Pilz Unternehmensfahnen

Pilz musste 2020 Umsatzeinbußen hinnehmen. - Bild: Pilz

| von Anja Ringel

Die Coronakrise bringt externe Faktoren mit sich, die die Unternehmen nicht in der Hand haben. Deshalb gilt bei Pilz derzeit das Unternehmens-Gen: Jetzt erst recht, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Kunschert heute auf einer Pressekonferenz. Die Kreativität, das Miteinander und der positive Geist in der Firma hätten einen getragen, berichtet sie.

Denn wie bei allen Industrieunternehmen war 2020 für Pilz kein einfaches Jahr. Nach einem guten ersten Quartal, gab es ab März einen Rückgang. Im Herbst stabilisierte sich die Lage dann wieder, so Kunschert. Insgesamt ging der Umsatz um mehr als elf Prozent auf rund 286 Millionen Euro zurück. Der Rückgang sei dabei in allen Sparten und Dienstleistungen spürbar gewesen.

Dass sich die Geschäftslage wieder stabilisiert hat, lag an mehreren Faktoren. Geholfen haben unter anderem Videobrillen, um die Dienstleistungen in den Werken trotzdem umsetzen zu können. „Digitale Technologien können Dienstleistungen vor Ort nur schwer ersetzen, aber sie können es“, sagte Kunschert.

Schulungen finden nur noch online statt

Auch die Pilz Academy, mit der das Unternehmen seit über 20 Jahren bei Themen wie Automatisierung Schulungen durchführt, musste digitalisiert werden. Dazu hat die Firma unter anderem ihre Trainer geschult. Es sei für diese auch schwierig gewesen, wenn sie plötzlich die Gestik und Mimik ihrer Teilnehmer nicht mehr sehen konnten, so Kunschert. Die Trainer haben deshalb gelernt, wie sie trotzdem Nähe und Vertrauen aufbauen können.

Inzwischen sei eine gleichwertige Wissensvermittlung digital möglich. Diese werde fester Bestandteil im Schulungsprogramm bei Pilz werden. Komplett Digital sollen die Schulungen aber nicht werden. Vielmehr wolle man sich das Beste aus beiden Welten herauspiken, sagte Kunschert. Denn viele soziale und emotionale Aspekte würden für Präsenzschulungen sprechen.

Mehr zum Thema digitale Ausbildungen lesen Sie auch hier.

Auch bei seinen Innovationen ist Pilz weitergekommen. Anfang 2021 wurde das   Sicherheitsschaltgerät myPNOZ auf den Markt gebracht. Auf Grundlage eines durchgängigen digitalen Konzeptes will Pilz mit diesem Produkt sichere Lösungen anbieten, die nach kundenspezifischen Anforderungen individuell in Losgröße 1 gebaut werden – ganz im Sinne von Industrie 4.0. Für den Anwender soll das neue Produkt ein komplett neues digitales Kundenerlebnis mit Blick auf Auswahl und Konfiguration, Bestellung sowie Installation von Industriekomponenten bieten.

Doch um in der Digitalisierung weiter voranzukommen, müsse vor allem von politischer Seite noch mehr getan werden, kritisierte Thomas Pilz, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter. Die Geschwister Susanne Kunschert und Thomas Pilz leiten das Familienunternehmen in dritter Generation. Europa sei im Bereich Forschung und Entwicklung spitze. Die Umsetzung sei jedoch aufgrund der vorhandenen Rahmenbedingungen schwer beziehungsweise gar nicht möglich. So könne man im Digitalisierungs-Wettbewerb nicht mithalten, sagte Pilz.

Lieferengpässe betreffen auch Pilz

Sein Appell an die Parteien ist deshalb, zu überdenken, wo Richtlinien zur Entbürokratisierung beitragen können und wo eine Verschlackung notwendig sei. Die Digitalisierung sei eine gemeinsame Anstrengung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Die Unternehmen seien bereit. Die Politik bremse jedoch noch.

Derzeit kämpft Pilz außerdem noch mit den Lieferengpässen von elektronischen Bauteilen. Man sei „sehr stark“ betroffen und habe es nur dem Einkaufsteam zu verdanken, dass es bisher zu keinen Engpässen gekommen sei, sagte Kunschert. Trotz aller Anstrengungen müsse man die Kunden dennoch manchmal um Geduld bitten, ergänzte Pilz.

Und ein weiteres aktuelles Thema beschäftigt das Unternehmen: natürlich Corona. Es gebe einen Krisenstab, der ständig zusammensitze, sagte Kunschert auf Nachfrage von PRODUKTION. Das Unternehmen habe ein gutes Testsystem. So müssen sich Externe immer testen lassen, Mitarbeitende alle zwei Tage. Es bestehe für die Beschäftigten aber die Möglichkeit, sich auch öfter testen zu lassen, erklärte sie. Beim Thema Impfen sie man in ständigen Kontakt mit der Betriebsärztin. Man müsse da jedoch die weiteren Entwicklungen abwarten. Wie andere Industrieunternehmen die Themen Testen und Impfen angehen, lesen Sie hier.

Trotz Corona hält Pilz weiterhin an seiner Ausbildungsstrategie fest. Ende 2020 waren 46 Azubis am Stammsitz in Ostfildern beschäftigt. Man wolle den Bedarf an Fachkräften durch eigene Ausbildungsplätze decken, erklärte Kunschert.  Insgesamt arbeiten 1.091 Mitarbeiter in Deutschland, weltweit sind es 2.440. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 4,2 Prozent weniger. Denn: Die junge Generation sei eine Bereicherung für das Unternehmen. Man wolle die Zukunft gemeinsam gestalten.

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