zwei Hände behüten eine Pflanze, die aus der Erde wächst

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Vor allem die Industrie muss daher ihre Co2-Emissionen senken. Dabei hilft Unternehmen ein digitaler Zwilling ihrer Prozesse und Produkte. (Bild: stock.adobe.com - Tinnakorn)

Die Erde ist schön. Es lohnt, sich um sie zu kämpfen, schrieb Ernest Hemmingway 1940 in seinem Roman 'Wem die Stunde schlägt'. Immer mehr Verbraucher sehen das genauso und wünschen sich, dass Unternehmen mehr Verantwortung für den Klimaschutz, die Natur und das Wohlergehen ihrer eigenen Belegschaft sowie der ihrer Zulieferer übernehmen.

Auch für die Bundesregierung, die Kommission, den Rat und das Parlament der Europäischen Union steht außer Frage, dass Unternehmen die Pflicht haben, nachhaltig zu produzieren.

Anfang Juni verabschiedete der Bundestag daher das Lieferkettengesetz. Es verpflichtet Firmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten ab 2024, zu ermitteln, welche „menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken“ in ihrem Betrieb und bei ihren Zulieferern bestehen und im Zweifel für Abhilfe zu sorgen. Ab 2025 müssen dies auch Unternehmen tun, die mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Ende Juni stimmte der Bundestag zudem der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Novelle des Klimaschutzgesetzes zu. Sie legt fest, dass Deutschland bis 2045 und nicht wie bislang vorgesehen erst bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral wird. Auch das Klimaschutzgesetz der EU trat im Juni in Kraft. Es schreibt den Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft vor, ihren Treibhausgasausstoß bis 2030 um 55 Prozent unter den Wert des Jahres 1990 zu senken.

Digitale Zwillinge sind unverzichtbar für die Einsparung von Treibhausgasemissionen

Um das zu erreichen, muss Deutschland seine Emissionen bis zum Ende des Jahrzehnts um 262 Megatonnen verringern. Ganze 24 Prozent davon lassen sich einsparen, wenn Unternehmen ihre Fertigungsprozesse konsequenter digitalisieren, als sie dies bereits tun, stellt der Digitalverband Bitkom in einer aktuellen Studie fest. Mit 32 Megatonnen ließe sich gut die Hälfte des Klimaschutzpotenzials in der industriellen Fertigung allein dadurch erschließen, dass Unternehmen Prozesse und Produkte künftig mit digitalen Zwillingen entwerfen, so der Bitkom.

„Mit der Technologie können Unternehmen Produkte entwickeln und herstellen, in deren Kern sie Nachhaltigkeit einbauen“, versicherte auch Nigel Stacey, Experte für Digitalisierung in der Industrie und Leiter der Abteilung „Industry X“ bei der Unternehmensberatung Accenture auf der im Juni vom Software-Konzern Dassault Systèmes und der Financial Times veranstalteten Konferenz „Leaders in Business Sustainability“.

Kollaborative Plattformen legen die Grundlage für eine nachhaltige Produktion

„Mit einem digitalen Zwilling können in produzierenden Unternehmen alle Teams von der Entwicklung bis zum Einkauf, der Personalabteilung, Logistik und Produktion unterschiedliche Varianten des Einsatzes von Arbeitskraft, Maschinen, Material und Fertigungsverfahren in einem plattformbasierten virtuellen Modell testen, die Nachhaltigkeit der jeweiligen Lösung evaluieren und so den Einsatz von Ressourcen optimieren, bevor sie diese in der physischen Welt verbrauchen“, erklärt Darko Sucic, Senior Director, EUROCENTRAL Industry Consultant Leader bei Dassault Systèmes. „So erkennen Betriebe rechtzeitig, wo sie unter Umständen Energie und Material verschwenden und wie sie dies vermeiden können“, ergänzt Sucic.

So macht ein digitaler Zwilling Ihre Produktion nachhaltig

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Nachhaltigkeit erfordert eine ganzheitliche Sicht auf die Prozesse im Unternehmen

Einen digitalen Zwilling setzen Unternehmen dabei auf einer kollaborativen Plattform wie der 3D-Experience Plattform von Dassault Systèmes auf. So ermitteln sie mit dieser Einsparpotenziale beim Ressourcen- und Energieeinsatz.

