In den USA wird wieder fleißig gefertigt. Hier der Blick in die Produktionshalle des

In den USA wird wieder fleißig gefertigt. Hier der Blick in die Produktionshalle des US-amerikanischen Werkzeugmaschinenherstellers Haas Automation. - Bild: Haas

Mr. McGibbon, Präsident Obama hatte sich bei seinem Amtsantritt die Wiederbelebung der US-amerikanischen produzierenden Industrie auf die Fahnen geschrieben. Was ist daraus geworden?
Die Zwischenbilanz sieht gut aus und die USA haben sich als Industriestandort zurückgemeldet. Seit Juni 2009 ist die produzierende Industrie um 21 % gewachsen. Auch die Anzahl der Beschäftigten steigerte sich rasant: Im Februar 2010 lag sie mit 11,3 Millionen noch auf einem besonders niedrigen Stand. Bis 2015 konnten eine Million zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Im April waren sogar 350 000 Jobs in der Branche unbesetzt. Außerdem sind die USA in den letzten sechs Jahren deutlich attraktiver für die Industrie geworden. Das hat dazu geführt, dass sich die Direktinvestitonen ausländischer Unternehmen zwischen 2003 und 2013 verdoppelt haben. Die besseren wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen haben auch dazu geführt, dass viele US-amerikanische Unternehmen wieder im eigenen Land in Produktionskapazitäten investieren. Hunderte von Millionen Dollar wurden so zusätzlich in den USA investiert. Ja, die produzierende Industrie in den USA ist auf Wachstumskurs.  

Was erwarten Sie von TTIP für die US-amerikanische Werkzeugmaschinenindustrie?
Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft ist eine Möglichkeit, internationale Geschäfte durch den Abbau von Barrieren und einheitliche Prozesse zu vereinfachen. Transparenz und die Angleichung von Standards und Normen sind der Schlüssel dazu. Die größte Herausforderung ist dabei die Angleichung von Standards. Es gibt verschiedene Wege, dieses Problem zu lösen. Derzeit ist aber leider keine der beteiligten Seiten  bereit, eigene Standards und Normen ohne Weiteres aufzugeben. Um den Handel zu vereinfachen und insbesondere bei kleineren Geschäften weiteres Wachstum zu gewährleisten, müssen diese Differenzen gelöst werden. Gerade die kleineren Geschäfte stellen die überwältigende Mehrheit aller Geschäftsabschlüsse diesseits und jenseits des Atlantiks dar. Das schafft auch viele Arbeitsplätze. Jede Übereinkunft, die nicht die geeignete Atmosphäre für diese kleineren Geschäftsabschlüsse schafft, bringt uns nicht weiter. Große Firmen haben dagegen bereits beiderseits des Atlantiks Einrichtungen etabliert, die diese Herausforderungen lindern. TTIP verbessert die Möglichkeiten, kleinere Geschäfte international abzuschließen.  Darin liegt der wirkliche Wert dieses Abkommens.

Sind Werkzeugmaschinen 'Made in USA‘ wettbewerbsfähig?
US-amerikanische Werkzeugmaschinenhersteller liefern in manchen Gebieten überlegene Technik und sind in anderen auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern aus anderen Ländern. Es gibt Technologien, in denen japanische oder deutsche Hersteller führend sind. Aber grundsätzlich liefert jede dieser Regionen wettbewerbsfähige Maschinen und jede trägt zur Weiterentwicklung der Technologie bei. Der Wettbewerb wird vielmehr stark von Wechselkursen und Subventionen der Regierungen beeinflusst und verschafft einzelnen Ländern so einen Vorteil. Hersteller aus den USA leiden besonders unter den Subventionen anderer Werkzeugmaschinennationen.

Wie wichtig sind importierte Werkzeugmaschinen für die USA?
Maschinen aus Deutschland und Japan sind elementarer Bestandteil der US-amerikanischen Industrie. Dafür exportieren die USA viele Laser sowohl nach Europa als auch nach Japan. Die Werkzeugmaschinenindustrie hat weltweit eine gut funktionierende Arbeitsteilung etabliert. Das geht soweit, dass viele große Werkzeugmaschinenhersteller in mehreren Regionen Produktionskapazitäten eingerichtet haben.

