Arbeiter installieren das Umweltlogo auf einer freien Fläche. Im Hintergrund ein Sonnenuntergang.

Immer mehr Unternehmen achten auf Nachhaltigkeit. - Bild: Adobe Stock/Yuttana Studio

| von Anja Ringel

Wer ist nachhaltiger? Audi oder BMW? Apple oder Huawei? Geht es nach dem Sustainability Image Score (SIS), dann schätzen BMW-Kunden den Autobauer „grüner“ ein, als Käufer von Opel. Und Huawei ist für deren Kunden nachhaltiger als der Konkurrent Apple. Die Studie – die von 2011 bis 2017 jährlich durchgeführt wurde – zeigt: Nachhaltigkeit wird bei der Kaufentscheidung immer wichtiger. Sie schafft laut den Experten einen emotionalen Mehrwert, für den Verbraucher mehr zahlen – und der nicht so leicht von der Konkurrenz nachgemacht werden kann.

Ein weiteres Beispiel: Als einziger Autobauer lag BMW beim SIS-Ranking 2017 in den Top 10. Kerstin Niederauer-Kopf, General Manager von Facit Research, erklärte dazu: „Gerade mit Blick auf die Automobilbranche ist zu erkennen, dass Hersteller, die Vorwürfen rund um den Abgasskandal ausgesetzt sind – zum Beispiel VW, Audi, Mercedes-Benz – das zweite Jahr in Folge von ihren Kunden schlechter bewertet werden.“

Nur BMW – seit Jahren ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeitsimage – sei von dem Brancheneffekt weitestgehend verschont geblieben. Einer der Gründe ist, dass die unternehmerische Haltung zu Nachhaltigkeit klar und dauerhaft nach außen kommuniziert werde. Das Fazit der Studie: Konsumenten machen ihre Wahrnehmung von Nachhaltigkeit vor allem an der Unternehmenskultur fest, nicht der Branche. 

Schneider Electric arbeitet mit Umweltorganisation zusammen

Aber nicht nur die Bewertung der Kunden und Umweltaspekte sind Gründe für das Thema. Die LBBW hat in einer Studie festgestellt, dass nachhaltige Unternehmensstrategien auch soziale und ökonomische Aspekte eine Rolle spielen.

Das haben auch viele Firmen erkannt und engagieren sich immer öfter beim Thema Nachhaltigkeit. So hat Schneider Electric zusammen mit dem Global Footprint Network ein E-Book mit dem Titel „Strategies for One-Planet Prosperity“ veröffentlicht. Es soll Rahmenbedingungen aufzeigen, wie Unternehmen auch in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenbeschränkungen relevant bleiben können. Diese Doppelstrategie sei zum Ausbau langfristiger Wettbewerbsvorteile notwendig, erklärt das Unternehmen.

„Mit dem notwendigen wirtschaftlichen Aufschwung im Blick ist es für Unternehmer und Branchenführer an der Zeit, zu erkennen, dass es bei der Bereitstellung von ressourcenschonenden Produkten und Dienstleistungen nicht nur darum geht, Gutes zu tun, sondern darum, das zu tun, was für ihr Geschäft notwendig ist“, sagt Mathis Wackernagel, Gründer und Präsident von Global Footprint Network.

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Technologien haben Auswirkungen auf Earth Overshoot Day

Mit dem Earth Overshoot Day wird jedes Jahr der Tag markiert, an dem alle natürlichen Ressourcen der Erde ausgeschöpft sind. Dieses Jahr war er am 22. August. Studien von Schneider Electric und dem Global Footprint Network zeigen nun, dass das Datum um mindestens 21 Tage nach hinten verschoben werden könnte, wenn 100 Prozent der bestehenden Gebäude sowie die Industrieinfrastruktur mit verfügbarer Technologie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien ausgestattet würden.

Allein energetische Nachrüstung könnte also einen Unterschied von drei Wochen ausmachen. Dadurch ließen sich laut Schneider Electric die Ziele des Pariser Klimaabkommens schon vor 2050 erreichen. Diese Erkenntnisse hat das Unternehmen bei seinen Produkten mit einbezogen und will mit digitalen Lösungen für smarte Energieverteilung umweltfreundliches und ressourcenschonendes Wirtschaften ermöglichen.

