Ein mehrstöckiger Wohnkomplex, den Volkswagen in dem Volkswagen Wohnungen an seine Mitarbeiter, aber auch andere Interessierte vermietet.

So schaut ein Wohnkomplex von Volkswagen aus. Der Autobauer vermietet seine Wohnungen sowohl an seine Mitarbeiter, also auch andere Mieter. - Bild: Volkswagen Immobilie

| von Anja Ringel

Eine schöne und vor allem bezahlbare Wohnung in einem Ballungsgebiet zu finden, wird immer schwieriger. Gleichzeitig suchen Firmen teilweise verzweifelt Fachkräfte. Die Folge: Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern als Anreiz Werkswohnungen an. Das Forschungs- und Beratungsinstitut Regiokontext hat dazu nun eine Studie veröffentlicht

Die Erkenntnis der Experten:  Mitarbeiterwohnen habe sich von der Nische über den Trend zu einem etablierten Mittel moderner Unternehmens- und Personalpolitik entwickelt.“ Im vergangenen Jahr hat Regiokontext mindestens 60 neue Miet-Projekte in eine Datenbank aufgenommen, schreibt die Deutsche Presseagentur (Dpa).

Zwei Unternehmen, die schon länger Werkswohnungen anbieten, sind Volkswagen und BASF.

Volkswagen vermietet mehr als 9.000 Wohnungen

Tobias Fruh, Pressesprecher bei Volkswagen Immobilien (VWI) erklärt gegenüber PRODUKTION, dass das Unternehmen 1953 als Konzerntochter gegründet wurde, um rasch Werkswohnungen bauen zu können. Seit Anfang der 1990er vermietet VWI seine Wohnungen nicht nur an VW-Mitarbeiter. Diese haben bei der Wohnungsvergabe jedoch Vorrang, sagt Fruh.

Rund 9.300 Mietwohnungen hat VWI momentan am Konzernhauptsitz in Wolfsburg. Dabei sind von WG-Zimmern bis zu 5-Zimmer-Wohnungen die verschiedensten Modelle für unterschiedliche Zielgruppen dabei.

Der Bau von Werkswohnungen, die es bei Volkswagen seit den 1950er Jahren gibt.
Volkswagen bietet schon seit den 1950er Jahren Werkswohnungen für seine Mitarbeiter an. - Archivbild: Volkswagen Immobilie

Nachdem es in Wolfsburg kaum noch Leerstände gibt, hat die VWI 2012 wieder begonnen, Mietwohnungen zu bauen, sagt Fruh. Bis 2023 sollen dabei mehr als 550 neue Wohnungen entstehen.

Meno Requardt, Geschäftsführer von VWI, sagte gegenüber der Dpa, dass das Unternehmen jährlich ein Budget von 15 bis 20 Millionen Euro für den Neubau sowie 20 Millionen Euro für die Bestandswohnungen hat.

So teuer sind VW-Mitarbeiterwohnungen

Fruh betont, dass der Begriff der klassischen Werkswohnungen bei Volkswagen inzwischen nicht mehr passe. VWI spreche lieber von Mitarbeiterwohnungen. Denn: Konzernangehörige bekommen zwar bevorzugt Wohnungen, müssen aber die gleiche Miete zahlen wie alle anderen. Laut Dpa sind die VW-Mieten auch nicht billiger als andere: Günstige Wohnungen kosten knapp sieben Euro pro Quadratmeter, Neubauten gibt es ab elf Euro pro Quadratmeter.

Zudem sind die Mietverträge nicht an die Arbeitsverträge gekoppelt, erklärt der VWI-Pressesprecher. Das heißt: Wenn der Mitarbeiter Volkswagen verlässt, bleibt der Mietvertrag trotzdem bestehen.

„Wir sind überzeugt, dass passgenaue Wohnraumangebote in Zeiten von angespannten Wohnungsmärkten ein geeignetes Instrument zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität sein kann, um Fach- und Führungskräfte zu gewinnen“, sagt Früh. Bewerber werden deshalb frühzeitig darüber informiert, welche Wohnungsangebote es gibt. Rund drei Viertel aller Neumieter in den VWI-Neubauwohnungen seien Konzernangehörige, erklärt der Pressesprecher.

BASF baut schon seit 150 Jahren Werkswohnungen

Bei BASF hängt der Werkswohnungsbau eng mit der Geschichte des Chemiekonzerns zusammen. Simone Hofmann von BASF Wohnen + Bauen erklärt, dass der Bau von Werkswohnungen bereits im Konzessionsgesuch von BASF im Jahr 1865 erwähnt wurde. Kurz nach der Firmengründung im gleichen Jahr seien dann die ersten Wohnungen entstanden. Seit 1926 gibt es eine eigene Wohnungsgesellschaft, die heute BASF Wohnen + Bauen heißt.

Inzwischen besitzt die BASF-Tochter rund 6.000 Wohnungen in und um Ludwigshafen. Jährlich entstehen rund 40 neue Wohnungen. Interessenten – vor allem Mitarbeiter – können auch Wohnungen von BASF kaufen.

Ein Haus mit Garten der Hemshof-Kolonie in direkter Nähe zum Werkstor 1 der BASF.
Der Bau der Hemshof-Kolonie in direkter Nähe zum Werkstor 1 der BASF begann bereits 1872. Heute sind die Häuser umfassend modernisiert. - Bild: BASF Wohnen + Bauen

Die Bewohner sind dabei zu 70 Prozent BASF-Mitarbeiter, sagt Hofmann. Diese können laut Dpa wählen, ob sie die Miete an ihren Arbeitgeber überweisen oder ob sie gleich vom Gehalt abgezogen wird. Auch bei BASF gilt: Wer das Unternehmen verlässt, darf weiterhin in der Wohnung bleiben.

Mitarbeiterwohnungen: So viel zahlen die Mieter bei BASF

Die Mieten für BASF-Mitarbeiter und andere Mitarbeiter unterschieden sich dabei nicht, erklärt Hofmann. Momentan liegt die Durchschnittsmiete bei rund 6,50 Euro pro Quadratmeter. Das liege im städtischen Durchschnitt, erklärt die Sprecherin.

Hofmann berichtet, dass das Wohnungsangebot sehr gut angenommen wird: „Wir machen die Erfahrung, dass Mitarbeiter, die eine Wohnung nah am Arbeitsplatz suchen oder neu nach Ludwigshafen kommen, unser Angebot schätzen.“ Dabei sei es dem Unternehmen wichtig, dass für jeden eine passende Wohnung vorhanden sei: Von der Azubi-WG über das Einfamilienhaus bis zu seniorengerechtem Wohnen.

Steuervorteil für günstige Werkswohnungen

Seit Anfang des Jahres müssen Arbeitnehmer im Übrigen keine Steuernachzahlung mehr fürchten, wenn sie eine günstige Wohnung des Arbeitsgebers mieten. Denn die Bundesregierung hat die steuerrechtliche Behandlung des „geldwerten Vorteils“ neu geregelt, schreiben die Experten von Regiokontext in ihrer Studie. Damit sollen Mitarbeiterwohnungen mit einem Steuerfreibetrag für Mieter gefördert werden.

Bereits registriert?