Blockchain

In Verbindung mit Industrie 4.0 könnte die Blockchain dafür sorgen, dass eine Maschine direkt Nachbestellprozesse beauftragen und automatisiert bezahlen kann. - Bild: Adobe Stock/monsitj

Wie wichtig die Automobilindustrie das Thema nimmt, zeigt das Engagement der OEMs in unterschiedlichen Initiativen von MOBI bis IOTA. Praktisch alle haben ein Team, das die verschiedenen Blockchain-Technologien unter die Lupe nimmt und auf ihre Anwendbarkeit hin prüft. Diese Ressourcen hat natürlich nicht jedes Unternehmen – dennoch lohnt es sich, die Möglichkeiten zu analysieren. Zu den ersten wichtigen Anwendungsbereichen zählt das Supply Chain Management.

T-Systems Experte Alexander Ebeling, IT-Consultant im Bereich Blockchain, räumt im ersten Podcast-Beitrag mit Begrifflichkeiten und Mythen rund um die Blockchain auf – und gibt einen Ausblick, wie sich die Technologie entwickelt.

In Verbindung mit Industrie 4.0 könnte die Blockchain dafür sorgen, dass eine Maschine direkt Nachbestellprozesse beauftragen und automatisiert bezahlen kann. Zulieferer könnten darin nachweisen, dass sie sich zum Beispiel an ethische Standards halten oder Qualitätssicherungsergebnisse und getestete Materialeigenschaften ihrer Produkte automatisiert teilen. Speziell dort, wo zu Subskriptions-Modellen neben dem klassischen Verkauf von Maschinen übergegangen wird, ist die Blockchain interessant.

Noch steht der Blockchain-Einsatz aber am Anfang: 17 Prozent der Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern nutzen bereits Blockchain-Technologie, weitere 27 Prozent planen den Einsatz, 11 Prozent diskutieren darüber. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom unter gut 1.000 Unternehmen. Effizienzsteigerung und Vertrauensbildung sind für 87 Prozent der Nutzer entscheidende Faktoren für die Adaption der neuen Technologie.

Blockchain bietet durch Unveränderbarkeit hohe Sicherheit

T-Systems Experte Alexander Ebeling, IT-Consultant im Bereich Blockchain, räumt im ersten Podcast-Beitrag mit Begrifflichkeiten und Mythen rund um die Blockchain auf – und gibt einen Ausblick, wie sich die Technologie entwickelt. In Blockchains, die auch als Transaktionsregister bezeichnet werden, lassen sich Informationen in einer Kette speichern, die nicht gebrochen werden kann: Die Unveränderlichkeit der Daten ist deshalb ihr wohl wichtigstes Merkmal. „Diese übergeordnete Sicherheit hat man sonst nicht, verglichen mit klassischen Datenbanken auf Servern. Man kann darauf vertrauen, dass die Informationen nicht gefälscht worden sind“, erklärt Ebeling.

Unterschieden wird hinsichtlich der Anwendbarkeit danach, für welchen Zweck ein Protokoll oder Framework gebaut wurde. „Es gibt nicht die eine Blockchain und noch keine Standardisierung – die Technologie ist noch nicht so weit“, erklärt Ebeling. Zu den wichtigsten Ansätzen, die sich derzeit herauskristallisieren, gehören vor allem Hyperledger und Ethereum. Hyperledger ist ein Enterprise Framework, das von der Linux Foundation und IBM mit entwickelt wurde. Es ist nicht als öffentliche Blockchain konzipiert, sondern ausschließlich für Unternehmen oder Konsortien. „Da entwickelt sich ganz viel, es ist praktisch die Unternehmens-Blockchain“, sagt Ebeling. Im Bereich der öffentlichen Anwendung tut sich Ethereum als Basis für dezentrale Applikationen am stärksten hervor. IOTA, auch oft in diesem Kontext genannt, gilt streng genommen nicht als Blockchain, denn hier werden Informationen in einer Graphenstruktur gespeichert.

Blockchain verbindet heterogene Partnerlandschaft

Einsatzszenarien für die Blockchain finden sich für Unternehmen, Lieferketten und Branchen überall dort, wo viele unterschiedliche Parteien beteiligt sind und zum Beispiel Herstellungsketten transparenter dokumentiert werden sollen. „In einem Kontext, in dem mehrere Parteien in unternehmensübergreifenden Prozessen zusammenarbeiten, bei denen vielleicht noch Zertifizierungen und Auditierungen dabei sind – und der Nutzen vom Endkonsumenten auch bezahlt würde – da ist eine Blockchain sehr sinnvoll“, konstatiert Ebeling.

Dabei hat jeder Teilnehmer einen bestimmten Informationswert oder Status, den er in die Kette einbringt. So entsteht ein rundes Bild der gesamten Supply Chain. Aber vor allem kann die Blockchain perspektivisch auch Folgeprozesse anstoßen, zum Beispiel Zollprozesse, und dezentral unterschiedliche IT-Systeme verbinden.

"In fünf Jahren werden wir erste, beispielsweise TÜV-zertifizierte Smart Contracts haben, die dann doch eine gewisse Rechtssicherheit bieten.“

Jannik Lockl, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer FIT BlockchainLab

Logistik profitiert beim Platooning künftig von Blockchain

In Folge 2 der Podcast-Serie diskutieren Jannik Lockl, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer FIT BlockchainLab, und Alexander Ebeling den Nutzen von Blockchain im Bereich Mobility. Beim sogenannten Platooning sollen mehrere LKWs oder auch PKWs im Konvoi hintereinander fahren – verbunden durch eine digitale Deichsel. Dabei werden Beschleunigungs- oder Bremsdaten zwischen den Fahrzeugen übertragen: So können sich beispielsweise LKWs auf einen Meter annähern und so durch den Effekt des Windschattens Sprit sparen. Außerdem wird durch die gekoppelten Systeme das Fahrverhalten sicherer.

Spätestens dort, wo beim Platooning verschiedene Logistik-Player kooperieren sollen, entsteht ein Vertrauensproblem, das sich nur durch intelligente Verträge lösen lässt, stellt der Fraunhofer-Experte fest. „Gleichwohl sind wir gerade bei Blockchain-basierten Smart Contracts noch auf einem sehr frühen Entwicklungsstand. In fünf Jahren werden wir erste, beispielsweise TÜV-zertifizierte Smart Contracts haben, die dann doch eine gewisse Rechtssicherheit bieten“, meint Jannik Lockl. Die Blockchain könnte hier perspektivisch dabei helfen, intelligente Verträge zu erstellen und Daten unveränderbar abzuspeichern, sodass alle vertrauensvoll zusammen arbeiten können. Zugleich sorgt sie für die Abwicklung der Zahlungsströme.

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Noch mehr Infos zu Einsatzszenarien und Sicherheit

In den nächsten Wochen diskutieren Experten in Folge 3 über die Herausforderungen bei Datenschutz und IT-Sicherheit und wo Blockchain helfen kann.

In Folge 4 geben Stefan Deml von Decentriq und Dr. Ivan Gudymenko von T-Systems einen Einblick in die Welt der Kryptographie, genauer gesagt in Zero Knowledge Proofs als Authentifizierungsstrategie. In Folge 5 geht es darum, wie Innovationen rund um Blockchain in einem Großkonzern getrieben werden – und um eine Bestandsaufnahme des Blockchain-Hypes, in der T-Labs über erste Use Cases berichtet.

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