Die Kern Micro HD bildet das Zentrum des Werkzeugbaus bei Quittenbaum. Das Fünfachs-Bearbeitungszentrum fertigt Hartmetallbauteile automatisiert, maßhaltig und mit reproduzierbaren Spiegeloberflächen.
Peter KlingaufPeterKlingauf
Mit der Kern Micro HD hat Quittenbaum ein hochleistungsfähiges Fünfachsbearbeitungszentrum inklusive Schleiffunktion auf engem Raum untergebracht.Kern
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Summary: Die Quittenbaum GmbH setzt seit Oktober 2020 in Schönau am Königssee eine Kern Micro HD für komplexe Biege- und Prägegesenke ein. Eine angepasste Automatisierung und die 2023 nachgerüstete Schleifoption ermöglichen eine nahezu durchgängige Fertigung mit 3 µm Maßhaltigkeit und Oberflächen bis Ra = 0,05 µm. Nach Angaben des Unternehmens erreicht der Werkzeugbau damit eine Hartmetall-Gutteilquote von 100 % und benötigt weniger als die Hälfte der früheren Bearbeitungszeit.
Warum die Kern Micro HD im Werkzeugbau eine
Schlüsselrolle spielt
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Der Werkzeugbau der Quittenbaum GmbH bildet die Grundlage
für mehrere Hundert Millionen Präzisions-Stanz- und Stanzbiegeteile pro Jahr.
Gefertigt werden unter anderem Mikrostanzteile, Pressfits und Schirmungen. Rund
70 % der Bauteile gehen derzeit an die Automobilindustrie. Weitere Anfragen
kommen aus der Luft- und Raumfahrt, der Telekommunikation sowie aus anderen
Bereichen der Elektronik.
Im internen Werkzeugbau steht seit Oktober 2020 eine Kern
Micro HD. Das fünfachsige Präzisionsbearbeitungszentrum produziert komplexe
Biege- und Prägegesenke für Folgeverbundwerkzeuge. Seit 2023 verfügt die
Maschine zusätzlich über eine Schleifoption.
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Simon Schoner, Gruppenleiter CNC-Fräsen im Werkzeugbau,
und Werkzeugmacher Stefan Dufter bewerten sowohl die technische Lösung als auch
die Zusammenarbeit positiv: „Kern setzt für unsere Partner einen Benchmark in
puncto Technologie und Zusammenarbeit.“
Grundlage für die Investitionen ist nach Darstellung des
Unternehmens auch die Entscheidungsfreiheit der Mitarbeiter. Schoner erklärt:
„Sowohl unser Eigentümer als auch unser Geschäftsführer leben das, was sie
predigen. Sie stehen hinter uns Mitarbeitern und lassen uns unglaublich große
Entscheidungsfreiheiten. Entsprechend schnell können wir auf
Kundenanforderungen reagieren und haben zudem bei Investitionen in neue
Technologien und Maschinen ein gewichtiges Wort mitzureden.“
Wie der Bedarf an Fünfachsbearbeitung entstand
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Ausgangspunkt für die Investition waren zunehmend
komplexe Umformbauteile aus Hartmetall. Freiformflächen und Hinterschnitte
ließen sich auf den vorhandenen dreiachsigen Maschinen nicht in einer
Aufspannung bearbeiten. Zusätzliche Erodierprozesse erhöhten den Aufwand.
Schoner beschreibt die damalige Situation: „Unsere
Kollegen aus der Fertigung benötigten immer häufiger komplexe Umformbauteile
aus Hartmetall mit Freiformflächen und Hinterschnitten. Diese konnten wir mit
unseren dreiachsigen Maschinen natürlich nicht in einer Aufspannung fräsen. Das
und zusätzliches Erodieren machte den Herstellprozess aufwändig. Die produktive
Lösung war mir und Stefan Dufter schnell klar: Ein fünfachsiges
Bearbeitungszentrum muss her.“
Die beiden Werkzeugmacher führten das Auswahlverfahren
eigenverantwortlich durch. Dazu tauschten sie sich zunächst mit verschiedenen
Werkzeugmaschinenherstellern aus. Anschließend ließen sie ein komplexes
Musterbauteil auf den jeweiligen Bearbeitungszentren fertigen.
