Praxis

Vollautomatisiert vom Schnitt bis zur Sortierung

Schmobi treibt die Automatisierung seines Stahlcenters in Wil voran. Eine Hochleistungs-Kreissäge von Kasto arbeitet dort mit einem Roboterhandlingsystem zusammen – bis hin zu Geisterschichten.

Alles aus einer Hand: Kasto entwickelt und fertigt Säge, Robotik und Greifertechnik selbst. Das vermeidet komplexe Schnittstellen und ermöglicht perfekt abgestimmte Lösungen.

Der Schweizer Stahldienstleister Schmobi begegnet dem Spagat zwischen Geschwindigkeit und Variantenvielfalt mit konsequenter Automatisierung. Am Standort Wil im Kanton St. Gallen übernimmt das Roboterhandlingsystem Kastosort rund um den Hochleistungs-Kreissägeautomat Kastogripspeed C 10 zentrale Prozessschritte. Die Anlage steigert den Durchsatz, entlastet Mitarbeitende und zeigt, wie sich Effizienz und Flexibilität verbinden lassen.

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In der Industrie Bronschhofen in Wil West reiht sich Halle an Halle. Hier sitzt die Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG, kurz Schmobi. Das Unternehmen versorgt die Schweizer Fertigungsindustrie seit 1959 mit Blankstahl, rostbeständigem Edelstahl, Edelbaustahl sowie weiteren Warengruppen. Rund 100 Mitarbeitende bewegen täglich große Mengen Stabstahl. Über drei Millionen Zuschnitte im Sägebereich von 5 bis 530 Millimetern entstehen jedes Jahr im Stahlcenter.

Das Roboterhandlingsystem Kastosort kommissioniert Werkstücke am Hochleistungs-Kreissägeautomat Kastogripspeed C 10.

Wer das Werk betritt, spürt den Herzschlag des Unternehmens direkt im Takt der Maschinen. Stangenmaterial kommt aus dem Lager, wird gesägt, gereinigt, markiert und verpackt. Viele Aufträge bestehen aus Fixzuschnitten. Die Losgrößen variieren stark: Mal geht es um Einzelteile, mal um Serien. Schmobi setzt dafür seit mehr als 20 Jahren auf Lösungen von Kasto. Den Anfang machte der vollhydraulische Hochleistungs-Bandsägeautomat Kastotec AC 4, der einen Ablagetisch, aber keine automatische Absortierung besitzt und noch immer zuverlässig alle Orders abarbeitet.

Intelligente Robotik im Praxiseinsatz

Später folgte eine Kastotec FC 4, diesmal in Kombination mit dem Roboterhandlingsystem Kastosort, das die Sägeabschnitte reinigt und kommissioniert. „Das ist Plug-and-Produce in Reinform“, sagt Philipp Harter, Technical Sales Manager bei Kasto. „Der Roboter basiert auf einer dezentral selbstorganisierten Programmlogik. Dadurch ist weder ein Teach-in, noch jegliche Art der Programmierung durch den Anwender erforderlich. Die gesamte Roboterautomatisierung erfolgt ohne Bedienereingriff. Der intelligente Workflow ersetzt langwierige Rüstvorgänge.“

Ein entscheidendes Kaufargument war für Schmobi das Alles-aus-einer-Hand-Prinzip: Da Säge, Robotik und Greifertechnik aus einer Entwicklung stammen, werden komplexe Schnittstellen vermieden und die Zuständigkeiten im Servicefall sind eindeutig. Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter und Verwaltungsratspräsident der Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG, macht klar: „Wir investieren nachhaltig in die Automatisierung unseres Maschinenparks. Tätigkeiten, die nicht wertschöpfend sind und unsere Belegschaft körperlich belasten, wollen wir reduzieren. Dank moderner Sägeautomaten mit Roboterintegration bieten wir unseren Fachkräften attraktive und ergonomische Arbeitsplätze.“

