Nachhaltigkeit: Was Schneider Electric erfolgreich macht
Nachhaltigkeit ist bei Schneider Electric Teil der Geschäftsstrategie. Mike Hughes, CEO DACH bei Schneider Electric, erklärt, worauf es bei der erfolgreichen Umsetzung ankommt.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Strategie, Kennzahlen, Digitalisierung und Lieferkette sind zentrale Bausteine der Nachhaltigkeitsstrategie von Schneider Electric.Pcess609 - stock.adobe.com
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Schneider Electric verankert Nachhaltigkeit in der Geschäftsstrategie und misst Fortschritte vierteljährlich anhand definierter Kennzahlen.
Digitalisierung, Elektrifizierung und transparente Energieflüsse sollen Effizienzpotenziale erschließen und die Dekarbonisierung unterstützen.
Mit der „Zero Carbon Pathway Initiative“ bezieht Schneider Electric mehr als 1.100 strategische Lieferanten ein.
Führungskräfte und Mitarbeitende sollen Nachhaltigkeit im täglichen Handeln verankern und damit Teil der Unternehmenskultur machen.
Mike Hughes ist CEO DACH bei Schneider Electric.Schneider Electric
Kontinuität zahlt sich aus, auch beim Thema Nachhaltigkeit. Schneider Electric ist dieses Jahr vom Time-Magazine und Statista zum dritten Mal in Folge zum nachhaltigsten Unternehmen der Welt ausgezeichnet worden. „Nachhaltiges Wirtschaften heißt auch unseren eigenen Fußabdruck auf Klima, auf Gesellschaft so minimal wie möglich zu halten oder so positiv wie möglich zu halten“, erklärte Jessica Bethune vergangenes Jahr in unserem Podcast Industry Insights.
Aber warum funktioniert das Thema Nachhaltigkeit bei Schneider Electric so gut und was können andere Unternehmen davon lernen? Wir haben bei Mike Hughes, CEO DACH bei Schneider Electric, nachgefragt:
Nachhaltigkeit muss in die Geschäftsstrategie aufgenommen werden: Schneider Electric hat kürzlich seine neue Nachhaltigkeits-Roadmap „Impact 2030“ vorgestellt. Sie basiert auf vier strategischen Säulen: Elektrifizierung der Welt, Transformation der Industrie, Entfaltung menschlichen Potenzials und Stärkung lokaler Gemeinschaften. Das Unternehmen misst seine Fortschritte außerdem vierteljährlich anhand klar definierter Kennzahlen und will so auf allen Ebenen für Transparenz und Verbindlichkeit sorgen.
Und auch die Geschäftsleitung geht mit gutem Beispiel voran. „Nachhaltigkeit lässt sich nicht delegieren“, sagt Hughes. „Wenn sie nur in einer Stabsstelle verankert ist, bleibt sie ein Projekt. Erst wenn die Unternehmensleitung sie als Teil der Geschäftsstrategie versteht und vorlebt, wird sie Teil der Unternehmenskultur.“
Dabei gehe es zum Beispiel nicht darum, dass jede Geschäftsreise vermieden wird, sondern darum, bei jeder Entscheidung bewusst abzuwägen:Wo schafft persönlicher Austausch echten Mehrwert und wo reichen digitale Formate?
Mitarbeitende orientieren sich am Verhalten der Vorgesetzten
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„Meine Erfahrung ist: Mitarbeitende orientieren sich weniger an Präsentationen als am Verhalten ihrer Führungskräfte“, berichtet Hughes im Interview mit Produktion. „Wenn Nachhaltigkeit sichtbar in Entscheidungen einfließt, entsteht Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Veränderungen im Unternehmen tatsächlich angenommen werden.“
„Nachhaltigkeit funktioniert nur ganzheitlich“, sagt Hughes. Der größte Fehler sei, Klimaziele ausschließlich als Aufgabe von Nachhaltigkeits-, Energie- oder Facility-Teams zu betrachten. Denn: Die relevanten Hebel liegen Hughes zufolge oft in Einkauf, Produktion, Logistik, Produktentwicklung, Vertrieb und IT.
