Thilo Brodtmann, VDMA, China, EU. Hürden

"Das Cyber-Security-Gesetz ist in sofern schwierig, als es die Internet-Kommunikation insgesamt erschwert", sagte VDMA-Hauptgeschäftführer Thilo Brodtmann gegenüber Produktion. - Bild: VDMA

| von Gunnar Knüpffer

Produktion: Herr Brodtmann, welche Beschränkungen spüren denn die deutschen Maschinenbauer im China-Geschäft?

Thilo Brodtmann: "Letztlich ist es für die Maschinenbauer unerfreulich, dass die Investitionsbedingungen in China unterschiedlich sind von denen, die die Chinesen in der EU antreffen. Wir können nicht in dem Maße wie die Chinesen in Europa dort investieren. Dort ist es nicht so frei. Insbesondere in High-Tech-Bereiche, in Bereiche, in die die staatlichen Stellen involviert sind, geht das nicht.

Ziel muss es deswegen sein, ein Investitionsabkommen zwischen der EU und China zu verhandeln. Das geschieht auch schon, diese Verhandlungen müssen aber noch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Das ist die Aufgabe. Insofern sind Disparitäten, Ungleichheiten, vorhanden, die beseitigt werden müssen.

Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, in der EU einseitig einen Investorenschutz zu installieren, halten wir aber auch für ungeeignet. Zunächst sollte die Verhandlungslösung angestrebt werden."

"Es gibt verschiedene Länder in der EU, die einen derartigen Investorenschutz betreiben und damit auch die EU insgesamt in diese Richtung drängen."

VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann zum geplanten Investorenschutz in der EU

Produktion: Dieser Investorenschutz ist noch nicht Kraft.

Brodtmann: "Es gibt verschiedene Länder in der EU, die einen derartigen Investorenschutz betreiben und damit auch die EU insgesamt in diese Richtung drängen. Es ist natürlich vieles offen bei dem Thema.

Das heißt, High-Tech-Unternehmen kommen in Frage. Dabei ist die Frage, welches Unternehmen den Stempel High-Tech erhält: Ist das nur der Roboter oder ist es auch ein innovativer Schneidstoff an einem Spanwerkzeug? Diese Frage, wo High-Tech anfängt und aufhört, ist ungeklärt.

Die nächste Frage ist: Ist staatliches Geld involviert? Es gibt viele Konstellationen, wo dies nicht einfach zu erkennen ist. Es hapert derzeit auch noch bei der Frage, wie man diese Parametrisierung vornimmt, um festzustellen, ob der Investorenschutz greift."

Produktion: Was befürchten Sie durch das neue chinesische Cyber-Security-Gesetz?

Brodtmann: "Dieses Gesetz ist insofern schwierig, als es die Internet-Kommunikation insgesamt erschwert. Dabei geht es um das Thema, wie Firewalls überwunden werden können, und um staatliche Stellen, die diesen Datenverkehr kontrollieren.

Das gesamte Handling ist relativ schwierig: Wenn ein Datenaustausch zwischen einem chinesischen Tochterunternehmen und einem Mutterkonzern organisiert werden sollte, gibt die Leitung technisch viel mehr her, als am Ende herauskommt. Das ist schlecht.

Das zweite Thema ist, dass man sich natürlich auch fragen muss, was alles mit Daten passiert, die über solche Schnittstellen und Firewalls staatlicherseits gehen, wie viel Know-how-Abfluss man eventuell befürchten muss. Insofern sind natürlich alle Marktteilnehmer sehr vorsichtig und haben dieses Gesetz und seine Auswirkungen und Umsetzung stark im Auge."

Produktion: Welche Herausforderungen gibt es für deutsche Unternehmen noch in China?

Brodtmann: "In China ist es so, dass die heimische Industrie natürlich auch Fortschritte macht. Es gibt eine große Maschinenbau-Industrie dort, viele Ingenieure verlassen die Universitäten und es geht in dem Land voran. Das heißt, die Wettbewerbsintensität wird sich erhöhen.

Und die Frage ist, wie man darauf reagiert. Sind wir als deutsche und europäische Maschinenbauer in der Lage, vielleicht auch mehr zu machen in einem Midprice-Segment? Also auch an bestimmten Stellen anzugreifen. Das sind Themen, die uns beschäftigen, wenn der Wettbewerbsdruck steigt.

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