Mann mit Arbeitsschutzhelm wirkt verzweifelt

Die Werkzeugmaschinenbranche hat derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen. - Bild: phat1978 - stock.adobe.com

Wie können die Klimaschutzziele bis 2050 erreicht und gleichzeitig die Industrie miteinbezogen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich auch der VDW. Denn der Werkzeugmaschinenverband ist mit der geplanten Euro-7-Norm der EU-Kommission nicht zufrieden, wie der Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop heute auf der Jahrespressekonferenz erklärte.

Zum Hintergrund: Die EU-Kommission plant, den Grenzwert für Emissionen von Pkw und Lastwagen bis 2025 auf null zu setzen. Damit verbiete sie durch die Hintertür den Verbrennungsmotor und setze voll auf Elektromobilität, sagte Prokop. „Der Verbrenner wird nach Einschätzung von Experten bis 2025 technisch kein Zero-Emission-Ergebnis erzielen oder nur unter sehr hohen Kosten.“

Prokop zufolge sind moderne Verbrennungsmotoren jedoch mittelfristig unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. Die Emissionswerte lägen heute schon 50 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben. Seine Befürchtung: Aufgrund der geplanten Norm wolle künftig niemand mehr in die Optimierung des Verbrennungsmotors investieren. Durch das Aus für den Verbrenner wären laut Experten eine halbe Million Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet, so der VDW-Vorsitzende.

EU soll nicht nur auf Elektromobilität setzen

Sowohl der VDW als auch der VDMA plädieren deshalb für eine Technologieoffensive für umweltfreundliche Mobilität. Klimaneutralität soll gemeinsam mit der Industrie erreicht werden und gleichzeitig die Stärken der Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien einbinden, so der Verband. Der VDW unterstützt deshalb das vom VDMA veröffentlichte Positionspapier zu diesem Thema.

Der Vorschlag der Verbände: Abgas- und CO2-Emissionen sollen nicht nur durch die Elektromobilität, sondern durch verschiedene Technologien reduziert werden. Dazu zählt neben Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen auch die Optimierung des Verbrennungsmotors. Allein auf 100 Prozent Elektromobilität zu setzen, führe zu einem extremen Anstieg des Strombedarfs, der aktuell nicht über erneuerbare Energie zu decken sei, sagte Prokop.

„All die diskutierten Verschärfungen führen dazu, dass die aktuellen Szenarien in dieser Form technisch nicht wirklich erfüllbar sind und die Zukunft von verbrennungsmotorischen Antrieben in der Mobilität auf diese Weise de facto bedrohen“, sagt auch Stefan Zecha, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA bei der Jahrespressekonferenz des Verbands.

Welche sieben weitere Themen die Präzisionswerkzeuge-Branche neben der Elektromobilität noch beschäftigen und welche Herausforderungen es gibt, lesen Sie im großen Trendreport von Redakteurin Julia Dusold:

„Regulierungen sind willkommen“, stellte Prokop klar. Dabei müsste aber auch die Industrie bedacht werden. VDW-Chefvolkswirt Bernhard Geis sieht dabei noch Möglichkeiten, dass die Industrie Einfluss nehmen kann. Denn die Euro-7-Norm sei noch in der Entwicklungsphase, erklärte er.

Neben der geplanten Norm plagen die Werkzeugmaschinenbranche noch andere Sorgen. Denn im Corona-Jahr 2020 sind die Aufträge um 30 Prozent gesunken. Das fatale: Schon 2019 sind die Aufträge zurückgegangen. Dementsprechend sind auch Produktion, Export und Inlandsabsatz um jeweils rund 30 Prozent gesunken. Vor allem nach China (minus 34 Prozent), Tschechien (minus 43 Prozent), Mexiko (minus 36 Prozent) und Spanien (minus 40 Prozent) sind die Exporte eingebrochen.

Der Werkzeugmaschinenbranche gehen die Aufträge aus

Der Branche gehen deshalb langsam die Aufträge aus, konstatiert der Verband. Lag die Kapazitätsauslastung 2019 noch bei mehr als 88 Prozent, waren es vergangenes Jahr nur noch knapp 72 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten sank um 4,5 Prozent auf 70.000. Rund 70 Prozent der Unternehmen sind aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin in Kurzarbeit. Wie stark die Firmen von der Kurzarbeit betroffen sind, hängt jedoch auch von der Branche ab, so Geis. Unternehmen in Bereichen wie der Lebensmittelbranche und der Logistik müssen die staatliche Hilfe weniger in Anspruch nehmen. 