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Der Ablauf war laut Schoner bei nahezu allen Anbietern
vergleichbar: „Uns wurde in rund zwei Stunden erläutert, wie das Programm für
das simultane Fünfachsfräsen aussehen wird. Eine gewisse Zeit später bekamen
wir dann das fertige Werkstück zur Ansicht.“
Zwei Tage bei Kern prägen die Maschinenentscheidung
Bei Kern Microtechnik verlief der Auswahlprozess anders.
Schoner und Dufter verbrachten zwei Tage am Standort Eschenlohe und arbeiteten
dort mit einem Anwendungstechniker an der Programmierung und Bearbeitung des
Musterbauteils.
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Dufter erinnert sich: „Wir waren zwei Tage in Eschenlohe,
wo uns ein Anwendungstechniker im Detail erklärte, worauf es bei der
Programmierung solcher Bauteile ankommt und was die Kern Micro HD am Ende
daraus macht – mit perfekter Oberfläche und Maßhaltigkeit. Da haben wir
gemerkt, dass nicht nur die Maschine alles kann, was wir uns wünschen, sondern
auch das menschliche Miteinander passt. Und das können wir auch heute – sechs
Jahre später – vollumfänglich unterschreiben.“
Auch die Zusammenarbeit mit Vertrieb, Technik und Service
wird hervorgehoben. In der Bilddokumentation zur Mitteilung erklären die
Werkzeugbauer: „Für uns stellt die Zusammenarbeit mit Vertrieb, Technik und
Service von Kern den Benchmark für alle anderen Partner dar.“
Wie die Automatisierung eine 24/7-Fertigung ermöglicht
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Die Kern Micro HD läuft bei Quittenbaum nahezu rund um
die Uhr, obwohl die Mitarbeiter im Werkzeugbau weitgehend einschichtig
arbeiten. Möglich macht dies eine an die räumlichen Bedingungen angepasste
Automatisierungslösung.
Der integrierte Werkzeugwechsler übernimmt gleichzeitig
die Funktion eines Werkstückwechslers. Statt gut 200 Werkzeugen stehen dadurch
rund 100 Werkzeugplätze zur Verfügung. Zusätzlich lassen sich 30 Werkstücke in
der Anlage unterbringen.
Dufter bewertet diese Aufteilung als klaren
Produktivitätsgewinn: „Wir bringen dank dieser Lösung 30 Werkstücke unter. Das
hilft uns viel mehr als die zusätzlichen Werkzeugplätze.“
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Die Fünfachsprogramme entstehen an einem von der
Fertigungsumgebung getrennten Programmierplatz. Anschließend werden sie auf die
Kern Micro HD übertragen, eingerichtet und simuliert. Erst danach startet die
Bearbeitung. Die Kombination aus externer Programmierung, Werkstückbevorratung
und automatischem Wechsel unterstützt die weitgehend mannlose Produktion
außerhalb der regulären Arbeitszeit.
3 µm Maßhaltigkeit und reproduzierbare Oberflächen
Neben der Laufzeit steht die Ergebnisqualität im
Mittelpunkt. Nach Angaben von Quittenbaum erreicht das Bearbeitungszentrum
prozesssicher eine Maßhaltigkeit von 3 µm. Gleichzeitig entstehen
Spiegeloberflächen mit Rauheitswerten bis Ra = 0,05 µm.
Dufter erläutert den Unterschied zum früheren Prozess:
„Wir erreichen prozesssicher eine Maßhaltigkeit von 3 µm und stets gleiche
Spiegeloberflächen mit bis zu Ra = 0,05 µm. Früher musste ein qualifizierter
Mitarbeiter jedes Werkstück von Hand eine halbe Stunde polieren. Die Ergebnisse
waren dann auch sehr gut, aber der Zeitaufwand war enorm und die Oberfläche nie
exakt gleich.“
Die reproduzierbare Bearbeitung ist insbesondere bei
Form- und Prägestempeln wichtig, die erst Monate nach der ersten Fertigung
erneut benötigt werden. Da Quittenbaum seinen Kunden exakte Ergebnisse
gewährleisten muss, werden die Bauteile im Werkzeugbau vollständig geprüft.