Gute Ergebnisse, bewährter Service und bekannte Ansprechpartner machten Kasto zur logischen Wahl für das Folgeprojekt. Deshalb ging 2025 die zweite automatisierte Anlage in Betrieb: eine Kastogripspeed C 10, ebenfalls wieder mit dem Roboterhandlingsystem Kastosort. In Kombination mit dem geringen Platzbedarf war das Gesamtpaket stimmig. Armin Thalmann, Leiter Betrieb bei Schmobi, betont: „Nach den ersten Erfolgen war Kontinuität beim Partner für uns der richtige Weg.“

Mehr Wertschöpfung, weniger Handarbeit

Während der Roboter repetitive Arbeiten übernimmt, können sich die Bediener auf das Monitoring und die Steuerung der automatisierten Anlage konzentrieren.

Viele Nebenaktivitäten im Stahlhandel sind zwar notwendig, steigern aber nicht unmittelbar den Produktwert. Abschnitte manuell zu entnehmen, von Spänen zu säubern sowie zu kennzeichnen und zu stapeln, bindet wertvolle Zeit und bedeutet für die Belegschaft eine erhebliche körperliche Belastung. Genau hier setzt die Automatisierung mit dem Roboterhandlingsystem Kastosort an.

Der Industrieroboter übernimmt die repetitiven Aufgaben und ermittelt pro Auftrag autonom das ideale Stapelbild, um die maximale Packdichte im Behälter auszureizen. Diese Effizienz sowie die nötige Prozessstabilität werden durch speziell entwickelte Greifer und darauf abgestimmte Greifkonzepte sichergestellt. „Das war eine Besonderheit des Projekts“, blickt Marcel Bösiger, Regional Sales Manager Schweiz, zurück. „Schmobi kommissioniert sehr viele unterschiedliche Sägeabschnitte und wollte eine Lösung, die möglichst jedes Teil sicher handhaben kann.“ Deshalb entwickelte Kasto für diese Anlage insgesamt 24 Greifer, die überwiegend mit Vakuum arbeiten.

Das Projekt stellte die Beteiligten vor eine weitere Herausforderung: Der verfügbare Platz war knapp und ungünstig geschnitten. Die neue Anlage sollte zwischen bestehende Maschinen und eine Auslagerstation passen. „Die ursprüngliche Planung der Aufstellfläche mussten wir kurzfristig revidieren, weil ein Leitungsschacht ein komplettes Re-Design des Layouts erforderte“, erinnert sich Philipp Harter. Trotz der daraus resultierenden Verzögerung nutzte Kasto die Phase konstruktiv: Die zusätzliche Zeit floss unmittelbar in die weitere Optimierung der Greifertechnik. Armin Thalmann ergänzt: „Die Lösungsfindung war eine große Aufgabe für uns alle. Am Ende haben wir jetzt aber ein System, das unsere Anforderungen perfekt erfüllt.“

Technik im Detail

Die Kastogripspeed C 10 ist eine Hochleistungs-Kreissäge für mittlere Durchmesser von 15 bis 102 Millimetern. Sie arbeitet mit hoher Schnittgeschwindigkeit und präziser Vorschubsteuerung. Das sorgt für kurze Taktzeiten und gleichbleibende Schnittqualität. Ein zentrales Element ist die Steuerung. Diese verwaltet Schnittdaten, speichert Parameter und ermöglicht eine schnelle Anpassung an unterschiedliche Aufträge, die der Bediener direkt an der Maschine eingibt.

Das Material gelangt über ein Universalkettenmagazin mit sechs Vorlagefächern in die Säge. Dessen Beladung erfolgt manuell mit Hebehilfen. Damit bleibt Schmobi flexibel, auch bei wechselndem Langgut. Nach dem Schnitt übernimmt der Roboter: Kastosort entnimmt die Abschnitte und bestückt bereitgestellte Ladungsträger auf Basis optimal berechneter Stapelmuster. Das erleichtert Weiterverarbeitung und Versand.

