Geschäftsmann überprüft mit einem Tablette den Bestand in seinem Lager

In vielen Unternehmen war die Lieferkette durch die Coronakrise unterbrochen. - Bild: Adobe Stock/Blanscape

| von Anja Ringel

Die Coronakrise ist zwar noch nicht vorbei, dennoch denken viele Unternehmen jetzt schon über Änderungen nach. Denn die Pandemie hat die Schwachstellen der Lieferketten schonungslos offengelegt. Die Lieferketten müssen robuster werden, sagt deshalb auch Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in einem Podcast von B5. Die Lieferketten seien an ihre Grenzen gekommen und das Land technologisch an manchen Stellen nicht mehr souverän gewesen, so die Kritik des Professors.

Das haben auch die Unternehmen erkannt und wollen handeln. Um gegen künftige Engpässe besser gewappnet zu sein, streben sechs von zehn Firmen eine geografische Diversifizierung der Lieferketten an. Das geht aus dem Supply Chain Resilience Report 2020 von 3D Hubs hervor. Die Plattform für Fertigungsdienstleistungen hat dazu mehr als 1.200 Branchenexperten befragt.

Lieferketten leiden öfter unter Störungen

Demnach haben 60 Prozent der Unternehmen direkt unter Covid-19-Störungen in der gelitten. Als Konsequenz planen fast alle (96 Prozent) Maßnahmen, um die Widerstandsfähigkeit ihrer Lieferketten zu stärken. Neben einer Diversifizierung sehen die Experten auch eine Stärkung der Lieferantenbeziehung, Automatisierung der Lieferkette und mehr Transparenz als erfolgreiche Maßnahmen.

Welche Maßnahmen sind am effektivsten, um Störungen in der Lieferkette in Zukunft zu reduzieren? Die Umfrage von 3D Hubs zeigt, dass Unternehmen vor allem ihre Lieferketten diversifizieren und die Beziehungen zu ihren Lieferanten stärken wollen.
Welche Maßnahmen sind am effektivsten, um Störungen in der Lieferkette in Zukunft zu reduzieren? Die Umfrage von 3D Hubs zeigt, dass Unternehmen vor allem ihre Lieferketten diversifizieren und die Beziehungen zu ihren Lieferanten stärken wollen. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Supply Chain Resilience Report 2020 von 3D Hubs

Doch auch vor der Corona-Pandemie gab es bereits Störungen in den Fertigungslieferketten. Rund 72 Prozent der Befragten haben das in den vergangenen zehn Jahren erlebt. Neben Pandemien sind Naturkatastrophen und Handelskriege die meisten Gründe.

Ein anderer Punkt ist Flexibilität. Diese ist laut dem Beratungsunternehmen Deloitte entscheidend, um Lieferketten auch in einer Krise aufrecht erhalten zu können. Es sei auch wichtig, alternative Bezugsquellen zu finden und eine Strategie zu erarbeiten, um Angebot und Nachfrage gerecht zu werden, raten die Experten.

Plattform für Lieferanten zeigt Warenbestände an

Digitalisierung heißt dagegen das Stichwort bei Jens Gamperl. Er ist CEO von Sourceability. Das Unternehmen hat mit ‚Sourcengine‘ eine Plattform geschaffen, auf der Lieferanten ihre Ware einstellen und verkaufen können. „Wir geben den Kunden Transparenz und zeigen, was sich auf Herstellerseite tut und was an Waren und Preisen auf dem Markt verfügbar ist“, erklärt Gamperl im Gespräch mit PRODUKTION. ‚Source Today‘ listet das Unternehmen dieses Jahr unter den Top 50 der Distributoren weltweit.

Dazu musste Sourceability sich erst einmal auf seine Kunden einstellen. Denn einige wollten nicht über das Internet bestellen, sondern direkt aus ihren Systemen heraus. Deshalb habe man Wege finden müssen, den Online-Marktplatz auch auf den jeweiligen Systemen der Unternehmen integrieren zu können, sagt der CEO.

Anders als in anderen Branchen hat sich die Coronakrise positiv auf die Plattform ausgewirkt: Es habe eher mehr Bestellungen gegeben, so Gamperl. Die Auswirkungen von Covid-19 haben sich dennoch bemerkbar gemacht. Im Januar habe es viele Anfragen aus China nach FFP2-Masken gegeben, später auch nach Desinfektionsmittel. Weil sich das Virus bis dahin noch nicht weltweit ausgebreitet hatte, sei man von den Suchen erst einmal überrascht gewesen.

Deutsche Industrie hat Budget für Digitalisierung

Normalerweise macht Sourceability rund zehn Prozent seines jährlichen Umsatzes über Sourcengine. Dieses Jahr rechnet Gamperl mit 25 Prozent. Es gebe mehr und mehr Hersteller, die ihre Ware digital anbieten wollen, erklärt er.

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Und auch in der deutschen Industrie geht der Weg bei den Lieferketten weiter in Richtung Digitalisierung. Die Unternehmen hätten die Budgets dazu. Das zeige, die Absicht dazu sei vorhanden, meint der CEO.

Er hat jedoch beobachtet, dass die Entscheidungsprozesse in Deutschland länger dauern, als zum Beispiel in den USA. Dort fange man schneller an, intern nach Lösungen zu suchen. Der Deutsche leitet sein Unternehmen inzwischen von Kalifornien aus. Er erklärt aber auch: „Deutschland ist nicht weit hinten dran.“

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