Zugleich können Organisationen mit der Plattform in der Public Cloud oder on premise alle ihre Geschäftsprozesse von der Entwicklung neuer Ideen und dem Management ihrer Innovationen, über die Modellierung und Entwicklung neuer Produkte bis zur Planung der Produktion unter Einbeziehung des Wertschöpfungsnetzwerks nachhaltig optimieren. Denn auf der Plattform arbeiten alle am Projekt Beteiligten aus allen Bereichen intern wie extern auf Grundlage einheitlicher Daten zusammen.

Das macht sie schneller und produktiver. Außerdem sparen sie sich Dienstreisen. Der Studie des Bitkom zufolge lassen sich mit digitalen Tools wie Kollaborationsplattformen so knapp fünf Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen, die die Bundesrepublik bis 2045 vermeiden muss, um klimaneutral zu werden.

Wer nachhaltig fertigt bricht Know-How-Silos auf

Außerdem entsteht durch die unternehmens- und standortübergreifende Zusammenarbeit auf der 3D-Experience Plattform ein ganzheitlicher Blick auf die Wirtschafts- und Produktionsweise des Unternehmens. Wissen über den ökologischen und sozialen Fußabdruck einzelner Wertschöpfungsschritte bleibt nicht mehr in einzelnen Abteilungen hängen. Organisationen laufen nicht mehr Gefahr, nachtteilige ökologische und soziale Auswirkungen ihrer Prozesse und Produkte in spätere Phasen von deren Lebenszyklus zu verschieben, weil sie nur auf die Nachhaltigkeit der Inputgrößen ihrer Fertigung achten.

Maschinenbauer Claas setzt mit der 3D-Experience Plattform von Dassault Systèmes auf Nachhaltigkeit

 

Das 1913 gegründete Familienunternehmen Claas stellt mit heute mehr als 11.400 Mitarbeitern Landmaschinen her. "Forschung und Entwicklung sind dabei einer unserer Kernbereiche" , erklärt der Vorsitzende der Konzernleitung bei Claas, Thomas Böck. "Wir sind nicht der größte Hersteller am Markt und müssen uns deshalb von Mitbewerbern durch Innovation und Kundenservice absetzen."

Die Kollegen in den Entwicklungsabteilungen der insgesamt 34 Standorte von Claas arbeiten dabei grenzübergreifend auf der 3D-Experience -Plattform von Dassault Systèmes zusammen. So können alle Verantwortlichen in Echtzeit am selben Produkt oder Objekt arbeiten und dabei den gleichen Datenbestand nutzen. Dieser ist bei Claas aufgrund der Vielzahl der hergestellten Produkte besonders groß und komplex.

Durch die Zusammenarbeit auf der Plattform hat der Maschinenbauer auch die Entwicklungszeit seiner Produkte verkürzt.  "Intelligente Maschinen zu bauen, ist ein kollektives Bestreben mehrerer Disziplinen, die dafür eng zusammenarbeiten müssen", erklärt Thomas Böck. Früher konnten die Systemingenieure ihre Komponenten aber erst einbauen, wenn der physische Musterbau einer neuen Landmaschine fertig war. Passten die von den Hydraulik-Experten entwickelten Bausteine nicht in die entworfene Maschine, machte dies oft teure Anpassungen erforderlich.

"Jetzt haben Maschinenbauer, Elektroingenieure und Hydrauliker simultanen Zugriff auf den Entwurf und können daran zeitgleich statt nacheinander arbeiten", erklärt Kai Wallasch, Senior Manager Digital Transformation bei Claas. Werden Anpassungen erforderlich, können sie die Experten in der digitalen Umgebung sofort vornehmen. "Folglich produzieren wir weniger Ausschuss und haben weniger Fehler während der Produktion, weil die elektronischen und hydraulischen Bausteine bereits im frühen Entwurfsstadium positioniert werden", freut sich Kai Wallasch.