Entscheidend seien klare Ziele, eine messbare Governance und die Verankerung in den jeweiligen Verantwortungsbereichen. „Nur dann wird aus einer Ambition ein Umsetzungsprogramm“, erklärt Hughes und ergänzt: „Nachhaltigkeitsziele müssen außerdem ambitioniert und gleichzeitig umsetzbar sein. Wer Fortschritte erzielen will, braucht messbare Zwischenziele, klare Verantwortlichkeiten und die Bereitschaft, regelmäßig nachzusteuern.“
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Es muss „das große Ganze“ betrachtet werden: Es sollen nicht nur einzelne Anlagen optimiert werden, sondern Energieflüsse digital sichtbar gemacht und Prozesse elektrifiziert werden. Der Grund: Man kann einen Energieverbrauch nicht optimieren, wenn man ihn nicht versteht, so Hughes. „Viele Unternehmen konzentrieren sich zunächst auf einzelne Anlagen“, berichtet er. Das sei sinnvoll, greife aber häufig zu kurz. „Die größten Effizienzpotenziale entstehen oft an den Schnittstellen zwischen Prozessen, Gebäuden, Energieversorgung und Produktion.“ Und erst wenn Energieflüsse transparent werden, lassen sich Prozesse intelligent steuern, Lasten verschieben oder Energieeinsätze optimieren.
Hughe erklärt: „Ich vergleiche das gerne mit einem Navigationssystem: Wer nur auf die nächste Kreuzung schaut, findet selten die beste Route. Entscheidend ist der Blick auf das gesamte System.“
Schneider Electric misst Fortschritte viertljährlich
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Fortschritte müssen anhand klar definierter Kennzahlen dokumentiert werden: „Was nicht gemessen wird, kann nicht verbessert werden“, so Hughes. Wichtig sei, wenige, aber aussagekräftige Parameter zu definieren und diese konsequent zu verfolgen. Typische Beispiele sind dabei Hughes zufolge Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Elektrifizierungsgrad, Anteil erneuerbarer Energien oder Materialeffizienz.
Schneider Electric misst seine Fortschritte vierteljährlich anhand klar definierter Kennzahlen und will so auf allen Ebenen für Transparenz und Verbindlichkeit sorgen.Ein Beispiel: Das Unternehmen hat seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber 2017 um 82,5 Prozent reduziert. „Es gibt keine einzelne Maßnahme, die einen solchen Fortschritt ermöglicht“, so Hughes. Entscheidend sei das Zusammenspiel mehrerer Hebel: konsequente Energieeffizienzmaßnahmen an den Standorten, die stärkere Elektrifizierung von Prozessen, der Einsatz erneuerbarer Energien, digitales Energiemanagement und die kontinuierliche Optimierung auf Basis transparenter Daten.
Die Reduktion zeige, dass Dekarbonisierung kein Zukunftsversprechen sein muss. Sie sei heute mit den richtigen Technologien und einer klaren Strategie umsetzbar.
Energie‑ und emissionsintensive Bereiche müssen identifiziert und ein konkreter Dekarbonisierungspfad erarbeitet werden: Eine große Rolle spielen dabei digitale Tools, KI sowie digitale Zwillinge. „Die Herausforderung besteht häufig nicht darin, dass Unternehmen keine Maßnahmen kennen. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit zu priorisieren“, meint Hughes.
Digitale Lösungen sollen deshalb Transparenz über Energie- und Materialflüsse schaffen. „Technologie ersetzt dabei nicht die Strategie. Aber sie macht Dekarbonisierung planbar und wirtschaftlich umsetzbar“, so der CEO DACH.
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Er erklärt, für viele Unternehmen sei genau das der entscheidende Punkt: Nachhaltigkeit dürfe kein Blindflug sein. „Daten und digitale Werkzeuge helfen dabei, faktenbasierte Entscheidungen zu treffen und Investitionen dort zu priorisieren, wo sie den größten Effekt erzielen.“
Klimaverantwortung endet nicht beim eigenen Unternehmen, es muss auch die Wertschöpfungskette angeschaut werden:
„Gerade bei vielen Industrieunternehmen liegt ein Großteil der Emissionen heute außerhalb der eigenen Werkstore“, sagt Hughes. Deshalb ende Klimaverantwortung nicht beim eigenen Unternehmen. „Wer ernsthaft dekarbonisieren möchte, muss Lieferanten, Partner und Kunden einbeziehen. Unsere Herangehensweise ist: Zusammenarbeit statt Vorgaben.“
Dekarbonisierung funktioniere nicht durch Excel-Listen, sondern durch Partnerschaften. „Gemeinsam Ziele definieren, Transparenz schaffen und konkrete Unterstützungsangebote machen, ist meist deutlich wirksamer als reine Berichtspflichten“, berichtet Hughes.
