Druckluft und Wärme erzeugen statt Strom und Wärme – in einem Gasmotor-Kompressormodul (kurz: GK-Modul) werden die Hauptkomponenten eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) mit einem Schraubenkompressor gekoppelt.
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In dem GK-Modul werden die Hauptkomponenten eines Blockheizkraftwerkes direkt mit einem Schraubenkompressor gekoppelt.Sokratherm)
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Ob in der Metallverarbeitung, dem
Fahrzeug- und Maschinenbau oder der chemischen Industrie – zahlreiche Betriebe
sind sowohl auf eine konstante industrielle Prozesswärme als auch auf Druckluft
angewiesen. Die Wärmeversorgung ist dabei beispielsweise über ein
gasbetriebenes BHKW möglich. Dieses produziert zusätzlich zur Wärme Strom, der
dann beispielsweise auch für den Betrieb eines nachgeschalteten Kompressors
genutzt werden kann. Eine derartige Kombination von Kraft-Wärme-Kopplung und
Drucklufterzeugung resultiert allerdings in Anlagen mit großen Abmessungen. Die
Energieverluste sind hoch, denn bei der Stromerzeugung im BHKW und separater
Drucklufterzeugung entstehen Wandlungs-, Übertragungs- und
Frequenzumrichterverluste. Hinzu kommt, dass die im Kompressor entstehende
Wärme häufig ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Damit wird ein großes
Energieeinsparpotenzial verschenkt.
Direkte
Kopplung von Gasmotor und Verdichterstufe
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Mit einem GK-Modul lässt sich die
Energieeffizienz dagegen deutlich steigern. Denn der Gasmotor des BHKW treibt
den Schraubenkompressor direkt an, ein Elektromotor ist zum Betrieb des
Kompressors nicht mehr nötig. Der „Umweg“ über die Stromerzeugung fällt also
weg, da die Verdichterstufe des Kompressors direkt mit dem Gasmotor gekoppelt
ist. Nur ein geringer Anteil elektrischer Energie wird für die Steuerung und
andere Aggregate benötigt. Dabei lässt sich die gelieferte Druckluft durch die
Drehzahlregelung des Gasmotors dem Bedarf anpassen, vergleichbar mit der
Frequenzregelung eines Elektromotors. „Wir haben uns schon einige Jahre mit der
Thematik befasst“, sagt Joachim Voigt, Vertriebsleiter bei der Sokratherm GmbH.
„Eine konkrete Planungsanfrage brachte uns dazu, gemeinsam mit Boge ein neues
Gasmotor-Kompressormodul zu entwickeln.“ Der BHKW-Hersteller Sokratherm bietet
verschiedene GK-Module im Leistungsbereich von 50 bis 200 kW an. Damit kann
eine Liefermenge von 7,1 bis 28,7 m³/min erzeugt werden. Die
Druckluft-Heizkraftwerke sind in drei verschiedenen Baugrößen für die
Druckstufen 8 bar, 10 bar und 13 bar verfügbar.
Kleiner
Footprint und maximale Flexibilität
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Die Sokratherm GmbH hat gemeinsam mit Boge ein neues Gasmotor-Kompressormodul (GK-Modul) entwickelt, das Druckluft und Wärme erzeugt.Sokratherm)
Bei der Entwicklung des GK-Moduls galt
es, einige Anforderungen zu erfüllen. So sollte der Verdichter des Kompressors
in dem Gehäuse des BHKW installiert werden, ohne große bauliche Veränderungen
an dem Aggregat vornehmen zu müssen. Nicht nur die Drehrichtung, auch die Maße
passten optimal, so dass insgesamt ein sehr kompaktes Modul entstanden ist, das
einen kleinen Footprint aufweist. Wärmetauscher, Ölkreislauf und andere
Komponenten wurden in einem sogenannten Satellitenmodul zusammengefasst, das
neben dem Aggregat aufgestellt wird. Dabei ist der Kunde flexibel in der
Anordnung dieses Moduls. „Unsere Komponenten sind optimal aufeinander
abgestimmt“, sagt Stefan Klare, Leiter Customised Solutions bei Boge. „Mit
unserem Getriebe können wir verschiedene Übersetzungen realisieren und sind
maximal flexibel bezüglich der Antriebsdrehzahl, Liefermengen und erzeugten
Druckbereiche.“
Ist das Kundennetz beispielsweise nicht
für die im Lieferprogramm enthaltenen 8 bar, 10 bar oder 13 bar, sondern auf 11
bar ausgelegt, ist ein Anschluss durch die Wahl einer passenden Übersetzung von
Boge ebenfalls realisierbar. Über das Lieferangebot hinaus können somit Anlagen
für unterschiedliche Anforderungen des Kunden umgesetzt werden. Idealerweise
wird das Druckluft-Heizkraftwerk zur Abdeckung der Basislast eingesetzt. Dabei
lässt sich die Druckluft- und Wärmeproduktion über die Drehzahl stufenlos bis
auf die halbe Liefermenge anpassen, wenn beispielsweise am Wochenende ein
geringerer Bedarf vorhanden ist. Zur Abdeckung von Spitzenlasten bieten sich
konventionelle Kompressoren oder Heizkessel an.
