Der U-Boot-Auftrag aus Kanada könnte für TKMS zum Milliardenprojekt werden. Der Kieler Marineschiffbauer sieht sich im Wettbewerb mit Hanwha Ocean gut positioniert.
Ein U-Boot von TKMS im Nord-Ostsee-Kanal - der Schiffsbauer hofft auf einen Milliardenauftrag aus Kanada.dieter76 - stock.adobe.com
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Summary: TKMS bewirbt sich in Kanada um den Bau von bis zu zwölf U-Booten und rechnet mit einer Entscheidung noch im ersten Halbjahr. Gebaut werden könnten die Boote in Kiel und Wismar, falls der Zuschlag an den deutschen Anbieter geht. Parallel meldet TKMS einen Rekord-Auftragsbestand und prüft internationale Partnerschaften.
Warum TKMS auf den U-Boot-Auftrag aus Kanada setzt
Der Kieler U-Boot-Bauer TKMS sieht sich bei einem möglichen Großauftrag aus Kanada in aussichtsreicher Position. Das Rüstungsunternehmen konkurriert mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean um den Bau von bis zu zwölf U-Booten. Das Auftragsvolumen dürfte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als zehn Milliarden EUR liegen – abhängig von der Zahl der Boote. TKMS selbst äußert sich dazu nicht.
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TKMS-Chef Oliver Burkhard gibt sich dennoch selbstbewusst. «Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen», sagte er. Für den Konzern wäre der Auftrag ein weiterer Großschritt in einem Markt, der aktuell stark von der Nachfrage nach Marinesystemen und Rüstungsgütern geprägt ist.
Nach Angaben des Unternehmens hat TKMS für Kanada ein umfassendes Industriepaket vorbereitet. Burkhard sagte dazu: «Wir haben ein Industriepaket geschnürt, glaube ich, das seinesgleichen sucht». Zudem betonte er: «Sowas hatten wir vorher in der Dimension noch nicht.»
Sowohl TKMS als auch Hanwha Ocean haben Kooperationen mit kanadischen Unternehmen verkündet, um ihre Zuschlagschancen zu verbessern. Die Entscheidung erwartet die Werft zeitnah. «Wir rechnen damit, dass diese noch im ersten Halbjahr kommen könnte», sagte Burkhard.
Die Kampagne befindet sich aus Sicht von TKMS in der entscheidenden Phase. Eine zweistellige Zahl an TKMS-Mitarbeitern hält sich derzeit in Kanada auf und reist durch das Land, um für das Angebot zu werben. Burkhard sprach von der «Crunchtime», also der Schlussphase.
Sollte TKMS den Zuschlag erhalten, sollen die Boote am Stammsitz in Kiel sowie in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern gebaut werden. Nach früheren Angaben des Werftchefs will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen.
TKMS zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Auch politische Unterstützung spielte bei der Bewerbung eine Rolle. Reisen deutscher Regierungsvertreter hätten geholfen, das Angebot zu unterstützen, sagte Burkhard. Zuletzt warb Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei Kanadas Premierminister Mark Carney für das deutsche Unternehmen.
Für Deutschland und Norwegen baut TKMS jeweils sechs U-Boote des neuen Typs 212CD. Auch Kanada interessiert sich für diesen Typ. Die Buchstaben «CD» stehen für gemeinsames Design, also «Common Design». Die Baugleichheit soll Kosten verringern und die Zusammenarbeit zwischen den Marinen verschiedener Staaten erleichtern.
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Die neuen U-Boote werden etwa 72 Meter lang sein und damit etwas länger als die aktuellen deutschen Boote der Klasse 212A. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik und soll mit 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Nach Angaben von TKMS ist sie speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt.
Wie stark der Auftragsbestand bei TKMS gewachsen ist
Auch ohne den möglichen Auftrag aus Kanada sind die Bücher des Kieler Marineschiffbauers gut gefüllt. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres von Oktober 2025 bis März 2026 erreichte der Auftragsbestand 20,6 Milliarden EUR. Das ist ein neuer Höchstwert, wie aus der Mitteilung hervorgeht.
