Blick auf Moschee in Kabul

Bald eine Boomtown dank chinesischer Hilfe? Kabul. - Bild: Sergei / stock.adobe.com

Der Horror scheint, kein Ende zu nehmen. Täglich sehen wir in den Nachrichtensendungen, wie sich tausende Menschen verzweifelt vor den Toren des Kabuler Flughafens drängen und ausgeflogen werden wollen. Sie sehen für sich keine Perspektive in einem Afghanistan, das von den USA und seinen Verbündeten fallen gelassen wurde.

Amerikaner und Europäer brechen ihre Kontakte ins Land ab. Die Botschaften werden geschlossen. Die Taliban haben nun das Sagen. Der Westen hat kapituliert. Triumphieren können nun nicht nur die radikalen Islamisten, sondern insbesondere auch China.

Warum die Taliban auf China hören

Bislang hat die Stationierung amerikanischer Truppen in Afghanistan Chinas wirtschaftliche Interessen im Land ausgebremst. Nun ist der Weg frei. Neben Pakistan gehört China zu den wenigen Ländern mit echtem Einfluss und belastbaren Kontakten zu den Anführern der Taliban. Peking habe bereits seit Beginn der ersten Taliban-Herrschaft 1996 sogenannte „Backchannels“ zu den Islamisten, wie das ‚Handelsblatt‘ berichtet.  

Afghanistan-Experten sprechen davon, dass die Islamisten abhängig sind von Hilfsgeldern und Investitionen aus dem Reich der Mitte. Alleine deswegen, werden die Taliban ein offenes Ohr für die Chinesen haben.

Afghanistan ist reich an Bodenschätzen (siehe Infokasten unten). Allerdings ist die Infrastruktur miserabel und technisches Know-how zur effizienten Hebung der Rohstoffe fehlt im Land. Ohne Investitionen und Hilfe aus dem Ausland, kommen die Taliban alleine nicht an die Rohstoffe ran.

Im Gegensatz zum Westen stellt China keine Bedingungen in Sachen Menschenrechte und Demokratie, um im Gegenzug Investitionen locker zu machen. Das hat Peking bereits in Afrika bewiesen. Vielmehr ist China der Gegenentwurf zur Sehnsucht des Westens, die eigenen Werte zu exportieren. Vom sogenannten „Nationbuilding“, wie es der Westen in Afghanistan mit dem Bau von Schulen und der Errichtung von Verwaltungen betrieben hat, wird China sicherlich absehen.

Nach Machtübernahme der Taliban: Deutscher Außenhandelsverband in Sorge

Auch der deutsche Außenhandelsverband BGA sorgt sich nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan um die geopolitischen Folgen.

„Die Frage ist, ob die Machtübernahme die Region destabilisiert“, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen auf Anfrage der Nachrichtenagentur ‚dpa‘. „Zudem könnte China seinen Einfluss weiter ausbauen und sich den Zugriff auf Bodenschätze sichern.“

Auf welche afghanischen Rohstoffe China besonders scharf ist

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre ist es der amerikanischen Geologiebehörde USGS gelungen 30 Prozent Afghanistans zu untersuchen. Das Bemerkenswerte: Alleine auf beziehungsweise unter dieser Fläche lagern Rohstoffe im Wert von schätzungsweise drei Billionen Dollar.

Nachgewiesen sind Vorkommen von Gold und Kohle, sowie Kobalt, Lithium und Seltenen Erden – also die Grundstoffe für die Herstellung Batterien für Elektroautos. Damit nicht genug: China ist bereits drauf und dran, mehrere Ölfelder mit einem Fördervolumen von 87 Millionen Barrel Öl auszubeuten.

Bedeutende Bodenschätze in Afghanistan

  • Asbest, Talk, Magnesit
  • Chromeisenerz
  • Quarzsand
  • Graphit
  • Vulkanische Kupfer-, Eisen-, Blei- und Zinkerze
  • Lithium
  • Seltene Erden
  • Diverse mineralische Rohstoffe
  • Sand und Kies
  • Sedimentäre Kupfer-, Eisen-, Blei- und Zinkerze
  • Coelestin (Strontiumsulfat)
  • Steine und Erden für Baumaterial