 

Den gesamten Beitrag über den Einsatz der 3D-Experience -Plattform von Dassault Systèmes bei Claas lesen Sie hier

Nachhaltigkeit lässt Unternehmensgewinne weltweit um 26 Billionen US-Dollar steigen

Zugleich steigern Unternehmen durch den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Arbeitnehmern neben ihrer Nachhaltigkeit auch ihre Produktivität. Denn wenn Roboter unergonomische Arbeiten übernehmen, entlasten sie Mitarbeiter. Mit dem Stress sinkt die Fehlerquote. Es entsteht weniger Ausschuss. Material wird nicht mehr verschwendet. Da weniger nachgearbeitet werden muss, um die Qualität der hergestellten Produkte zu gewährleisten, verkürzen sich zugleich die Durchlaufzeiten von Aufträgen. Kunden können zuverlässig und zum zugesagten Termin beliefert werden.

Soziale und ökologische Verantwortung, Klimaschutz und finanzielle Rentabilität schließen sich in nachhaltig produzierenden Unternehmen also nicht aus. Das haben die Entscheider in vielen Betrieben erkannt. In der weltweit von der Unternehmensberatung Deloitte durchgeführten Umfrage „2021 Climate Check“ gaben sechs von zehn Führungskräften an, dass sich die Finanzkennzahlen ihrer Unternehmen durch Nachhaltigkeitsinitiativen verbessert haben.

Sie bestätigen damit eine Prognose des von den Vereinten Nationen und dem World Wildlife Fund gegründeten Nachhaltigkeits-Think-Tanks „Science Based Targets Initiative“. Dieser erwartet, dass Unternehmen künftig weltweit jedes Jahr 26 Billionen US-Dollar Gewinne zusätzlich erwirtschaften, wenn sie nachhaltig produzieren. Was für ein schönes Ziel, für das es sich wirklich zu kämpfen lohnt.

Nachhaltigkeit – So profitieren Unternehmen von der nachhaltigen Produktion

Jede zweite vom Meinungsforschungsunternehmen YouGov befragte Führungskraft gab in einer Umfrage an, dass es bei der Umsetzung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung vor allem auf den Beitrag der Unternehmen ankommt. Die selbstbewusste Annahme ist begründet. Immerhin bedeutet nachhaltig zu fertigen, Produkte mit wirtschaftlich sinnvollen Verfahren herzustellen, die negative Auswirkungen auf die Umwelt minimieren und gleichzeitig Energie und natürliche Ressourcen schonen. Dadurch lohnt sich eine nachhaltige Produktion auch für die Unternehmen selbst. Denn:

  1. Betriebe, die nachhaltig wirtschaften und produzieren, steigern ihre Effizienz, senken Kosten und vermeiden Verschwendung. Der britische Think Tank „Carbon Trust“ schätzt, dass Unternehmen, die ihren Stromverbrauch um 20 Prozent senken, bis zu fünf Prozent mehr Gewinn machen. Die Einsparungen lassen sich dabei schon mit kleinen Investitionen erzielen.
  2. Unternehmen stärken zugleich ihren Ruf und ihre Marke.
  3. Sie gewinnen dadurch neue Kunden und steigern ihren Wettbewerbsvorteil. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture ergab, dass die Mehrheit der deutschen Verbraucher bereit ist, für nachhaltig hergestellte Produkte mehr zu bezahlen. Von den zwischen 1981 und 2009 geborenen Verbrauchern – den Generationen Y und Z also – lassen sich sogar drei von vier nachhaltigen Produkten mehr kosten. Das belegt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Nielssen.
  4. Organisationen verbessern durch eine nachhaltige Produktion zudem langfristig ihre geschäftliche Rentabilität und ihren finanziellen Erfolg. Einer Studie der Landesband Baden-Württemberg zufolge liegt die Brutto-Gewinnmarge nachhaltig fertigender Konsumgüterhersteller drei Prozent über dem Branchendurchschnitt.
  5. Nachhaltige Unternehmen reagieren proaktiv auf regulatorische Beschränkungen und die sich daraus ergebenden Chancen.

Video: So funktioniert nachhaltige Produktion mit Dassault Systèmes

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