Eine Hand, über der der Umriss von China in der Landesflagge schwebt.

China hat die Einreisebedingungen für ausländisches Fachpersonal Anfang des Jahres verschärft. - Bild: vegefox.com - stock.adobe.com

| von Redaktion Produktion

Exportstarke Industrien wie der Maschinen- und Anlagenbau sind darauf angewiesen, dass technisches Personal zu den Kunden in die jeweiligen Länder reisen kann, um Geräte installieren, warten oder reparieren zu können. Insbesondere China hat seine Einreisebedingungen seit Jahresbeginn aber weiter so verschärft, dass es kaum noch möglich ist, Mitarbeiter aus Deutschland und Europa zu annehmbaren Konditionen in die Volksrepublik zu schicken, bemängelt der VDMA.

„Die für eine Einreise notwendige offizielle ministerielle Einladung ist kaum noch erhältlich“, sagt Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft. Da die Einreiseregelungen durch chinesische Behörden zudem höchst unterschiedlich gehandhabt werden, ist ein Flickenteppich entstanden, der von den Unternehmen kaum noch zu durchblicken ist. „Teilweise stehen die Bedingungen unmittelbar vor dem Abflug aus Deutschland noch nicht definitiv fest“, erläutert Ackermann.

Ausnahmeverfahren wie zum Beispiel für Einsätze in Korea, Indien oder den USA sind in China nicht vorgesehen. Dies bringt die Unternehmen unter großen Druck, da einerseits die Maschinen und Anlagen geliefert, die hierfür notwendige Montage und der Service jedoch nicht erbracht werden können.

„Und viele mittelständische Unternehmen haben nicht alle benötigten Spezialisten in China, sondern entsenden diese je nach Bedarf aus dem Mutterhaus. Wir fordern die chinesische Regierung deshalb auf, pragmatische Lösungen anzubieten, die es ausländischen Fachkräften mit negativem Corona-Test oder auch überstandener Corona-Erkrankung ermöglichen, unmittelbar zu ihren Kunden weiterzureisen“, sagt der VDMA-Abteilungsleiter.

Einreisebeschränkungen in China: Das sagen die Firmen

Die erheblichen Schwierigkeiten mit der Einreise nach China werden auch von vielen VDMA-Mitgliedsfirmen bestätigt:

  • Dr. Christof Boensch, CEO der Frimo Group, sagt: „Wir haben eine eigene Niederlassung (Sales, Service, Entwicklung, Produktion) in China. Der Technologietransfer in unser dortiges Werk ist derzeit nahezu unmöglich. Weiterhin haben wir Kundenverpflichtungen (unter anderem Maschineninstallationen), die derzeit nicht von deutschen Experten durchgeführt werden können. Konkreter Schaden entsteht durch verzögerte Inbetriebnahme von Anlagen und dadurch verschobene Zahlungen der Kunden. Perspektivisch noch problematischer: Chinesische Wettbewerber nutzen die „Abriegelung“ Chinas, um in unsere Märkte weiter einzudringen und nutzen die Nicht-Verfügbarkeit der deutschen Experten als Verkaufsargument.
  • Ulrich Reifenhäuser, Geschäftsführer von Reifenhäuser, berichtet: „Befeuert durch die Pandemie liefern wir in diesem Jahr sehr viele Meltblown- und Compositeanlagen für den Medizinbereich nach China. Bei erfahrenen Kunden ist eine virtuelle Inbetriebnahme der Anlagen möglich, Neukunden jedoch benötigen persönliche Unterstützung vor Ort durch unsere Service- und Verfahrenstechniker, damit die Produktionslinien optimal laufen. Unsere Kunden vertrauen dabei auf die Qualität und Verlässlichkeit unserer Technologien und unsere perfekt auf sie abgestimmten Serviceleistungen. Dies ist bei den aktuellen Regularien in keiner Weise darstellbar und verzögert die geplanten Produktionen von aktuell benötigten Medizinprodukten auf unbestimmte Zeit.“
  • Dirk Breker, Leiter Fachbereich Inbetriebnahme Elektrik/Automation, bei der SMS Group, sagt:  „Für uns ist China nach wie vor einer der größten Märkte. Wir haben Aufträge und Projekte in China, für die wir neben unserem lokalen chinesischen Personal auch deutsche Spezialisten nach China entsenden müssen. Vor allem wenn unerwartete Probleme an den Anlagen auftreten, die von unserem lokalen Personal nicht behoben werden können, ist ein unverzügliches und sofortiges Entsenden von Spezialisten dringend erforderlich. Wenn wir diese Experten nicht auf die Baustellen bekommen, kann dies zu erheblichen Problemen bei der Abwicklung von Projekten führen.“

Unzumutbare Quarantänebedingungen in Hotels

Neben den erschwerten Einreisebedingungen macht es China ausländischen Fachkräften auch durch die Bedingungen vor Ort immer schwerer, die notwendige Arbeit zu erledigen. Quarantänehotels sind teilweise nach europäischen Maßstäben unzumutbar und die Quarantänezeiten nach Ankunft in China haben sich je nach Stadt und Region verlängert bis hin zu 14 plus sieben plus 7-Tage-Regelungen.

Der VDMA hat sich deshalb an den chinesischen Botschafter in Berlin gewandt und eine „umgehende Verbesserung der Quarantänebedingungen“ gefordert. Mitgliedsfirmen berichten unter anderem von sehr kleinen Hotelzimmern, teilweise ohne Fenster und ausreichende Belüftung, in denen Mitarbeiter 14 Tage ohne Ausgang bleiben mussten, fehlendem Wäschewechsel, sowie mangelhaften Hygienebedingungen, unter denen auch Corona-Tests vollzogen wurden. „Ausländische Reisende müssen in China eine Unterbringung erhalten, die zumindest die Grundanforderungen an Hygienestandards erfüllt. Bei der großen Anzahl hervorragender Hotels vor Ort dürfte dies eigentlich kein Problem sein“, sagte Ackermann.

Quelle: VDMA

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?