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Ende des vergangenen Jahres hatte TKMS einen Torpedo-Auftrag der Bundeswehr erhalten. Im Januar wurde bekannt, dass die norwegische Regierung zwei weitere U-Boote bestellt hat. Vier Boote waren bereits geordert.
Die gesamten Auftragseingänge summierten sich auf 3,4 Milliarden EUR. Im Vergleichszeitraum hatte der Wert allerdings noch höher gelegen. Burkhard betonte, TKMS könne den Auftragsbestand mit den eigenen Werften abdecken. Zugleich sagte er: «Mit Blick nach vorne prüfen wir aber schon jetzt mögliche internationale Partnerschaften.»
Umsatz und Ergebnis legen operativ zu
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Der Umsatz von TKMS stieg um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden EUR. Hintergrund ist nach Angaben des Unternehmens, dass Aufträge planmäßig abgearbeitet werden konnten. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern nahm um 14 % auf 60 Millionen EUR zu.
Unter dem Strich verdiente TKMS 27 Millionen EUR. Das entspricht einem Rückgang um 41 %. Als Grund nennt das Unternehmen Investitionen in den Ausbau des Geschäfts, unter anderem in Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb.
Parallel hält TKMS an den Plänen zur Übernahme der Kieler Nachbarwerft German Naval Yards fest. Das gilt trotz eines konkurrierenden Angebots des Rüstungskonzerns Rheinmetall. «Geld allein baut keine Schiffe», sagte Burkhard mit Blick auf Rheinmetall.
Der TKMS-Chef erklärte, Rheinmetall sei offensichtlich finanziell potenter als TKMS. Für eine mögliche Akquisition habe er «einen Preis im Kopf», wolle aber nicht in ein Wettbieten einsteigen, das wirtschaftlich für TKMS keinen Sinn ergebe.
TKMS und Rheinmetall bieten für die Marinewerft German Naval Yards, die zur französischen Gruppe CMN Naval gehört. Eine Stellungnahme von CMN Naval zu den Berichten liegt bislang auch auf Anfrage nicht vor. Rheinmetall hatte mitgeteilt, ein unverbindliches Angebot für die Werft abgegeben zu haben.
Wie sich der Wettbewerb im Marineschiffbau verschiebt
Während TKMS bereits länger für die Werft bietet, ist Rheinmetall erst seit kurzem im Schiffbau aktiv. Der Düsseldorfer Konzern hatte Ende Februar die Marinesparte der Bremer Werftengruppe Lürssen übernommen.
German Naval Yards baut große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten, aber auch hochseetaugliche Jachten. Die Werft gehört zur französischen Werftengruppe CMN Naval. TKMS und German Naval Yards teilen sich eine Fläche in Kiel und waren über lange Zeit organisatorisch verbunden. Beide gehen auf die frühere Traditionswerft HDW, die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG, zurück, deren Ursprünge bis 1838 reichen. Der frühere HDW-Überwasser-Schiffbau wurde ausgegliedert und firmiert heute unter German Naval Yards.
Mit Material der dpa
FAQ zum U-Boot-Auftrag aus Kanada
• Was umfasst der U-Boot-Auftrag aus Kanada? – Kanada plant den Bau von bis zu zwölf U-Booten. TKMS konkurriert dabei mit Hanwha Ocean.
• Wie hoch könnte der U-Boot-Auftrag aus Kanada ausfallen? – Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte das Volumen bei mehr als zehn Milliarden EUR liegen, abhängig von der Zahl der Boote.
• Wo würde TKMS den U-Boot-Auftrag aus Kanada bauen? – Bei einem Zuschlag sollen die Boote in Kiel und Wismar gebaut werden.
• Welcher U-Boot-Typ ist für den U-Boot-Auftrag aus Kanada relevant? – Kanada interessiert sich für den Typ 212CD, den TKMS bereits für Deutschland und Norwegen baut.
• Wann könnte über den U-Boot-Auftrag aus Kanada entschieden werden? – TKMS rechnet damit, dass die Entscheidung noch im ersten Halbjahr kommen könnte.