„Durch die Lösung von Kasto haben wir zukunftsfähige, ergonomische Arbeitsplätze geschaffen, die für die Belegschaft echte Mehrwerte bieten,“ sagt Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter und Verwaltungsratspräsident der Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen.

Ein zentraler Vorteil des Systems zeigt sich im Betrieb. Die Kombination aus Säge und Roboter ermöglicht lange Fertigungszeiten. Zudem arbeitet die Anlage auch in sogenannten Geisterschichten, also ohne permanente Bedienung. Wie lange das System autonom läuft, hängt vom Auftrag ab. Bei kleinen Abschnittslängen und gleichbleibendem Langgut kann die Maschine viele Teile aus einer Stange fertigen. Der Bediener greift nur ein, wenn Behälter gewechselt werden müssen oder neues Material erforderlich ist.

Die plattformunabhängige Kastoapp überwacht die Sägemaschine lückenlos in Echtzeit und liefert von jedem Endgerät sofortigen Zugriff auf Leistungsdaten sowie Betriebszustände. Durch diese standortunabhängige Transparenz lassen sich Fehlerbilder frühzeitig erkennen und Stillstandszeiten durch gezielte, schnelle Reaktionen signifikant reduzieren. „So muss niemand mehr ständig an der Anlage stehen“, sagt Armin Thalmann. „Der Bediener sieht auf einen Blick, ob alles läuft oder ob es hakt.“ Und wenn etwas aus dem Tritt gerät, lässt sich die Produktion ohne größere Verzögerungen schnell stabilisieren.

Partnerschaft mit Perspektive

Höherer Durchsatz bei maximaler Zuverlässigkeit – der Einsatz des Roboters hat die Abläufe bei Schmobi spürbar stabilisiert. Parallel dazu hat sich das Berufsbild in der Halle gewandelt: Anstatt körperlich belastende Tätigkeiten auszuführen, konzentrieren sich die Bediener heute auf das Monitoring und die Steuerung der automatisierten Anlage. Geschäftsführer Peter Breitenmoser: „Durch die Lösung von Kasto haben wir zukunftsfähige, ergonomische Arbeitsplätze geschaffen, die für die Belegschaft echte Mehrwerte bieten.“

Das Projekt in Wil zeigt, wie sich Automatisierung im Stahlhandel umsetzen lässt. Entscheidend ist nicht nur die Maschine, sondern das Zusammenspiel aus Säge, Handling und Prozesswissen. Kasto liefert dafür die Bausteine. Schmobi nutzt sie, um den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln. Darauf aufbauend richtet sich Schmobi kontinuierlich an den sich wandelnden Marktanforderungen aus und optimiert gemeinsam mit bewährten Partnern die Wertschöpfungskette.

Was Sie zum Thema Automatisierung bei Schmobi wissen müssen

  • Welche Automatisierung setzt Schmobi ein? – Schmobi kombiniert die Hochleistungs-Kreissäge Kastogripspeed C 10 mit dem Roboterhandlingsystem Kastosort von Kasto.

  • Welche Aufgaben übernimmt die Automatisierung? – Kastosort entnimmt Sägeabschnitte und kommissioniert sie anhand automatisch berechneter Stapelmuster in bereitgestellten Ladungsträgern.

  • Welche Greifer nutzt die Automatisierung? – Für die Anlage entwickelte Kasto insgesamt 24 Greifer, die überwiegend mit Vakuum arbeiten.

  • Ermöglicht die Automatisierung Geisterschichten? – Ja. Die Anlage kann abhängig vom Auftrag über längere Zeit ohne permanente Bedienung produzieren.

  • Wie wird die Automatisierung überwacht? – Die Kastoapp liefert in Echtzeit Leistungsdaten und Betriebszustände der Sägemaschine und ermöglicht damit eine standortunabhängige Überwachung.