Warum der Einfluss Chinas in ganz Asien wächst

Die chinesische Staatszeitung ‚Global Times‘ machte infolge der chaotischen Evakuierungsbemühungen der Amerikaner einen beachtlichen Brückenschlag zum schwelenden Taiwan-Konflikt: „Nach den Ereignissen in Afghanistan sollten die Menschen in Taiwan wissen, dass die Verteidigung der Insel innerhalb von Stunden zusammenbrechen wird, sobald ein Krieg in der Meerenge ausbricht, und dass das US-Militär nicht zu Hilfe kommen wird.“

Ohnehin ist China bekanntermaßen dabei, seine Einflusssphäre in allen Teilen Asiens zu erweitern – sehr zum Leidwesen von Indien. Denn für Neu-Delhi ist das Vorrücken der Taliban und der Abzug des Westens besonders schmerzhaft, wollte doch Indien gemeinsam mit den USA einen Gegenpol zu China im Asien-Pazifik-Raum schaffen.

Gegenüber dem ‚Handelsblatt‘ betonte ein indischer Top-Ökonom, der schlecht gemanagte Truppenabzug habe Amerikas Ruf als Partner geschadet. Das bekräftige Chinas Botschaft an die asiatischen Nachbarn, dass die USA unter Joe Biden zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, als dass sie bei der Verteilung oder dem wirtschaftlichen Neustart in Südostasien ernsthaft helfen könnten.

Wird Afghanistan Teil der Neuen Seidenstraße?

Von Mao Zedong stammt der Ausspruch, die politische Macht komme aus den Gewehrläufen. Unter dem aktuellen Staatsoberhaupt Xi Jinping kommt sie aus den Betonmischern. Chinas Staatskonzerne, halb staatliche Betriebe und sonstige Konglomerate bauen Bahntrassen, Straßen, Kraftwerke und Häfen entlang der Neuen Seidenstraße. Afghanistan war bislang von diesem Projekt noch weitestgehend ausgeklammert.

Sollte China sich dauerhaft in dem Land am Hindukusch festsetzen, könnte sich auch das bald ändern. Conrad Schetter, Afghanistan-Experte am Internationalen Konversionszentrum in Bonn, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur ‚dpa‘: Investitionen Chinas im Rahmen der Neuen Seidenstraße ließen die Region um Afghanistan boomen. „Afghanistan kann aber nur boomen, wenn dort Frieden und Stabilität einkehrt. Das ist den Nachbarstaaten klar“, so Schetter.

Wer außer den Chinesen mit den Taliban noch Geschäfte machen könnte

Seit Längerem hält Russland Kommunikationskanäle mit den Taliban offen. Russlands Botschafter in Afghanistan, Dmitrij Schirnow, gab sich im Interview mit dem russischen Staatssender ‚Rossija24‘ pragmatisch: "Die Taliban beginnen sich in der Stadt anzusiedeln. Unsere Botschaft wird bereits von den Taliban bewacht. Es gab einen Transfer: Das afghanische Militär ging, die Taliban traten an ihre Stelle."

Während unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA ihre Botschaften evakuieren ließen, hieß es von russischer Seite, dass ihre Botschaft in Kabul ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen werde. "Die Taliban haben uns bereits alle relevanten Versprechen gegeben. Hoffen wir, dass sie eingehalten werden", so der Botschafter in einem Bericht der ‚Tagesschau‘.

Seit Jahren schon unterhält Moskau Kontakte zu "beiden Seiten" - der nun vertriebenen afghanischen Regierung und den Taliban. Mehrfach kamen Vertreter der Taliban seitdem zu Gesprächen nach Moskau - zuletzt vor gut einem Monat. Der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für Afghanistan, Zamir Kabulow, sagte unlängst sogar, die Taliban seien bessere Partner "als die Kabuler Marionettenregierung".

China und Russland schließen sich gegen Taliban zusammen

Vor dem Hintergrund der Krise in Afghanistan wollen China und Russland ihre Zusammenarbeit stärken, wie das 'Redaktionsnetzwerk Deutschland' am Donnerstagabend (25.08.2021) berichtet. Demnach telefonierten der chinesische Präsident Xi Jinping und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin zu diesem Thema.

Weiter heißt es, dass sich beide Staatschefs auf verschärfte Maßnahmen gegen den Drogenschmuggel aus Afghanistan einigten. Xi und Putin hätten zudem betont, wie wichtig eine Friedenslösung für das Land sei. Gleichwohl machte Xi im Gespräch mit Putin deutlich, dass Peking eine Linie der Nichteinmischung in Afghanistans innere Angelegenheiten verfolge.

 

 

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