Streitgespräch auf dem Maschinenbau-Gipfel

Beim Gipfelgespräch diskutierten über die "Herausforderung China": (v.r.n.l.) Karl Haeusgen, Sprecher des Vorstands der HAWE Hydraulik SE, Europa-Politiker Reinhard Bütikofer und Dr. Frank Stieler, Vorsitzender der Geschäftsführung der KraussMaffei Group unter Moderation von Dr. Ursula Weidenfeld. - Bild: Anna McMaster

Gefragt, ob denn chinesische Investoren anders seien als zum Beispiel französische oder amerikanische, sagte Dr. Frank Stieler, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der KraussMaffei Group GmbH: „Sie bringen einige Besonderheiten mit. Vor allem aber muss man Chinesen nicht erklären, wie wichtig Wachstum ist. Sie sind entschlossen, Gelegenheiten wahrzunehmen“, sagt Stieler.

Sein Unternehmen wurde 2016 vom größten chinesischen Chemieunternehmen übernommen. In China seien Wachstumsraten von rund 20 Prozent normal, die wir hier schon lange „verlernt“ hätten.

Zudem würden chinesische Investoren Synergien mit den gekauften Unternehmen sehen, die ein westliches Unternehmen so nicht realisieren könne, erklärte Stieler. Auch Hawe hat laut Haeusgen bisher gute Erfahrungen mit dem Verkauf des Berliner Tochterunternehmen Hawe Inline vor drei Jahren gemacht.

Der Investor habe Potentiale in China eröffnet, dem Unternehmen gehe es heute besser als vorher. Für Reinhard Bütikofer, Grünen-Abgeordneter im Europäischen Parlament, liegt jedoch genau hier das Problem eines mangelhaften Level Playing Field.

Man hätte eben nicht gewusst, dass sich der chinesische Markt ebenso stark geöffnet hätte, wäre ein westlicher Investor angetreten. Es sei eine chinesische Besonderheit, wie sich Politik und Markt verschlingen. „Wir müssen diese Vorgänge auch politisch bewerten und zur Kenntnis nehmen, dass es bei Großunternehmen Privatbesitz nur noch zum Schein gibt“, so der Europapolitiker.

Plädoyer für vorurteilsfreien Umgang mit China-Investoren

Frank Stieler plädierte hingegen für einen vorurteilsfreien Umgang mit chinesischen Investoren. Zumindest für seine Branche könne er aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es einen offenen Wettbewerb gäbe, wo Staatsunternehmen nicht per se dominierten. Doch diese Wahrnehmung teilten nicht alle Unternehmen.

„Ganz so marktwirtschaftlich und liberalisiert sind die Zustände in China doch nicht“, widerspricht Haeusgen. So sei Herrenknecht bis vor wenigen Jahren Marktführer bei Tunnelbohrmaschinen in China gewesen.

Nachdem ein Staatsbetrieb technologisch reif genug war, habe sich das dramatisch geändert. „Wir können die Politik nicht außen vorlassen“, meint der Hawe-Vorstand.

Auch das Beispiel des Siemens-Bahngeschäfts zeige, dass Unternehmen in China konsequent aus bestimmten Bereichen hinausgedrängt werden. Die Diskussion machte deutlich, dass sich offenbar vor allen in den Bereichen, die China in seiner Initiative 2025 definiert hat, unfairer Wettbewerbs bereits recht deutlich abzeichnet.

Aus Sicht der Unternehmen gibt es dennoch noch genug Bereiche, in denen der Wettbewerb funktioniert und auch lohnt. Reinhold Bütikofer gibt jedoch zu bedenken: „Es fokussiert sich sehr klar, dass der Wettbewerb gerade bei den entscheidenden High-Tech-Entwicklungen bei China 2025 eingeschränkt wird, die in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen“. Sich einfach mit anderen Feldern zufriedenzugeben, sei zwar für ein einzelnes Unternehmen möglich, nicht jedoch für die gesamte europäische Wirtschaft.

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Chinesischer Markt ist zu wichtig

So ganz verzichten mögen die Unternehmen dennoch nicht auf staatliche Regulierung. Bei der Frage, ob kritische Infrastrukturprojekte an chinesische Investoren vergeben werden sollte, waren sich alle einig: Nein. So ist die Industrie auch keineswegs dagegen abgeneigt, dass Brüssel die Rahmenbedingungen in China verbessert.

Denn dort liege die eigentliche Baustelle, nicht hier, meint Karl Haeusgen. „Die Chinesen praktizieren eine Politik der Einfluss-Sphären. Wir sind gut beraten, mit unseren westlichen Partnern eine ähnliche Politik zu entwickeln“, meint Karl Haeusgen, Vorstandssprecher der Hawe Hydraulik SE. Er sei unverändert optimistisch, dass sich eine solche gemeinsame Politik umsetzen lasse.

Für Bütikofer ist die noch bis vor einigen Jahren von China angedeutet Politik der Marktwirtschaftlichkeit erledigt; bei Initiativen für ein ausgeglichenes Spielfeld bewege sich das Land nur in Millimetern. „Die Frage ist, wie lange wir uns leisten können, blauäugig zuzugucken“, so der Europapolitiker. Zwar forderte Haeusgen den Mut ein, „den Stecker zu ziehen“, wenn der Markt unfair wird. Doch noch gibt es kein Beispiel für ein Unternehmen, das sich zurückgezogen hat aus China: Zu groß und bedeutsam ist der dortige Markt.

 

Autorin: Daniela Hoffmann

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