Der mobile Roboter MiR100 der dänischen Firma MiR (Mobile industrial Robots) kostet 22 000,- Euro

Der mobile Roboter MiR100 der dänischen Firma MiR (Mobile industrial Robots) kostet 22 000,- Euro und liegt damit laut Hersteller weit unter dem Preis der Konkurrenzmodelle. - Bild MiR

Nachdem Universal Robots die Branche durcheinanderwirbelte, macht erneut ein dänisches Unternehmen von sich reden, diesmal ein Hersteller mobiler Roboter: MiR

Quer durch die Werkshalle bewegt sich gemächlich der mobile Roboter MiR100. Auf dem Boden um ihn herum spiegelt sich ein Kranz bunten Lichtes, je nach Betriebszustand des Roboters leuchtet es hellblau, rot oder grün. Auf seinem Rücken schleppt er ein Regal mit Plastikboxen. Am Ende der Halle bleibt er vor dem Aufzug kurz stehen, die Türen öffnen sich, er lässt einen Mitarbeiter mit Transportwagen aussteigen und verschwindet hinter den sich schließenden Türen. Im richtigen Stockwerk verlässt er den Aufzug, beschleunigt und verschwindet in einem der langen Gänge des Firmengebäudes, wahlweise des Krankenhauses.

Scanner, 3D-Kameras und Ultraschall

Noch hat der neue mobile Roboter der dänischen Firma MiR weder Industrie noch Krankenhäuser in großem Umfang erobert, doch laut CEO Thomas Visti soll er europaweit bald viele monotone Transportaufgaben übernehmen. „Vielen in der Industrie ist nicht klar, wie groß das Potenzial von ein bis zwei mobilen Robotern ist“, sagt Visti. Mithilfe eingebauter Scanner, 3D-Kameras und Ultraschall ist ein kollaborierender Betrieb möglich – der Roboter kann also in dynamischen Umgebungen mit Menschen und anderen beweglichen Hindernissen frei fahren. MiR100 wird bis dato überwiegend in Krankenhäusern eingesetzt, kostet 22 000 Euro und kann 100 Kilo tragen, wahlweise 300 Kilo ziehen und lässt sich per App in kurzer Zeit programmieren – auch von Laien. Beliebige Behälter oder Aufbauten können auf ihm verankert werden oder an ihn gehängt werden.

6-Achs Roboter

Visti hat schon einmal die Roboterbranche durcheinandergewirbelt, damals war er bei Universal Robots für Vertrieb und Marketing zuständig. Mit ihrem UR5 schufen die Dänen 2006 einen 6-achsigen konkurrenzlos leichten und kostengünstigen Roboterarm. Universal Robots war damit äußerst erfolgreich und gab jüngst eine Umsatzsteigerung von 70 % bekannt. Ob dies Visti nun ein zweites Mal gelingt? Die Voraussetzungen sind ähnlich, sein Transportroboter ist günstig, Zusatzkosten für Umbauten entstehen nicht und er ist spielend leicht zu bedienen.

Programmieren mit dem Smartphone

Um das zu beweisen, besuchten Thomas Visti und sein Kollege Henrik Vesterlund Soerensen die Redaktion der Produktion gemeinsam mit ihrem MiR100. Das unbekannte Terrain, ein Treppenfoyer, hat er innerhalb einer Viertelstunde erkundet. Soerensen führte dafür den Roboter mit einem Joystick auf seinem Smartphone einmal rund um den gesamten Raum, er klickte auf ‚Karte erstellen‘ und ein Plan des Raumes zeigte sich auf dem Display. Er klickte zwei Stellen im Raum als ‚Busstationen‘ an und sogleich startete der Roboter unermüdlich seine Fahrt von einer Station zur nächsten und zurück. „Er errechnet immer den kürzesten Weg von A nach B“, erläutert Visti.

Bus oder Taxi

In dem Bedienmenü auf dem Smartphone lassen sich beliebig viele Haltestationen auswählen, man kann feste Zeiten für Stops einplanen, oder per Melodie oder Ton seine Ankunft ankündigen. Springt man ihm in den Weg, bleibt er sofort stehen und sucht sich eine neue Route.

Fahrerlose Transportsystem für KMU

Fahrerlose Transportsysteme waren bislang eher eine Sache für große Unternehmen. Es fielen höhere Invests und aufwändige Planungen an. Die meisten angebotenen Systeme sind starr in ihren Aufbauten, individuelle Wünsche des Kunden nur mit hohen Zusatzkosten erfüllbar – alles Bedingungen, die KMUs bislang abschreckten. Die mobile Plattform der Dänen sei günstiger und flexibler. „Natürlich kann man auch einen Roboterarm auf dem MiR100 installieren“, erwähnt Visti und denkt dabei an ein aktuelles Projekt mit Universal Robots.

280 Stück im Jahr

Vistis Pläne sind ehrgeizig: in zwei Jahren will er 280 Stück im Jahr verkaufen, im ersten Jahr ihres Vertriebs um die 50 Stück. Der MiR100 ist das erste Produkt des jungen dänischen Unternehmens. Vertrieblich arbeiten sie eng mit Universal Robots zusammen. Dadurch ist ihr Roboter schon heute in Deutschland, Schweden, Norwegen, Italien und den Benelux-Staaten erhältlich.

Sabine Spinnarke