Wie schnell wächst der US-amerikanische Markt für Werkzeugmaschinen?
Nach der Rezession im Jahr 2009 ist der US-amerikanische Markt für Werkzeugmaschinen extrem schnell gewachsen. In den zwei auf die Krise folgenden Jahren stieg der Bedarf an Fertigungstechnologie um neunundneunzig respektive sechsundsechzig Prozent. Dieses Wachstum ging im Jahr 2012 weiter. Nach einer Wachstumspause im Jahr 2013 gab es 2014 wieder ein kleines Wachstum.

Welche Wachstumsraten erwarten Sie für die kommenden Jahre?
Unser Verband trifft dazu keine Prognosen. Aber wir arbeiten mit einigen Unternehmen zusammen, die das tun. Deren Prognosen gehen für 2015 von einem leichten bis moderaten Plus bei den Auftragseingängen aus. Weiter gehen die Experten für das nächste Jahr von einem schnelleren Wachstum aus.

Gibt es in den USA genug gut qualifiziertes Personal?
Das ist ein großes Problem. Es gibt viel zu wenige gut ausgebildete Techniker und Ingenieure. Für die nahe und mittlere Zukunft wird sich daran auch nichts ändern, denn es befinden sich zu wenig junge Menschen in der Ausbildung oder in den entsprechenden Studiengängen. Derzeit fehlen der produzierenden Industrie 350 000 qualifizierte Arbeitskräfte. Die Unternehmensberatung Deloitte hat dazu jüngst eine alarmierende Studie veröffentlicht. Demnach werden die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren in Rente gehen. Gleichzeitig werden die technologischen Fortschritte immer mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer erforderlich machen und zu völlig neuen Berufsbildern führen. Demzufolge werden laut der Studie bis zum Jahr 2025 zwei Millionen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen.

Welche Initiativen gibt es in den USA, um das zu ändern?
In den USA wurde dazu die Initiative STEM ins Leben gerufen. Diese steht für 'Science‘, 'Technology‘, 'Engineering‘, und 'Mathematics‘. Durch diese Initiative wurden einige junge Leute auf uns aufmerksam. Außerdem hat unser Arbeitsministerium ein Förderprogramm für Berufe in der Industrie ins Leben gerufen. Dabei werden Hochschulprogramme zum Thema fortschrittliche Produktion unterstützt. Weitere Fördermittel wurden auch zu anderen Ausbildungsprogrammen bewilligt. Das soll junge Leute für Berufe in der produzierenden Industrie begeistern und zeigt bereits erste Erfolge.

Welche Bedeutung hat die IMTS im Vergleich zu den anderen weltweiten Leitmessen für Metallbearbeitung?
Die Mega-Messen der Metallbearbeitung sind und bleiben die EMO Hannover oder Mailand, die JIMTOF Tokio, die CIMT in Peking und die IMTS Chicago. Das Programm dieser Messen erlaubt Ausstellern und Anwendern modernster Fertigungstechnologie den direkten Vergleich verschiedener Anlagen und Verfahren, mit denen sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein werden.

Wie groß ist der US-amerikanische jährliche Bedarf an Werkzeugmaschinen und wie viel Prozent davon wird durch Import gedeckt?
Unser Verband schätzt, dass der US-amerikanische Bedarf an Werkzeugmaschinen im letzten Jahr bei rund neun Mrd US-Dollar lag. In den USA wurden dabei Werkzeugmaschinen im Wert von sechs Mrd US-Dollar produziert und Werkzeugmaschinen im Wert von fünf Mrd US-Dollar wurden importiert. Die Differenz von zwei Mrd US-Dollar ergibt sich durch den Export US-amerikanischer Hersteller. Demzufolge wurden achtundfünfzig Prozent des gesamten Bedarfs durch Import gedeckt.

Wie viel Prozent davon kamen aus Deutschland?
Sechzehn Prozent aller importierten Werkzeugmaschinen stammten aus Deutschland. Das entspricht einer Summe von achthundert Millionen US-Dollar.

Welche Maschinen importieren die USA typischerweise aus Deutschland?
Bearbeitungszentren machen mit einem Anteil von zwanzig Prozent den größten Anteil aus. Der nächstgrößere Anteil sind Lasermaschinen mit einem Anteil von rund acht Prozent. Danach kommen Flachschleifmaschinen und Verzahnungsmaschinen mit einem Anteil von jeweils rund sieben Prozent. Diese vier Maschinentypen machen vierundvierzig Prozent der gesamten Maschinenimporte aus Deutschland aus. Der Rest verteilt sich über vierzig unterschiedliche Maschinentypen.