Gabriel Felbermayr vom IfW Kiel

Gabriel Felbermayr warnt vor Überdramatisierung. (Bild: IfW Kiel, Michael Stefan)

| von Dörte Neitzel

Trotz der eingetrübten Konjunktur sieht der Ökonom Gabriel Felbermayr aktuell nur ein geringes Rezessionsrisiko in Deutschland. «Ich sehe kein Risiko einer Rezession im Sinne einer nachhaltig negativen Entwicklung der Wirtschaft», sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Deutschen Presse-Agentur.

Auch bestehe momentan angesichts der boomenden Bauwirtschaft und einer lebhaften Dienstleistungskonjunktur keine Gefahr einer technischen Rezession, also dem Rückgang der Wirtschaftsleistung über mindestens zwei Quartale. «Man sollte die jetzige Situation nicht überdramatisieren.»

Brexit und Handelsstreit sind die größten Unsicherheiten

Allerdings sei die Zahl der Unsicherheitsfaktoren für die Prognosen so hoch wie lange nicht, räumte Felbermayr ein. «Wenn der Brexit schiefgeht, wenn der harte Handelsstreit mit den Amerikanern eskaliert, wir noch einen trockenen Sommer kriegen, dann haben wir möglicherweise tatsächlich eine Rezession und vielleicht sogar mehr als nur eine technische.»

Profitieren würde die deutsche Wirtschaft nach Ansicht des Ökonomen dagegen von einem Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China. «Wenn die Unsicherheit verschwindet und China wieder kräftiger wächst, würde das auch uns helfen», sagte er.

Zahlreiche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) etwa erwartet für 2019 nur ein Wachstum von 0,7 Prozent - halb so stark wie 2018. Im ersten Quartal ist die deutsche Wirtschaft nach einem Schwächeanfall im vergangenen Jahr wieder in Fahrt gekommen. Sie wuchs laut Statistischen Bundesamt um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Wachstumsimpulse notwendig

Entscheidend für die künftige Entwicklung sei aber die Bereitschaft, Wachstumsimpulse zu setzen, etwa durch eine Reform des Bildungssystems, eine Vertiefung des EU-Binnenmarktes und einer Stärkung im internationalen Standortwettbewerb. «Die deutsche Politik hat es selbst in der Hand», sagte Felbermayr. Fraglich sei, ob es in der «labilen Lage» der großen Koalition genug Interesse gebe, «statt sozialpolitischen Geschenken echte Wachstumspolitik zu betreiben».

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