen soll von heute 30 auf 40 Prozent gesteigert werden.

Klimaneutralität gewinnt an Bedeutung

Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt den Messtechnik-Spezialisten. So wurde zum Beispiel die Stelle des Corporate Social Responsibility Officers geschaffen, um die Nachhaltigkeits-Strategie weiterzuentwickeln.

„Für unsere Kunden gewinnt das Thema Nachhaltigkeit und besonders die Frage der Klimaneutralität ebenfalls immer mehr Bedeutung“, sagte Altendorf. Die verfahrenstechnische Industrie treibe die Energiewende mit großer Kraft voran.

Umsatz und Auftragslage verbessern sich

2,6 Millionen Messgeräte lieferte Endress+Hauser 2021 aus. Trotz angespannter Beschaffungsmärkte und Lieferketten stellte das Unternehmen nach eigener Aussage weltweit die Materialverfügbarkeit sicher und lieferte mit hoher Termintreue aus.

Das zeigt sich auch an den Zahlen: Der Umsatz stieg um knapp zwölf Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. In Asien und Amerika entwickelten sich die Verkäufe dynamisch, in Europa solide. Afrika lag im Plus, nur im Nahen Osten ging das stark von Öl und Gas abhängige Geschäft zurück. China vergrößerte seinen Vorsprung als umsatzstärkster Absatzmarkt vor den USA und Deutschland.

Der Auftragseingang lag 2021 noch einmal gut fünf Prozentpunkte über dem Umsatzwachstum. Die Gründe dafür sind laut Altendorf Nachholeffekte und eine Belebung der Nachfrage in fast allen Branchen. In der Prozessmesstechnik sorgten zum Beispiel moderne Analyseverfahren sowie die Digitalisierung der Industrie für Impulse.

Für 2022 rechneten die Schweizer eigentlich mit Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich. Doch aufgrund des Ukraine-Kriegs sei es nun ungewiss, ob das Ziel erreicht werden kann. „Der russische Angriff auf die Ukraine hat von einem Tag auf den andern alles verändert“, so Altendorf.

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Flaggen von der Ukraine und Russland
(Bild: jd-photodesign - stock.adobe.com)

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