Shanghai Skyline

Die Skyline der chinesischen Metropole Shanghai. China sorgte jahrelang für volle Auftragsbücher bei den deutschen Maschinenbauern. - Bild: Pixabay

Herr Wortmann, wie wird sich die Maschinenbau-Branche 2019 aus Ihrer Sicht entwickeln?

Der VDMA hat seine Prognose für die reale Maschinenproduktion des laufenden Jahres im Juli von ehemals plus 1 Prozent (Stand April 2019) auf minus 2 Prozent revidieren müssen. Dieser Rückgang erklärt sich im Wesentlichen aus drei Faktoren: Erstens hat die Weltkonjunktur nach einem überdurchschnittlich langen Aufschwung weiter an Tempo eingebüßt. Zweitens haben die meist politisch motivierten Verwerfungen, etwa die nach wie vor ungelösten Handelsstreitigkeiten, die in erster Linie von den USA initiiert sind, oder der Brexit in den vergangenen Monaten die Verunsicherung potenzieller Investoren verstärkt. Und drittens wirkt sich auch der Strukturwandel in der Automobilindustrie negativ auf den Maschinenbau aus.

"Früher hat dieser Markt [China, Anm. d. Red.] Rückgänge auf anderen Märkten spielend kompensieren, ja mitunter sogar überkompensieren können. Doch dieses Szenario gehört der Vergangenheit an." - Olaf Wortmann

Wo sehen Sie derzeit die größten Veränderungen in der Branche beziehungsweise im Markt?

Gegenwärtig sind einige gravierende Veränderungen zu verzeichnen: Der tiefgreifende Strukturwandel in der Automobilindustrie wirkt sich nicht nur direkt auf den Maschinenbau aus. Er bewirkt auch Rückkopplungseffekte in anderen Kundenbranchen, deren Folgen vielschichtig und schwer einzuschätzen sind.

Außerdem stellen wir fest, dass die Sogwirkung des chinesischen Marktes kaum noch vorhanden ist. Früher hat dieser Markt Rückgänge auf anderen Märkten spielend kompensieren, ja mitunter sogar überkompensieren können. Doch dieses Szenario gehört der Vergangenheit an.

Die Wirtschaft in China wächst langsamer, die Strukturprobleme, der Handelsstreit und die Verlagerung der Wachstumskräfte weg von den Investitionen und hin zum Konsum und zu Dienstleistungen haben dieser komfortablen Kompensationsmöglichkeit einen Riegel vorgeschoben.

Ein weiterer – vielleicht sogar der wichtigste – Punkt, ist die Integration des technischen Fortschritts in die Maschinen selbst und auch in die Produktion von Maschinen. Hier ist vieles im Umbruch. Ich denke da beispielsweise an Industrie 4.0.

Digitalisierung im deutschen Maschinenbau

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Derzeit diskutiert die Politik über eine CO2-Steuer. Wie stehen Sie dazu und welche Auswirkungen könnte eine solche Steuer auf Ihre Branche haben?

Der Maschinenbau sieht den Klimawandel als große Herausforderung, zu deren Bewältigung die Industrie viel beitragen kann. Es geht nicht nur um die Frage einer CO2-Steuer. Der VDMA hat deshalb in einem Gutachten ein Modell erstellen lassen, wie das gesamte System der Energiebepreisung aufkommensneutral umgestaltet werden sollte. Auf diese Weise würde gesichert, dass weder Verbraucher, noch die Industrie bevor- oder benachteiligt werden.

Im Kern heißt das: Alle Energieträger würden künftig nach ihrem Emissionsgehalt bepreist. Energieträger, die CO2-intensiver sind, werden höher bepreist als diejenigen, die weniger CO2-intensiv sind. Dadurch wird ein marktwirtschaftlicher Anreiz gesetzt, zukünftig mehr klima­freundliche Energieträger zu verbrauchen. Heraus käme dabei, dass Strom günstiger würde, insbesondere wenn der Anteil an ‚grünem‘ Strom am gesamten Stromeinsatz steigt. Fossile Energieträger wie Heizöl oder Diesel würden dagegen spürbar teurer.

Aus diesem Modell ergäbe sich ein Preis von anfangs 110 Euro je Tonne CO2. Wie sich das auf die Unternehmensbilanzen im Maschinenbau auswirken würde, hängt vom Energieverbrauch im Einzelfall ab. Aber klar ist: Eine CO2-Bepreisung darf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie – insbesondere der energieintensiven Betriebe – nicht gefährden.

Märkte und Handel für den deutschen Maschinenbau

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