Leoni Kabel aufgesplittet

Noch mitten in der Krise: Der Automobilzulieferer Leoni. - Bild: Leoni

Stattdessen fuhr der traditionsreiche Auto- und Industriezulieferer aus Franken im dritten Quartal erneut ein dickes Minus ein. Unter dem Strich stand ein herber Verlust von 88 Millionen Euro für Leoni zu Buche, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Gewinn von 23 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Der Konzern bekam die anhaltende Schwäche der Automärkte abermals zu spüren, zudem machten sich hohe Umbaukosten bemerkbar.

Bereits im ersten und zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs war Leoni tief in die roten Zahlen gerutscht. Konzernchef Aldo Kamper sprach mit Blick auf den Umbau zwar von Fortschritten, räumte aber auch ein, dass der Weg noch lang ist.

"Noch keineswegs am Ziel"

"Uns ist bewusst, dass wir noch keineswegs am Ziel sind", sagte der Niederländer in einer Telefonkonferenz. Auf Leoni warteten noch zahlreiche große Herausforderungen, das Marktumfeld sei weiterhin schwierig. Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,2 Prozent auf rund 1,16 Milliarden Euro sank, lag der Verlust vor Zinsen und Steuern bei 67 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Leoni noch einen operativen Gewinn von 38 Millionen Euro eingefahren.

An der Börse sorgten die schlechten Nachrichten für einen Kursrutsch. Die Leoni-Aktie sackte am Mittwochmorgen kurz nach Handelsbeginn um rund 9 Prozent ab und war damit der mit Abstand schwächste Titel im Nebenwerteindex SDax. Damit setzen die Franken ihre seit geraumer Zeit anhaltende Talfahrt am Kapitalmarkt fort.

Alleine seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 62 Prozent an Wert verloren und liegen abgeschlagen am Index-Ende. In den zurückliegenden fünf Jahren haben die Titel sogar drei Viertel ihres Werts eingebüßt.

Höherer Verlust als gedacht

Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JP Morgan wies in einer ersten Einschätzung darauf hin, dass die Volumina in beiden Geschäftsfeldern zurückgegangen seien. Der operative Verlust des Autozulieferers sei höher ausgefallen als gedacht. Aus Sicht von Michael Raab vom Analysehaus Kepler Cheuvreux hat Leoni im Segment Bordnetzsysteme schwächer als erwartet abgeschnitten. Der Konzern verbrenne nicht mehr so viel Geld wie zuvor, was als ein Zeichen der Besserung gewertet werden könne.

Sowohl die Kabel- als auch die Bordnetzsparte waren von den anhaltenden Problemen betroffen und mussten deutlich Federn lassen. In der größeren, zuletzt aber klar defizitären Bordnetzsparte drückten unter anderem höhere Lohnkosten, planmäßige Hochlaufkosten und operative Belastungen durch das laufende Umbauprogramm aufs Ergebnis. In der zum Verkauf stehenden Kabelsparte belasteten erste Rückstellungen für die Restrukturierung des Geschäfts mit Kunden aus der Erdöl- und Gasindustrie.

Die maue Autokonjunktur und das schwache Industrieumfeld führte in beiden Sparten zu Nachfragerückgängen. Und der Konzern geht davon aus, dass sich dieser Trend auch im vierten Quartal fortsetzen wird. Beim Umsatz erwarten die Franken weiterhin ein Minus.

Trotz aller Schwierigkeiten vermeldete Leoni für das dritte Quartal aber immerhin beim freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) eine Aufwärtstendenz. Zwar war er mit minus 12 Millionen Euro immer noch negativ, im Vorjahresquartal hatte aber noch ein Minus von 141 Millionen Euro ins Kontor geschlagen. Der Free Cashflow ist vor allem für Analysten und Investoren ein wichtiger Wert, da er Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens gibt. Ist er negativ, verbrennt das Unternehmen quasi Geld. "Wir machen wichtige Fortschritte, unser Cash Management zu verbessern", sagte Kamper.

Abbau von 500 Stellen

Der Konzernlenker verwies darauf, dass der eingeleitete Abbau von 500 Stellen in Hochlohnländern nach Plan verlaufe. Entsprechende Vereinbarungen seien getroffen, die betroffenen Mitarbeiter würden Leoni in den nächsten Quartalen nach und nach verlassen. Der Vorstandschef betonte, dass gerade in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen fast gänzlich vermieden werden konnten. Im Frühjahr hatte Leoni angekündigt, angesichts der Krise konzernweit insgesamt 2.000 Stellen streichen zu wollen. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 93.000 Mitarbeiter.

Leoni will mit seinem Umbau- und Sparprogramm ab dem Jahr 2022 jährliche Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro brutto realisieren. Kamper hat alles auf den Prüfstand gestellt und sieht unter anderem noch Optimierungspotenzial im Einkauf und in den Fabriken.

Derweil treibt Leoni den geplanten Verkauf seiner Kabelsparte weiter voran. Die Franken wollen sich von ihrer kleineren Sparte trennen, da sie wenig Synergien mit der Bordnetzsparte sehen, auf deren strategische Weiterentwicklung sie sich künftig konzentrieren möchten. Kamper sagte, dass ein zunächst ebenfalls ins Auge gefasster Börsengang in Anbetracht der aktuellen Marktentwicklung etwas in den Hintergrund gerückt sei, aber eine Option bleibe.

Künftige Eigentümerstruktur wird geprüft

Momentan prüfe der Konzern weiterhin die beste künftige Eigentümerstruktur für die Kabelsparte, deren Verkauf im Laufe des Jahres 2020 erwartet wird. Ein genauer Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. Laut Kamper zeigten sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren aus allen Ecken der Welt großes Interesse. Wichtig sei, einen Käufer zu finden, der die Sparte weiterentwickeln könne.

Seine Prognose bestätigte Leoni unterdessen. Für das Gesamtjahr geht das Unternehmen weiter davon aus, dass der Umsatz moderat unter dem des Vorjahres liegen wird. Das Konzern-Ebit vor Sondereffekten soll sich auf einen bis zu mittleren zweistelligen negativen Millionenbetrag belaufen.

Das sind die 10 größten deutschen Rüstungsunternehmen

Politiker wie Putin, Trump & Co lassen mit ihren Drohgebärden das Bedürfnis der Staaten nach Selbstschutz weltweit ansteigen. Auch der Rüstungsindustrie in Deutschland beschert das volle Auftragsbücher. Diese zehn Unternehmen zählen zu den größten deutschen Waffenschmieden. Klicken Sie sich durch!