Das Resultat fasst Dufter so zusammen: „Unsere Kern
erzeugt eine hundertprozentige Hartmetall-Gutteilquote und braucht dafür nicht
einmal die halbe Zeit gegenüber unserer vorherigen Lösung.“
Welche Maschinentechnik hinter der Präzision steht
Simon Schoner (links) und Stefan Dufter (beide Quittenbaum) sind sich mit Barbara Bergmann (Kern) einig, dass die Kern Micro HD perfekt in den Werkzeugbau von Quittenbaum passt. Dabei geht das Lob der beiden Werkzeugbauer noch weiter: „Für uns stellt die Zusammenarbeit mit Vertrieb, Technik und Service von Kern den Benchmark für alle anderen Partner dar.“Kern
Kern-Gebietsverkaufsleiterin Barbara Bergmann führt die
Bearbeitungsergebnisse unter anderem auf das Temperaturmanagement und die
Mikrospalt-Hydrostatik der Maschine zurück. Die Hydrostatik kommt in allen
Linearachsen zum Einsatz und wird mit Linearmotoren kombiniert.
Bergmann erklärt: „Wir haben mit der Kern Micro HD ein
Präzisionsbearbeitungszentrum im Portfolio, das sich durch ein paar
Innovationen vom Markt unterscheidet. Dazu zählen beispielsweise unser
einzigartiges Temperaturmanagement sowie die patentierte Mikrospalt-Hydrostatik
in allen Linearachsen. In Kombination mit Linearmotoren sorgt der extrem geringe
Spalt für besonders hohe Steifigkeit und beste Dämpfungseigenschaften der
Maschine, was sich am Ende in höchster Oberflächengüte und Genauigkeit am
Werkstück widerspiegelt.“
Die Maschine bearbeitet bei Quittenbaum unter anderem
Hartmetall-Umformstempel. Nach dem Schruppen werden die entscheidenden Profile
und Flächen fünfachsig geschlichtet. Dabei entstehen die geforderten Konturen
und Oberflächen in Polierqualität.
Warum Quittenbaum eine Schleifoption nachrüstete
Im Jahr 2023 ließ Quittenbaum die Kern Micro HD um eine
Schleiffunktion erweitern. Ausschlaggebend war der wachsende Bedarf an
Umformeinsätzen und Prägegesenken aus Hartmetall. Beim Schruppen dieses
Werkstoffs unterliegen kostenintensive Fräswerkzeuge einem hohen Verschleiß.
Mit der Schleifoption übernehmen preisgünstigere
Schleifstifte die Schruppbearbeitung. Die anschließende Feinbearbeitung erfolgt
weiterhin mit fünfachsigen Strategien. Profile und Funktionsflächen werden
dabei in derselben Maschine und Aufspannung auf die geforderte Qualität
gebracht.
Schoner sieht darin einen deutlichen wirtschaftlichen
Vorteil: „Dass wir auf diese Weise deutlich wirtschaftlicher arbeiten und sich
das in einer Maschine und einer Aufspannung erledigen lässt, finde ich sehr
beeindruckend.“
Auch die Dauer der Umrüstung hebt er hervor: „Dabei
dauerte die komplette Nachrüstung lediglich drei Tage. Das ist super, oder?“
Die Möglichkeit, Maschinen nachträglich an veränderte
Anforderungen anzupassen, bezeichnet Bergmann als Bestandteil der Strategie von
Kern: „Wir wissen, dass sich die Märkte und damit das Teilespektrum vieler
unserer Kunden ständig verändern. Dem werden wir durch Weiterentwicklungen und
der Anpassungsfähigkeit unserer Maschinen jederzeit gerecht.“
Welche Rolle eine Laseranlage künftig spielen könnte
Ein Hartmetall-Umformstempel von Quittenbaum beim finalen Schlichtprozess mit der Kern Micro HD. Vorher erledigen kostengünstige Schleifstifte den Schruppvorgang. Am Ende werden prozesssicher die geforderte Maßhaltigkeit von 3 µm und Spiegeloberflächen mit bis zu Ra 0,05 µm erzielt.Kern
Der Werkzeugbau von Quittenbaum beschäftigt sich bereits
mit einer weiteren Technologie. Im Austausch mit Kern rückte die Laseranlage
Kern Femto E3 in den Fokus. Sie trägt Material nicht mit einem Fräswerkzeug,
sondern mit einem verschleißfreien Laser ab.