Schneider Electric arbeitet deshalb im Rahmen seiner „Zero Carbon Pathway Initiative“ mit mehr als 1.100 strategischen Lieferanten zusammen. Der Kern der Initiative ist dabei die Dekarbonisierung der Lieferkette. „Dabei geht es nicht nur darum, Emissionen sichtbar zu machen, sondern gemeinsam mit strategischen Lieferanten konkrete Reduktionsmaßnahmen umzusetzen“, erklärt Hughes. Der Ansatz beruhe auf der Überzeugung, dass die größten Nachhaltigkeitsfortschritte dort entstehen, wo Unternehmen ihr Wissen und ihre Erfahrungen entlang der Wertschöpfungskette teilen.
Weiterbildung auch beim Thema Nachhaltigkeit
Die Mitarbeitenden müssen für Nachhaltigkeitsthemen gewonnen werden: „Wissen ist wichtig, reicht aber nicht aus“, sagt der CEO DACH. Die Grundlage dafür schaffen Trainings und Weiterbildungsprogramme. Dabei sei aber entscheidend, dass Mitarbeitende erkennen, welchen Beitrag sie selbst leisten können. „Menschen engagieren sich besonders dann, wenn sie Einfluss nehmen können und ihre Ideen sichtbar Wirkung entfalten“, ist Hughes überzeugt.
Nachhaltigkeit werde dann Teil der Unternehmenskultur, wenn sie nicht als zusätzliche Aufgabe wahrgenommen werde, sondern als Bestandteil des täglichen Handelns.
Es zeigt sich also: Anhand vieler verschiedener Maßnahmen hat es Schneider Electric geschafft, Nachhaltigkeit in der Unternehmens-DNA zu verankern. Hughes sieht in den kommenden Jahren jedoch einige Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen. Die größte ist dabei seiner Ansicht nach die Geschwindigkeit. „In den vergangenen Jahren habe ich in unterschiedlichen Märkten erlebt, dass Unternehmen selten an fehlender Technologie scheitern. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die richtigen Prioritäten zu setzen und konsequent umzusetzen“, erklärt er.
Die gute Nachricht sei: Die Technologien existieren bereits heute. Unternehmen, die früh handeln, verbessern Hughes zufolge nicht nur ihre Klimabilanz. „Sie stärken auch ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Veränderungen.“
Was Sie zum Thema Nachhaltigkeit bei Schneider Electric wissen müssen
Wie ist Nachhaltigkeit bei Schneider Electric verankert? Nachhaltigkeit ist Bestandteil der Geschäftsstrategie. Die Roadmap „Impact 2030“ basiert auf vier strategischen Säulen und wird mit definierten Kennzahlen begleitet.
Wie misst Schneider Electric Nachhaltigkeit? Das Unternehmen überprüft seine Fortschritte vierteljährlich anhand klar definierter Kennzahlen. Dazu zählen unter anderem Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Elektrifizierungsgrad, erneuerbare Energien und Materialeffizienz.
Welche Rolle spielt Digitalisierung für Nachhaltigkeit bei Schneider Electric? Digitale Tools, KI und digitale Zwillinge sollen Energie- und Materialflüsse transparent machen und dabei helfen, Maßnahmen und Investitionen zu priorisieren.
Wie bezieht Schneider Electric die Lieferkette in die Nachhaltigkeit ein? Im Rahmen der „Zero Carbon Pathway Initiative“ arbeitet das Unternehmen mit mehr als 1.100 strategischen Lieferanten an konkreten Maßnahmen zur Dekarbonisierung.
Welche Rolle spielen Mitarbeitende für Nachhaltigkeit bei Schneider Electric? Trainings und Weiterbildungsprogramme vermitteln Wissen. Gleichzeitig sollen Mitarbeitende eigene Beiträge leisten können, damit Nachhaltigkeit Bestandteil des täglichen Handelns wird.