Der Hauptsitz der Knorr-Bremse AG

In der Lkw-Sparte brach die Zahl der Bestellungen um ein Fünftel ein. - Bild: Knorr-Bremse AG

Der Auftragseingang war konzernweit wie bereits im zweiten Jahresviertel rückläufig und sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um deutliche 10 Prozent ab. Am Kapitalmarkt kamen die Nachrichten nicht gut an. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn lag die Knorr-Bremse-Aktie am Mittwochmorgen knapp 3,3 Prozent im Minus und war zweitschwächster Wert im Index der mittelgroßen Unternehmen. Seit Jahresbeginn steht für den erst seit vergangenem Jahr börsennotierten Konzern dennoch ein Plus von rund einem Zehntel zu Buche.

Anstieg bei Erlösen und Marge

Während das Traditionsunternehmen die Erlöse um 2,4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro steigern konnte, legte es beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 6,7 Prozent auf 313 Millionen Euro zu, wie Knorr-Bremse mitteilte. Die entsprechende Marge verzeichnete einen Anstieg um 0,7 Prozentpunkte.

Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konzern mit den steigenden Unsicherheiten vor allem im Nutzfahrzeug-Segment zu kämpfen hat. Die Lkw-Märkte laufen unter anderem in Europa nicht mehr rund. Die damit einhergehende, deutlich rückläufige Fahrzeugproduktion wirkt sich auch negativ auf Knorr-Bremse aus. Denn Lkw-Hersteller sind eine bedeutende Kundengruppe für das Unternehmen.

Besser läuft es für Knorr-Bremse dagegen aktuell noch in Nordamerika, wo der Abwärtssog die Märkte noch nicht so stark ergriffen hat. Insgesamt brachen die Auftragseingänge in der Sparte dennoch um ein Fünftel ein. Überwiegend verlassen kann sich das Unternehmen auf sein Geschäft mit der Sparte für Schienenfahrzeuge, die einen weiteren Umsatz- und Ergebnisanstieg verzeichnete und von Zuwächsen in Asien profitierte.

Doch auch in dem Geschäft mit den Schienenfahrzeugen gibt es Zeichen der Abkühlung. Knorr-Bremse verwies in diesem Zusammenhang auf "erste Bremsspuren" im nordamerikanischen Frachtgeschäft. Insgesamt gingen die Auftragseingänge der Sparte im dritten Quartal um 1,6 Prozent zurück.

Immobilien-Verkauf: 46 Millionen Euro Buchgewinn erwartet

Ungeachtet dessen bestätigten die Münchener ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Demnach erwartet Knorr-Bremse weiterhin einen Gesamtumsatz von 6,875 bis 7,075 Milliarden Euro und eine operative Ebitda-Marge in einer Bandbreite von 18,5 bis 19,5 Prozent. Der scheidende Finanzchef Ralph Heuwing, der das Unternehmen Ende April 2020 auf eigenen Wunsch verlassen wird, zeigte sich mit den vorgelegten Zahlen zufrieden. Die bereits im Sommer eingeleiteten Maßnahmen zur langfristigen Absicherung des profitablen Wachstums zeigten erste positive Effekte, befand er. Ein Händler sprach in einer ersten Reaktion davon, dass die Münchener noch schwächer abgeschnitten hätten als ohnehin befürchtet.

Analyst Sven Weier von der Schweizer Großbank UBS betonte einerseits, dass die Bestätigung der Jahresziele für gewisse Erleichterung sorgen dürfte. Andererseits dürfte der Ausblick für das kommende Jahr die Gewinnerwartungen um etwa 5 Prozent drücken. Akash Gupta von der US-Bank JP Morgan attestierte Knorr-Bremse ein durchwachsenes drittes Quartal.

Unter dem Strich brach der Überschuss der Münchener um fast die Hälfte auf 101,2 Millionen Euro ein. Knorr-Bremse hatte das sogenannte Powertech-Geschäft Ende September mit Verlust verkauft. Durch den geplanten Verkauf von Immobilien am Konzernsitz in München im laufenden vierten Quartal sollte dieser Effekt aber wieder kompensiert werden können, hieß es. Die Immobilien will das Unternehmen nach dem Verkauf zurückmieten. Das Unternehmen erwartet aufgrund der Transaktion einen Buchgewinn von 46 Milllionen Euro.

Knorr-Bremse sollen aus dieser Maßnahme 200 Millionen Euro in die Kasse fließen. Laut eigenen Angaben beschäftigt Knorr-Bremse derzeit rund 29.500 Mitarbeiter an über 100 Standorten in mehr als 30 Ländern. Der Konzern stellt Bremsen für Züge und Lkw her, hat aber auch Zugtüren, Lenksysteme sowie Heizungs- und Lüftungssysteme im Angebot.

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