Renminbi-, Euro- und Dollarscheine liegen nebeneinander

Eine Umfrage der Commerzbank zeigt: Immer mehr Unternehmen setzen bei ihrem China-Geschäft auf die chinesische Währung Renminbi. - Bild: MyWorld - stock.adobe.com

| von Anja Ringel

Schützenhilfe aus China und den USA: Deutschland profitiert derzeit davon, dass sich die Lage in der Industrie entspannt. Die Auftragseingänge liegen in vielen Industriebranchen über Vorkrisenniveau, sagt die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm von der Universität Nürnberg. „Die Industrieproduktion ist nach oben gerichtet, stark getrieben durch die Auslandsnachfrage“, erklärt sie gegenüber Dpa.

„Im Grunde werfen uns China und die USA einen Rettungsring zu“, meint auch Katharina Utermöhl von der Allianz-Gruppe. 15 Prozent der Aufträge kämen aus den beiden derzeit boomenden größten Volkswirtschaften der Welt.

Diese Entwicklung merkt auch Michael Rugilo, Asien-Experte der Commerzbank. Für viele Kunden sei China in den vergangenen Monaten der wichtigste Markt geworden, berichtete er heute auf einer Pressekonferenz. Die Bank hat zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Forsa 200 europäische Firmenkunden zum Asien-Geschäft befragt.

Diese Folgen hat Corona auf das China-Geschäft

Trotz des Aufwärtstrends hat sich die Corona-Pandemie für die Mehrheit der befragten Unternehmen negativ auf das China-Geschäft ausgewirkt. Der Umsatzrückgang sei „deutlich spürbar“ gewesen, so Rugilo. 63 Prozent mussten einen Rückgang zwischen 15 und 50 Prozent hinnehmen. Knapp 30 Prozent hatten einen Verlust von bis zu 15 Prozent.

Aber: Fast 60 Prozent sehen eine Erholung auf Vorkrisen-Niveau, 14 Prozent sogar eine Erholung über dem Vorkrisen-Niveau.

Trotz oder gerade durch die derzeitigen Herausforderungen entwickelt sich außerdem die chinesische Währung Renminbi immer mehr zu einer normalen Fremdwährung für in China aktive Unternehmen. Mehr als die Hälfte der befragten Firmenkunden (57 Prozent) mit einem Jahresumsatz ab 250 Millionen Euro frakturieren in ihrem Chinageschäft mittlerweile in Renminbi. 20 Prozent planen die Umstellung in den nächsten zwölf Monaten.

In der Größenklasse mit einem Jahresumsatz ab 50 Millionen Euro fakturieren inzwischen 42 Prozent der Unternehmen in der chinesischen Währung, 26 Prozent planen es innerhalb eines Jahres. „Renminbi wird immer mehr zu Währung für Unternehmen, aber bleibt beratungsintensiv“, sagte Rugilo.

Unternehmen wollen durch Renminbi Risiko senken

Der Hauptgrund für die Umstellung auf die chinesische Währung ist die Absicherung des Devisenkursrisikos. Die Unternehmen sehen aufgrund der chinesischen Währung außerdem Vorteile bei der Markterschließung in der Volksrepublik sowie bei Preisverhandlungen.

Als Barrieren sehen die befragten Unternehmen vor allem die etablierten Vorgehensweisen, die Präferenz des Handelspartners für den Euro oder US-Dollar sowie fehlendes Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Währung.

Während Corona Folgen für das Geschäft hat, hat für die Mehrheit der Befragten (63 Prozent) der Handelskonflikt zwischen den USA und China keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft mit China.

Unternehmen, die die Folgen des Handelskonflikts spüren, reagieren vor allem mit der Abkehr der Fakturierung des Chinageschäfts in US-Dollar. Ein Fünftel verlagert Geschäfte in andere Märkte. Die Mehrheit geht außerdem davon aus, dass sich der Konflikt trotz Regierungswechsels in den USA nicht lösen wird.

Handelskrieg: Das rät ein Experte

„Deutsche Unternehmen, deren größte Absatzmärkte in der Regel die USA und zugleich China sind, sollten in diesem Spannungsfeld eigene Strategien entwickeln und sich positionieren. Andernfalls könnten sie sich ins Abseits manövrieren“, schreibt auch Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der Unternehmensberatung KPMG. Er rät international tätigen Unternehmen eine Analyse der Risikolage auszuführen – sowohl im eigenen Unternehmen als auch entlang der Lieferkette.

Das sind die Industrietrends 2021

Was sind die Trends für 2021? Wie schätzt die Industrie die wirtschaftliche Lage ein? PRODUKTION hat beim VDMA, VDW, ZVEI und den Unternehmen ZF und Ceratizit nachgehakt. Wir wollten wissen:

Welche Schulnote würden Sie der Konjunktur für das Jahr 2021 geben? Was erwarten Sie von der neuen US-Regierung für die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen? Die Antworten gibt es hier. 

Wie hat Corona die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen verändert? Hier geht es zum zweiten Teil der Industrietrends.

Werden die Firmen Lieferketten infolge des Corona-bedingten Zusammenbruchs der Supply Chains dauerhaft anpassen? Werden die Lieferketten wieder regionaler? Alles zum Thema Lieferketten lesen Sie hier.

(Bild: littlewolf1989 - stock.adobe.com)

Ein weiteres Problem sind noch immer die Reisebeschränkungen. ARD-Hörfunkkorrespondent Steffen Wurzel aus Shanghai sagte heute bei einem Business Talk des China Netzwerks Baden-Württemberg, er hoffe, dass China die Grenzen bald wieder öffnet. Seit mehr als einem Jahr gebe es keinen zivilgesellschaftlichen Austausch mehr, sagte er. Momentan sieht er aber keine Besserung.

Auch für die Industrie werden die Reisebeschränkungen zum Problem. Mehr lesen Sie hier.

China profitiert von Lockdown-Sondereffekten

Eines ist nach Einschätzung Wurzels aber sicher: „China wird nicht immer wichtiger, China ist wichtig“, sagte er.

Wie sich das China-Geschäft entwickelt, bleibt dagegen abzuwarten. Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisen- und Emerging Market-Research bei der Commerzbank erklärte, China profitiere derzeit auch von Lockdown-Sondereffekten, weil sich die Nachfrage im privaten Verbrauch verändert habe.

Kein Volkswirt könne derzeit sagen, ob das veränderte Konsumverhalten nach der Pandemie bleibe oder nicht. Er rechne damit, dass es wieder zu einer teilweisen Normalisierung komme und damit auch die Sonderkonjunktur in China zurückgehen werde.

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