Zwei Männer mit Maske "klatschen" sich mit dem Ellbogen ab.

Die Industrie in Ostdeutschland hinkt weiter der westdeutschen hinterher, hat aber viel Potenzial. - Bild: Adobe Stock/Suriyo

| von Anja Ringel

Millionen Menschen haben vor fast genau 30 Jahren gefeiert: Aus West- und Ostdeutschland wurde wieder ein souveräner Staat. Vieles hat sich seit der Wiedervereinigung getan. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt nun: Die ostdeutschen Bundesländer haben stark zu den westdeutschen aufgeholt, bleiben aber weiter deutlich zurück.

Das zeigt sich zum Beispiel an der Produktivität in der Industrie. Diese lag bis 2014 rund 20 Prozent dahinter, haben die Forscher nun herausgefunden. Der Grund sind dabei nicht die Großunternehmen. Diese arbeiten zum Teil produktiver als ihre westdeutschen Pendants. Aber: Bislang sind solche Unternehmen eher die Ausnahme.

Aufholbedarf sehen die Wissenschaftler vor allem bei kleinen Firmen mit hohem Spezialisierungsgrad im Technologie-Bereich. Diese „Hidden Champions“ gibt es in Ostdeutschland noch zu wenig. In Westdeutschland tragen diese Unternehmen zum Erfolg der Industrie bei. „Hidden Champions“ sind für Kristina van Deuverden, Referentin im Vorstand am DIW, dabei Firmen mit einer längeren Unternehmensgeschichte, die sich eine gewisse weltweite Führungsposition in ihrem Nischenmarkt erarbeitet haben und gute Umsätze erzielen.

Investitionen müssen auf den Weg gebracht werden

Was ist also nötig, damit die Produktivität in Ostdeutschland schneller wächst? Eine hohe Gründungsaktivität werde erst in Zukunft Erfolge zeigen, meinen die Experten des DIW. Durch das Heranwachsen und die Ansiedlung leistungsfähiger größerer Unternehmen könne die Produktivitätslücke zudem schneller reduziert werden. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler das geplante Tesla-Werk in Brandenburg. Zudem sei es wichtig, dass Investitionen auf den Weg gebracht werden, sagte van Deuverden auf einer Pressekonferenz.

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Auch wichtig: Geduld.  Denn „Hidden Champions“ müssen sich ihre Marktposition und ihre Stellung über einen längeren Zeitraum erarbeiten, erklärt Heike Belitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Unternehmen und Märkte. Sie hat die Studie zusammen mit zwei weiteren Kollegen geschrieben. Sie betont, dass es auch innerhalb Deutschlands Unterschiede in der Produktivität gibt – vor allem zwischen Stadt und Land/verstädterten Regionen.

Eine der größten Herausforderungen bleibt es aber, für junge Menschen und Familien attraktiv zu sein, erklärt der Präsident des DIW, Marcel Fratzscher. Denn nur so bleiben die Menschen auch in den neuen Bundesländern und andere ziehen dazu. Das gelinge nur, wenn Rahmenbedingungen wie eine gute Infrastruktur geschaffen werden.

Eine „exzellente Basis an Zulieferern“

Infrastruktur ist auch das Stichwort für die Automobilindustrie. Denn diese ist inzwischen zu einer der wichtigsten Industriesektoren in Ostdeutschland geworden. Marco Wanderwitz, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, erklärte diese Woche auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum, dass mittlerweile 13 Prozent der deutschen Automobilproduktion in Ostdeutschland angesiedelt ist. Rund neun Prozent aller Beschäftigten in der Industrie in den neuen Bundesländern arbeiten für die Automobilindustrie.

Inzwischen gebe es eine „exzellente Basis an Zulieferern“, sagte Wanderwitz. Er sieht die momentanen Mobilitätsveränderungen als große Chance für den Industriestandort Ost. Als Beispiel nannte er unter anderem die Gläserne Manufaktur in Dresden und das Porsche-Werk in Leipzig, das gerade umgebaut wird.

Auch für Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, ist der Standort Ostdeutschland ein „extrem wichtiger“, erklärte sie auf dem Wirtschaftsforum. Sie betonte ebenfalls die breite Landschaft innovativer Zulieferer. Zudem gebe es eine hohe Dichte und Vielfalt von sich ergänzenden Zulieferern. Ein weiterer Pluspunkt des Standortes: Dort gebe es eine starke Vernetzung zwischen Industrie und Wissenschaft.

In Ostdeutschland gebe es durchgehend die modernsten Werke, in den Zukunftstechnologien produziert werden. Die VDA-Präsidentin erklärte aber auch, dass auch der Standort Ost die Herausforderungen der Transformation in der Branche spürt. Dennoch: „Ostdeutschland ist ein Beispiel für Offenheit, Mut und Innovation“, sagte Müller.

Auch das DIW zieht trotz der niedrigeren Produktivität ein positives Fazit: Die deutsche Einheit sei – wenn auch mit Verzögerung – durchaus eine Erfolgsgeschichte. Manche Unterschiede seien aber sehr langlebig und einmal eingeschlagene Entwicklungspfade lassen sich nur schwer und nur langsam ändern, so die Wissenschaftler. Gerade deshalb müsse mit Innovationen und wachstumsfördernden Maßnahmen dagegengehalten werden.

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