Konjunktur: Zwischen Stagnation und Hoffnungsschimmer
Die deutsche Wirtschaft blickt mit großer Zurückhaltung auf 2026. Umfragen von ifo, DIW und RWI zeigen: Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit Stagnation, viele mit Rückschritten. Hoffnung ruht auf Investitionen – doch der Aufbruch bleibt fragil.
Nur 14,9 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage in 2026. Die meisten Firmen üben sich in Zurückhaltung.
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Die deutsche Wirtschaft geht mit gedämpften Erwartungen in das Jahr 2026. Während einzelne Indikatoren auf eine Stabilisierung hindeuten, dominiert in den Unternehmen weiterhin Skepsis. Das zeigen aktuelle Erhebungen des ifo Instituts, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sowie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Gemeinsam zeichnen sie das Bild einer Volkswirtschaft, die ihren Abwärtstrend zwar vorerst gestoppt hat, aber noch weit von einer nachhaltigen Erholung entfernt ist.
Unternehmen bleiben vorsichtig – Aufbruchstimmung fehlt
Nach einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts rechnen rund 26 Prozent der deutschen Unternehmen damit, dass sich ihre Geschäftslage im Jahr 2026 verschlechtern wird. Die Mehrheit – 59 Prozent – erwartet eine unveränderte wirtschaftliche Situation. Lediglich 14,9 Prozent hoffen auf bessere Geschäfte. Für Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, ist das ein klares Signal: „Die Unternehmen bleiben sehr zurückhaltend – von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen.“
Diese Zurückhaltung zieht sich durch nahezu alle Wirtschaftsbereiche. In der Industrie gehen 26,5 Prozent der Unternehmen von einer Verschlechterung aus, während 55,3 Prozent mit einer Stagnation rechnen. Positiv sticht lediglich die Branche der elektrischen Ausrüstungen hervor, in der der Anteil optimistischer Unternehmen deutlich über dem der pessimistischen liegt. Das bleibt jedoch die Ausnahme in einem insgesamt angespannten industriellen Umfeld.
Dienstleistungen und Handel unter Druck
Auch im Dienstleistungssektor überwiegt die Skepsis. Zwar erwarten knapp zwei Drittel der Unternehmen eine stabile Lage, doch fast jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer ungünstigen Entwicklung. Besonders angespannt ist die Situation im Handel: Hier befürchten 32,5 Prozent der Betriebe eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. Die schwache Konsumstimmung, anhaltende Arbeitsmarktsorgen und politische Unsicherheiten belasten die Erwartungen zusätzlich.
Das DIW bestätigt diesen Eindruck. Das ifo-Geschäftsklima im Dienstleistungssektor ist im Dezember in den negativen Bereich gerutscht. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen haben sich gegenüber dem Vormonat eingetrübt. Parallel dazu ist auch das GfK-Konsumklima zuletzt wieder ins Negative abgesackt – ein deutliches Warnsignal für eine binnenwirtschaftlich getragene Erholung.
Baugewerbe: Hoffnung auf Infrastruktur – aber ohne Euphorie
Besonders verhalten fällt der Ausblick im Baugewerbe aus. Gut ein Drittel der Betriebe rechnet 2026 mit einer schlechteren Lage, während nur gut zehn Prozent auf bessere Geschäfte hoffen. Das ist bemerkenswert, da die Branche eigentlich von den angekündigten Infrastrukturinvestitionen profitieren könnte. „Euphorie scheint dies noch nicht auszulösen“, kommentiert Wohlrabe. Offenbar warten viele Unternehmen noch auf konkrete Projekte und verlässliche Rahmenbedingungen.
DIW-Konjunkturbarometer: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Ein etwas weniger pessimistisches Bild liefert das DIW-Konjunkturbarometer. Es stieg im Dezember leicht auf 93,4 Punkte und setzt damit eine vorsichtige Aufwärtsbewegung fort. Dennoch bleibt der Wert klar unter der 100-Punkte-Marke, die für ein durchschnittliches Wachstum steht. Strukturelle Probleme wie die sinkende Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen treffen weiterhin auf ein global unsicheres Umfeld mit handelspolitischen Spannungen und geopolitischen Risiken.
Die deutsche Industrie, lange das Sorgenkind der Konjunktur, zeigt zumindest Anzeichen einer Stabilisierung. Produktion und Auftragseingänge haben sich auf niedrigem Niveau eingependelt, zuletzt kamen sogar wieder mehr Bestellungen aus dem Inland. Für eine nachhaltige Erholung reicht das jedoch noch nicht aus. Die Erwartungen der Unternehmen bleiben gedämpft, die Unsicherheit hoch.
Welthandel stabil – Europa fällt zurück
Während die deutsche Binnenkonjunktur schwächelt, zeigt sich der Welthandel erstaunlich robust. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index ist im November nur leicht gesunken und liegt nahezu auf dem Niveau zu Jahresbeginn. Global betrachtet trotzt der Handel damit den zunehmenden handelspolitischen Turbulenzen.
Europa profitiert davon jedoch kaum. Zwar legte der Containerumschlag in den Häfen des nördlichen Euroraums zuletzt zu, dieser Effekt ist jedoch vor allem auf das Ende von Streiks zurückzuführen. Strukturell bleibt Europa im Rückstand. „Die Globalisierungs-Dividende ist aufgebraucht“, warnt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Wer allein auf Exporte setze, ohne die heimischen Strukturen zu reformieren, gehe ein erhebliches Risiko ein.
Fazit: Hoffnung auf Investitionen – aber kein Selbstläufer
Unterm Strich ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Der wirtschaftliche Abwärtstrend scheint vorerst gestoppt, doch eine echte Dynamik fehlt. Die Hoffnungen ruhen auf den angekündigten Investitionspaketen der Bundesregierung. Sollten diese rasch und wirksam umgesetzt werden, könnten sie 2026 tatsächlich einen Wendepunkt markieren. Noch allerdings überwiegt in den Unternehmen die Vorsicht – und damit die Stagnation.
mit Material von Ifo, DIW und RWI
Die Konjunktur auf einen Blick
1. Wie blicken deutsche Unternehmen auf das Jahr 2026?
Die Mehrheit rechnet mit Stagnation, rund ein Viertel sogar mit schlechteren Geschäften. Nur etwa 15 Prozent erwarten eine Verbesserung.
2. Gibt es Branchen mit positiven Signalen?
Ja, insbesondere die Hersteller elektrischer Ausrüstungen zeigen vergleichsweise viel Optimismus. Insgesamt bleibt das Bild jedoch verhalten.
3. Hat sich die Lage der Industrie verbessert?
Der Abwärtstrend ist vorerst gestoppt, Produktion und Aufträge stabilisieren sich auf niedrigem Niveau. Von einer Erholung kann aber noch keine Rede sein.
4. Welche Rolle spielt der Welthandel?
Global zeigt sich der Welthandel robust. Europa und Deutschland profitieren davon jedoch weniger als andere Regionen.
5. Was könnte 2026 den Aufschwung bringen?
Entscheidend dürften staatliche Investitionen und Strukturreformen sein. Ohne sie droht eine Verlängerung der wirtschaftlichen Stagnation.
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