Schachbrett mit König und Bauern

Laut Studie ist der unmittelbare Vorgesetzte der wichtigste Bezugspunkt für Mitarbeiter. Übrigens: Im Schach ist der König bei weitem nicht die mächtigste Figur. - Bild: Pixabay

| von Gabriel Pankow

In einer aktuellen Untersuchung der Personalberatung Korn Ferry haben 58 Prozent der Befragten angegeben, dass Sie sich nicht von ihren Vorgesetzten ausreichend gefördert fühlen würden. Und 39 Prozent haben sogar ausgesagt, dass ihre Chefs sie schon mindestens einmal komplett im Regen stehen gelassen haben.

  • 56 Prozent sagen, dass ihr Chef sie wenig oder gar nicht motivieren kann.
  • Den Job besser machen zu können denken 40 Prozent.
  • Gelernt haben 65 Prozent etwas von ihrer Führungskraft

"Der oder die unmittelbare Vorgesetzte ist, noch vor den Kollegen, der wichtigste Bezugspunkt von Mitarbeitern", sagt Holger Winzer, Leiter der Führungskräfteentwicklung von Korn Ferry in Deutschland. "Niemand hat einen solchen Einfluss auf die Entwicklung einzelner wie der unmittelbare Chef. Darum ist dies stets nicht nur eine formelle, sondern auch immer eine hoch emotionale Verbindung."

Chefs sind zu selten Motivationskünstler

Leider bekommen in der Untersuchung die Chefs auch in anderen Bereichen schlechte Noten. 52 Prozent der Befragten sagen, ihr Vorgesetzter habe schon einmal die Lorbeeren anstatt ihrer eingeheimst. Und 56 Prozent sagen, dass ihr Chef sie wenig oder gar nicht motivieren kann.

Holger Winzer sagt: "Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, in der ein Chef nicht mehr auf Kontrolle und Delegieren festgelegt werden kann. Er soll Inspirieren, Fördern, Befähigen, Zuhören. Dazu benötigen Führungskräfte aber ganz neue Kompetenzen und müssen Techniken erlernen, um dies in die Praxis umsetzen zu können. Trotz der aus meiner Sicht recht drastischen Aussagen in dieser Untersuchung, kann ich sagen, dass die meisten Unternehmen in Deutschland das Problem erkannt haben und intensiv an einer Entwicklung ihrer Führungskräfte arbeiten."

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Selbst Chef sein? Das will nur eine Minderheit

Zwar wünschen sich Mitarbeiter mehr Förderung und Motivation von ihren Chefs, gleichzeitig haben sie aber einen hohen Respekt vor ihnen. Eine Minderheit (40 Prozent) denkt, dass sie den Job besser ausfüllen könnte als ihr Boss und nur 32 Prozent würden überhaupt den Job des Vorgesetzten haben wollen.

Nur 25 Prozent halten sich für cleverer als ihr Chef und 65 Prozent sagen, dass sie von ihrer Führungskraft etwas lernen konnten.

Auch Chefs sind nur Menschen - sagen zumindest einige

"Mitarbeiter sehen natürlich, wie sich die Profile ihrer Vorgesetzten ändern, insbesondere im mittleren Management", sagt Holger Winzer. "Und sie sind oft empathisch und demütig genug zu erkennen, dass auch der Chef nur ein Mensch ist. Eine solche Haltung hilft Unternehmen übrigens ungemein in dieser Zeit der großen Veränderungen, die Rollen ihrer Führungskräfte neu zu definieren und mit Leben zu füllen. Denn wer inspiriert, gefördert und befähigt werden möchte, der sollte zugleich seinen Vorgesetzten zugestehen, dass auch sie Bedürfnisse und Herausforderungen haben, die zu bewältigen sind", so Winzer.

Darum sei entscheidend, nicht stets den Fehler nur bei den Führungskräften zu suchen. "Sondern richtig ist: Führungskräfte weiterentwickeln, aber zugleich eine Atmosphäre und Kultur schaffen, in dem das überhaupt möglich ist – und in der sich dann auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter weiterentwickeln kann und muss", erklärt der Personalexperte.

Korn Ferry hat im September 2019 804 Professionals über ihre Haltung zu ihren Vorgesetzten befragt.

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