Diskussion zum Thema Künstliche Intelligenz auf dem Maschinenbau-Gipfel.

Diskussion zum Thema Künstliche Intelligenz auf dem Maschinenbau-Gipfel. - Bild: Anna McMaster

Für die Podiumsdiskussion kamen auf dem Maschinenbau-Gipfel vier Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Für die Branche saß Henrik Schunk mit am Tisch, geschäftsführender Gesellschafter des Greifsystem- und Spanntechnik-Herstellers Schunk.

Auf die Frage, ob es Ethikerwägungen zum Beispiel für den „Intelligenten Greifer“ von Schunk braucht, antwortete der Familienunternehmer: „Das ist aus meiner Sicht nicht notwendig. Im Maschinenbau spielt das keine Rolle, auf einer höheren Ebene muss man das Thema aber Ernst nehmen“. Es gehe für die Unternehmen derzeit darum, KI als Schlüsseltechnologie zu nutzen, um durch Datenanalyse Verschwendung zu vermeiden und Prozesse zu optimieren. „Da haben wir alle noch ganz schön viel zu tun“, stellte Schunk fest.

Dass sich intelligente Technologie durchsetzt, hänge auch von der Offenheit dafür bei den Kunden ab – und den engen Austausch darüber, welche Produkte Nutzen bringen könnten. Sollte die Industrie hier jedoch nicht mutig vorangehen, werde man die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland aufs Spiel setzen. Mit Blick auf die Veränderung der Arbeitswelt durch KI-Technologie sagte Schunk: „Das Thema Weiterqualifizierung muss auch disruptiv behandelt werden. Es ist entscheidend, dass man das nicht vergisst“.

Warum Europa eine eigene, vertrauenswürdige KI braucht

Das Beispiel der Schunk-Technologie sei „gutartig und ethisch nicht relevant“, konstatierte Thomas Metzinger, Philosophieprofessor an der Johannes Gutenberg-Universität,  der in der High-Level Expert Group on Artificial Intelligence die EU-Kommission bei der Gestaltung ihrer KI-Strategie berät.

„Wir befinden uns in Europa in einer Selbstverteidigungssituation zwischen ‚Trumpistan‘ und China und wir sollten nicht unterschätzen, wie schwierig unsere Situation ist, gerade auch bei der Verteidigung von Menschenrechten“, erklärte Metzinger. Trustworthy AI aus Europa sei deshalb eine gute Idee und auch ein Alleinstellungsmerkmal. „Ich würde mir von der deutschen Industrie einen digitalen Verfassungspatriotismus wünschen“, so der Experte.

Für Stefan Wess,  Aufsichtsratsmitglied des DFKI, Empolis-Geschäftsführer und einzigem Informatiker in der Runde, sind die teilweise überbordenden Befürchtungen vor einer allmächtigen KI unbegründet. Alles, was wir derzeit sehen, seien clevere Algorithmen, meinte Wess.

Navis und Schachsysteme hätten auch mal als KI gegolten: Man gehe mit dem Begriff KI zu inflationär um. Wenn man KI als Weiterentwicklung der Informatik und als Denkverstärker im Sinne eines Werkzeugs verstehe, ergebe sich ein breites Feld. Da sei es schwierig, jeweils zu sagen, was erlaubt ist. „Es wäre sinnvoll, die Menschenrechte nach ganz oben zu setzen, und daraus abzuleiten, was wir tun sollen. Wir brauchen eine Ethik-Richtlinie“, glaubt Wess.

Ethik und Kontrolle sind notwendig

„Der Mensch muss verantwortlich bleiben und KI muss kontrolliert werden durch den Menschen. Auch wenn KI selbst lernfähig ist, muss sie ein Assistenzsystem bleiben“, forderte Prof. Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Theologe und Ethiker macht sich Sorgen, dass Maschinen künftig über Menschen bestimmen könnten. Er begrüßte die Idee, die Menschenrechte zum Vorbild zu nehmen. Es müssten aber „universelle Menschenrechte“ sein.

Tatsächlich hat sich gezeigt, dass selbstlernende KI-Systeme in ethischer Hinsicht leicht entgleisen können und zum Beispiel minderheitsfeindliche Entscheidungen treffen, die nicht zu demokratischen Werten passen. Überall dort, wo Algorithmen Daten analysieren, um automatisiert zu entscheiden, ob Menschen eine Wohnung, eine bestimmte Versicherung, eine Einladung zum Jobinterview bekommen, wird es mit KI heikel. Das gilt aber auch schon für traditionellere Big Data Analytics.

Klar ist, dass sich durch Technologien wie Gesichtserkennung und das Sammeln zum Beispiel von Bewegungsdaten ein massives Bedrohungspotenzial in Richtung Überwachungsstaat ergibt. Selbst Tech-Companies wie Microsoft warnen vor den Gefahren. Bis vor einigen Jahren war noch ein naiver Technikoptimismus möglich, als die Demokratie in der westlichen Welt noch als ausgemachte Sache galt.

Die aktuelle politische Entwicklung zeigt, wie stark Demokratien durch rechtspopulistische und autokratische Tendenzen angegriffen werden können. Vor der Angst durch eine außer Kontrolle geratenen Künstlichen Intelligenz sollte die Angst stehen, wie der Mensch die jetzt schon existierende Technologie für antidemokratische Zwecke missbrauchen kann.

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