Beim EUREF Campus Berlin ist das laut dem Unternehmen schon gelungen. Dieser könne dank der auf Smart City ausgerichteten Schneider-Lösungen schon seit 2014 die Klimaziele erreichen.

Der EUREF Campus Berlin von außen
EUREF Campus Berlin erreicht seit 2014 seine Klimaziele. - Bild: Schneider Electric

BASF legt Emissionsdaten seiner Produkte vor

Einen anderen Ansatz verfolgt BASF. Der Konzern hat alle Emissionsdaten seiner Produkte ermittelt und stellt diese seinen Kunden zur Verfügung. Der „Product Carbon Footprint“ (PCF) umfasst laut BASF alle produktbezogenen angefallenen Treibhausgas-Emissionen bis das Produkt das Werkstor Richtung Kunde verlässt: vom eingekauften Rohstoff bis zum Einsatz von Energie in den Produktionsprozessen.

CEO Dr. Martin Brudermüller erklärt, durch den CO2-Fußabdruck sollen die Kunden „eine deutlich höhere Transparenz über die spezifischen Emissionen für jedes BASF-Produkt“ erhalten. „Damit können wir gemeinsam mit den Kunden Pläne entwickeln, um die CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette bis zum finalen Verbraucherprodukt zu reduzieren“, erklärt er weiter. Bis Ende 2021 sollen die PCF-Daten für das gesamte Portfolio abrufbar sein.

Dadurch sollen Kunden herausfinden können, „wo die Stellschrauben für die Vermeidung von Treibhausgasemissionen sind“, sagt Christoph Jäkel, Head of Corporate Sustainability bei BASF. Das Unternehmen selbst hat sich zum Ziel gesetzt, die produktionsbezogenen Emissionen bis 2030 trotz Wachstum konstant zu halten.

Daimler kombiniert Umweltpolitik und Lobbying

Wie Klimapolitik in einem Unternehmen Platz haben kann, zeigt dagegen Daimler. Seit Anfang des Jahres arbeitet Daniel Mack für die Stuttgarter im Bereich External Affairs/Politik und Außenbeziehungen für die Stuttgarter. In dieser Position soll er die Daimler-Anliegen in Berlin vertreten. Davor war Mack neun Jahre lang für Bündnis90/Die Grünen aktiv und war von 2012 bis 2014 Mitglied des Hessischen Landtages. „Wer überzeugt ist, dass die Antwort auf den Klimawandel im Erfinden und nicht im Verhindern liegt, muss anpacken“, erklärt der 33-Jährige seinen Wechsel zu Daimler auf seinem Blog.

Auf der Website des Autobauers wird er noch konkreter: „Die Transformation hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaften, gelingt aus meiner Sicht nur mit Unternehmen und nie gegen sie. Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Die einen treiben Klimaschutz auf der Straße voran, die anderen im Parlament und wir als Unternehmen machen das auch“, erläutert er.

Der von Kunden als nicht so „grün“ bewertete Audi-Konzern hat im Übrigen auch eine Agenda zum Thema Nachhaltigkeit. So hat der Autobauer erst kürzlich bekanntgegeben, dass Audi Hungaria nach dem Standort in Brüssel als zweiter Standort die bilanzielle CO2-Neutralität erreicht hat.

Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der beiden Logistik-Hallen von Audi Hungaria
Auf den Dächern der beiden Logistikhallen am Audi-Standort in Ungarn sind jetzt Photovoltaik-Anlagen - Bild: Audi AG

Das Unternehmen hat dort die größte Photovoltaik-Dachanlage Europas in Betrieb genommen. Der auf rund 160.000 Quadratmetern errichtete Sonnenenergiepark umfasst 36.400 Solarzellen und deckt eine Leistung von zwölf Megawatt ab. Der Standort im ungarischen Györ nutzt laut Audi seit Anfang 2020 ausschließlich grünen Strom. Um einen Großteil des Wärmebedarfs abzudecken, gibt es zudem eine Geothermie-Anlage. Der restliche Bedarf werde durch Biogaszertifikate kompensiert. Bis 2025 sollen dann alle Audi-Standorte klimaneutral sein, erklärt Produktionsvorstand Peter Kössler.

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