Hoffnung macht dem VDW unter anderem die leichte Auftragsverbesserung seit November und – wie in anderen Branchen auch – der wirtschaftliche Aufschwung in China. Für 2021 geht der Verband von einem Produktionszuwachse von sechs Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro aus – sie starte aber auf einem niedrigen Niveau, so Prokop. Es werde ein mühsamer Weg zurück auf Vor-Krisenniveau werden.

Das sind die Industrietrends 2021

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Was sind die Trends für 2021? Wie schätzt die Industrie die wirtschaftliche Lage ein? PRODUKTION hat beim VDMA, VDW, ZVEI und den Unternehmen ZF und Ceratizit nachgehakt. Wir wollten wissen:

Welche Schulnote würden Sie der Konjunktur für das Jahr 2021 geben? Was erwarten Sie von der neuen US-Regierung für die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen? Die Antworten gibt es hier. 

Wie hat Corona die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen verändert? Hier geht es zum zweiten Teil der Industrietrends.

Werden die Firmen Lieferketten infolge des Corona-bedingten Zusammenbruchs der Supply Chains dauerhaft anpassen? Werden die Lieferketten wieder regionaler? Alles zum Thema Lieferketten lesen Sie hier.

(Bild: littlewolf1989 - stock.adobe.com)

Lieferengpässe bereiten Probleme

Denn neben Corona machen der Werkzeugmaschinenbranche auch der Transformationsprozess in der Automobil- und Zuliefererbranche und der Handelskrieg zwischen den USA und China zu schaffen. Und auch von den Lieferengpässen bei den Vormaterialien könnte die Branche bald betroffen sein. „Es deuten sich Probleme im Bereich der Elektronikbauteile an“, sagte Prokop. Das bedeuten für den Einkauf derzeit größere Anstrengungen, um die benötigten Mengen zu bekommen. Die Lieferschwierigkeiten in der ersten Welle haben sich dagegen schnell stabilisiert, ergänzte Geis.

Weltweit hat China seinen Anteil an der Produktion ausgebaut. Mit fast 30 Prozent produziert die Volksrepublik inzwischen fast doppelt so viel (15,6 Prozent) als die deutsche Industrie. Doch es gibt auch positive Nachrichten: Auch im Krisenjahr hat Deutschland seinen Titel als Exportweltmeister vor Japan verteidigt.

So sieht das Konzept für die diesjährigen Metav aus

Als Messeveranstalter ist der VDW mit der Metav ein weiteres Mal von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen. Die Messe findet, wie berichtet, dieses Jahr als Digitalveranstaltung statt. Im Mittelpunkt liege dabei ein intelligentes Match-Making, erklärte Prokop. Dabei werden die Profile der Messeteilnehmer abgeglichen und passende Kontakte vorgeschlagen. Daneben plant der VDW noch dreidimensionale Messestände und Websessions.

Rund 60 Aussteller haben sich derzeit zur digitalen Metav angemeldet, sagt Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer. Das Interesse sei groß, jedoch können viele nicht an der Messe ausstellen. Der Grund: Durch Kurzarbeit fehlen Kapazitäten in Marketing und Vertrieb, um den Messeauftritt betreuen zu können. Die Metav ist vom 23. bis 26. März.

Messen während der Corona-Pandemie

(Bild: ake1150 - stock.adobe.com)

Corona hat den Messekalender ganz schön durcheinander gewirbelt. Welche Messen fallen aus? Welche werden verschoben oder finden nur digital statt? In unserem Überblick halten wir Sie auf dem Laufenden.

Messeveranstalterin Bettina Schall bereitet derzeit drei Präsenz-Messen vor. Warum diese so wichtig sind, digital aber auch nach Corona bleibt und wie die Politik helfen kann, lesen Sie hier.

Der Chef der Messe München erklärt außerdem, warum Messeveranstalter vom Hallen-Vermieter zum Plattform-Manager werden. Zum Artikel geht es hier.

Und eine Messebauerin berichtet, welchen Plan B sie sich für internationale Gäste überlegt hat. Das Interview gibt es hier.

(Bild: ake1150 - stock.adobe.com)

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