Höheres Temperaturniveau als bei klassischer
Wärmerückgewinnung
Der Gasmotor von Sokratherm und der
öleinspritzgekühlte Schraubenkompressor aus der Baureihe S-4 von Boge sind
wesentliche Bestandteile des neuen Druckluft-Heizkraftwerkes. Der Kompressor
ist durch die eigens entwickelte Verdichterstufe mit integriertem, vollständig
gekapseltem Getriebe bereits effizienzoptimiert. Mit der äußerst effizient
ausgelegten Wärmerückgewinnung des Verdichters ermöglicht der Kompressor
zusätzliche Energieeinsparpotenziale und trägt zu dem hohen Wirkungsgrad des
Gesamtsystems bei. Zwar erzielt diese moderne Wärmerückgewinnung auch bei
herkömmlichen Kompressoren eine effiziente Wärmebereitstellung, allerdings ist
bei diesen das Temperaturniveau für eine Nutzung als industrielle Prozesswärme
meist zu gering. Die Wärmeauskopplung aus dem Gasmotor ermöglicht dagegen ein
deutlich höheres Temperaturniveau. Mit Heizungsvorlauftemperaturen bis zu 95 °C
können die Aggregate somit industrielle Prozesswärme erzeugen, die
beispielsweise für die Kunststoffformung oder zur Beheizung von galvanischen
Bädern zur Verfügung steht.
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Bewährte
Technik für eine lange Lebensdauer
Eine Herausforderung bestand darin, die
beiden Steuerungen – von BHKW und Kompressor – zu vereinen. Zunächst wurde die
Steuerung von Sokratherm erweitert und so mit der Boge Steuerung kombiniert,
dass der Kunde auf alle Komponenten mit einer Steuerung zugreifen kann. Sind
zusätzlich zum Gasmotor-Kompressormodul herkömmliche Kompressoren oder
Heizkessel im Einsatz, bietet sich die Steuerung airtelligence provis 3 von Boge
an, mit der sich eine unbegrenzte Anzahl von Komponenten vorausschauend und
verbrauchsabhängig steuern lässt. „Bei der Entwicklung der Pilotanlage haben
beide Unternehmen perfekt zusammengearbeitet“, betont Joachim Voigt. „Jeder
brachte sein Knowhow ein und hat sich auf seinen fachlichen Part konzentriert.
Nur deshalb konnten wir das Projekt in der relativ kurzen Zeit von fünf Monaten
zur Marktreife bringen.“ Die neue Konstruktion basiert auf Standardkomponenten
und bewährter Technik, was einen zuverlässigen Betrieb garantiert. Das Getriebe
ist gekapselt, nahezu wartungsfrei und in den Ölkreislauf des Verdichters
eingebunden. Somit profitieren Kunden von einer langen Lebensdauer der Anlagen.
Schnelle
Amortisation und erste Industrieanwendung
Das neue Gasmotor-Kompressormodul wird am besten zur Abdeckung der Grundlast eingesetzt und liefert einen thermischen Wirkungsgrad von fast 90 %.Sokratherm)
Das neue Gasmotor-Kompressormodul wird
am besten zur Abdeckung der Grundlast eingesetzt. Idealerweise benötigt der
Kunde kontinuierlich Druckluft und kann die Wärme ebenfalls dauerhaft nutzen.
„Das neue Aggregat liefert einen thermischen Wirkungsgrad von fast 90 %“, so
Joachim Voigt. „Damit ist die Anlage wärmeseitig bereits vergleichbar mit einem
regulären Heizkessel, der Jahresnutzungsgrade in ähnlicher Höhe erzielt. Dazu
kommt natürlich die Druckluft, die bei der Betrachtung quasi als Nebenprodukt
der Wärmeerzeugung anfällt.“ Durch die kombinierte Druckluft- und
Wärmeerzeugung verwertet das Modul fast die gesamte im Brennstoff gespeicherte
Energie. Denn nicht nur die Wärme aus dem Abgas, sondern auch die aus
Motorkühlwasser und Verdichteröl wird genutzt. Wenn das Druckluft-Heizkraftwerk
zur Abdeckung der Grundlast kontinuierlich in Betrieb ist, amortisiert sich das
neue Druckluft-Heizkraftwerk innerhalb von zwei bis drei Jahren. Hat der Kunde
im Sommer einen geringeren Wärmebedarf, kann die überschüssige Wärme durch
Kopplung mit einer Absorptionskältemaschine zusätzlich in Kälte umgewandelt
werden. Das Druckluft-Heizkraftwerk würde in diesem Fall sogar drei
Energieformen liefern: ganzjährig Druckluft und Wärme sowie Kälte in den
Sommermonaten, beispielsweise als Prozesskälte für die Maschinenkühlung. Somit
lässt sich die Auslastung noch einmal steigern.
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Fazit: wirtschaftlich und ökologisch
Mit den neuen Gasmotor-Kompressormodulen
sind 90 % der eingesetzten Energie in Form von Wärme nutzbar und Druckluft
steht ebenfalls zur Verfügung. Der Kunde profitiert von einem hohen
Wirkungsgrad für die Wärmeerzeugung, der mit dem eines herkömmlichen Brennwertkessels
vergleichbar ist, und spart gleichzeitig die Stromkosten für die
Drucklufterzeugung. Durch den Einsatz eines Druckluft-Heizkraftwerkes zur
Abdeckung der Grundlast lassen sich in Verbindung mit konventionellen
Kompressoren für die Spitzenlast die Effizienz und die Wirtschaftlichkeit der
gesamten Drucklufterzeugung deutlich steigern. „Mit erneuerbaren Brennstoffen
wie Biomethan oder grünem Wasserstoff können Druckluft und Wärme nicht nur sehr
effizient, sondern sogar CO2-neutral generiert werden“, sagt Wilhelm Meinhold,
Marketingleiter bei Sokratherm. „Schon heute sind bis zu 20 % Wasserstoff im
Brennstoff möglich, mit einer entsprechenden Nachrüstung können die Module auch
mit 100 % Wasserstoff betrieben werden.“