Schoner beschreibt den gemeinsamen Entwicklungsansatz:
„Wir loten immer die Grenzen des Machbaren aus, und da Kern genauso tickt,
tauschen wir uns regelmäßig aus. Bei einer solchen Gesprächsrunde sind wir auf
eine Maschine mit ganz anderer Technologie gestoßen – die Kern Femto E3.“
Für ausgewählte Formwerkzeuge lässt Quittenbaum diese
Technologie bereits extern einsetzen. „Deshalb lassen wir aktuell einige
Produkte auf diese Weise in Lohnfertigung herstellen.“
Ob und wann sich eine eigene Laseranlage wirtschaftlich
rechnet, ist laut Mitteilung noch offen. Schoner und Dufter halten eine
entsprechende Investition jedoch grundsätzlich für erwägenswert.
Quittenbaum fertigt für mehrere Hightech-Branchen
Die Quittenbaum GmbH wurde 1982 von Heinz Quittenbaum
gegründet und befindet sich weiterhin in Familienbesitz. Das Unternehmen mit
Sitz in Schönau am Königssee beschäftigt gut 100 Mitarbeiter.
Zum Produktspektrum gehören komplexe Präzisions-Stanz-
und Stanzbiegeteile für die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt,
Telekommunikation, Elektronik, Agrarwirtschaft und Medizintechnik. Die hohe
Fertigungstiefe mit eigenem Werkzeugbau ermöglicht nach Angaben des
Unternehmens kurze Reaktionszeiten.
Die Kern Micro HD ist dabei ein zentraler Bestandteil der
technischen Ausstattung. Sie verbindet fünfachsiges Fräsen, Schleifen und eine
angepasste Automatisierung auf engem Raum. Wie aus der Mitteilung von Kern
Microtechnik hervorgeht, erreicht Quittenbaum damit reproduzierbare Präzision,
eine vollständige Gutteilquote bei Hartmetallbauteilen und deutlich verkürzte
Bearbeitungszeiten.
𝗙𝗔𝗤 𝘇𝘂𝗿 𝗞𝗲𝗿𝗻 𝗠𝗶𝗰𝗿𝗼 𝗛𝗗
Wofür nutzt Quittenbaum die Kern Micro HD? – Die
Maschine fertigt komplexe Biege- und Prägegesenke sowie Form- und Umformstempel
für Folgeverbundwerkzeuge.
Welche Genauigkeit erreicht die Kern Micro HD? – Nach
Angaben von Quittenbaum beträgt die prozesssichere Maßhaltigkeit 3 µm. Die
Oberflächen erreichen Werte bis Ra = 0,05 µm.
Wie ermöglicht die Kern Micro HD eine 24/7-Fertigung? –
Der Werkzeugwechsler dient zugleich als Werkstückwechsler und bietet Platz für
rund 100 Werkzeuge sowie 30 Werkstücke.
Warum wurde die Kern Micro HD um eine Schleifoption
ergänzt? – Kostengünstige Schleifstifte übernehmen das verschleißintensive
Schruppen von Hartmetall und reduzieren den Bedarf an teuren Fräswerkzeugen.
Welche Gutteilquote erzielt die Kern Micro HD? – Laut
Quittenbaum erreicht das Bearbeitungszentrum bei den geprüften
Hartmetallbauteilen eine Gutteilquote von 100 %.