IT als Treiber der Digitalisierung bei Mahle - Bild: Mahle

IT als Treiber der Digitalisierung bei Mahle. - Bild: Mahle

So war es früher: Die IT-Abteilung war der Dienstleister der Fachabteilungen im Haus. Wurde Hard- oder Software benötigt oder funktionierte ein Zugang nicht, musste dies der IT-Support übernehmen. Das hat sich inzwischen gründlich gewandelt.

IT – vom Dienstleister zur federführenden Rolle

Heute ist die IT einer der entscheidenden Bereiche, um neue Geschäftsmodelle und Produkte voranzutreiben, denn die Digitalisierung wird mit komplexen Vernetzungen, der Nutzung gewaltiger Datenmengen durch KI-gestützte Systemen zum Trigger für das Business. „Die IT wird damit vom Dienstleister zum Verursacher massiver Veränderungen im Unternehmen“, weiß Holger Schmitt von der Anxo Management Consulting.

Doch gerade Unternehmen aus weniger IT-affinen Branchen stehen bei der digitalen Transformation vor einer riesigen Herausforderung: “Nehmen Sie als Beispiel den Bereich Maschinenbau”, sagt Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect bei Capgemini und zuständig für Application Services. “Deren Kerngeschäft hatte bislang mit IT nicht allzu viel zu tun; bei den Produkten ging es primär um Engineering. Es kam mehr auf die Ingenieurleistung an und weniger auf IT. Nun kommt zur Ingenieurleistung jedoch die IT-Leistung hinzu.”

“IT-Know-how entwickelt sich damit langfristig zu einer Metakompetenz”, ergänzt Dr. Thomas Endres, Vorsitzender des CIO-Verbands VOICE. “Es gibt Kompetenzen im Kerngeschäft, auf die man bauen sollte. Wenn diese mit digitaler Kompetenz kombiniert werden, entstehen komplett neue Kompetenzen.”

Enormes Effizienzpotenzial

Gleichzeitig ändert sich aber auch die Art, wie Wertschöpfung entsteht: Es geht weg von der sequenziellen Wertschöpfungskette hin zu flexiblen Wertschöpfungsnetzwerken, in denen die Wertschöpfungsketten von Kunden und Partnern verbunden sind. „Das wird das Kooperationsmodell der Zukunft sein, denn es führt zu besseren Prozessen, die die Gesamteffizienz steigern und die Kosten reduzieren“, so Frank Gaßner,  Vice President Sales Automotive & MI bei T-Systems.

DHL und Cisco rechnen damit, dass auf diese Weise in den kommenden zehn Jahren Umsatzsteigerungen und Kosteneinsparungen zu einem weltweiten Wirtschaftswachstum von insgesamt acht Billionen US-Dollar beitragen. Alleine für die Bereiche Logistik- und Supply-Chain würde sich der wirtschaftliche Zuwachs durch digitalisierte Prozesse auf 1,9 Billionen US-Dollar summieren. Eine Studie von Accenture rechnet bis 2030 sogar mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um satte 700 Milliarden US-Dollar – alleine in Deutschland!

Unternehmen beziehen daher immer häufiger Partner mit ein, die mit eigenen Software-Komponenten die Produkte komplettieren oder erweitern, um neue Geschäftsmodelle auf die Beine zu stellen. Doch das ist keine Standardangelegenheit, sondern muss jeweils konkret auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein, denn „die Digitalisierung betrifft häufig ganze Prozessketten, die je nach Unternehmensbereich und Branche sehr unterschiedlich aussehen können“, weiß Gaßner als Experte für die Bereiche Vertrieb und Lieferkettenmanagement.

Digitalisierung nicht um der Digitalisierung Willen

Genau diese Veränderungen treibt auch die IT-Abteilung des Stuttgarter Automobilzulieferers Mahle an. „Unsere IT schafft die Grundlagen zur Produktverbesserung, denn die wandeln sich von reiner Hardware in Produkte, die künftig auch Software enthalten“, erklärt Markus Bentele, IT-Leiter bei Mahle.

Aber nicht nur das: Die leistungsfähige IT ermöglicht es, sowohl in Geschäfts- und R&D-Prozessen, als auch in der Produktion, die Qualität und Effizienz zu steigern sowie die Kosten zu senken. „Daher stellt sich bei Mahle nicht die Frage, ob digitalisiert wird, sondern wie“, so Bentele. Und das hat bei den Stuttgartern eine klare Leitlinie: Digitalisiert wird dort, wo es für das Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll ist.

Kein Patentrezept für die Digitalisierung

„Grundsätzlich gibt es für die Digitalisierung kein Patentrezept, da Konzerne in der Regel unterschiedliche Strukturen und auch kulturelle Unterschiede haben“, weiß Bentele. Was jedoch übertragbar ist, sind die Hausaufgaben, die ein Unternehmen gemacht haben sollte, bevor es erste Projekte angeht:

  1. Ziele festlegen: Was möchte ich wie erreichen?
  2. Bestehendes analysieren: Worauf kann man aufbauen?
  3. Kosten und Qualität: Wie lang ist die Amortisationszeit und welche Qualitätsverbesserungen sind damit verbunden?
  4. Organisationsstrukturen festlegen: Wer hat welche Funktion?

Dann gilt es, die ersten Pilotprojekte zu starten und wenn die Richtung nicht mehr stimmt, nachzubessern. Der Mahle-IT-Chef rät auch: „Man sollte den Mut haben, Projekte, die sich als nicht erfolgversprechend herausstellen, schnell zu beenden, um die Kosten im Rahmen zu halten.“

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Erste Pilotprojekte

Einen solchen Piloten entwickelte Mahle mit seinem IT-Dienstleister T-Systems. „Für uns war klar, dass wir als globales Unternehmen einen ebenfalls weltweit agierenden Partner benötigen, der sich in internationalen Strukturen auskennt und die entsprechenden Ressourcen hat – das kann nicht jeder“, beschreibt Bentele den Auswahlprozess.

Nach einem erfolgreich durchgeführten gemeinsamen Design-Thinking-Workshop zu neuen Geschäftsmodellen, wurde als erste kurzfristige Lösung eine App von T-Systems entwickelt und implementiert: die Steuerung der Klimatisierung. „Daraus kann sich ein Produkt entwickeln“, so Bentele. Aktuell sind einige weitere Lösungen in der Diskussion, speziell zu Logistik, Qualität, Material und Prozessabläufen in den Werken.

Einen weiteren Piloten entwickelte Mahle zusammen mit einem anderen Partner: eine optische Qualitätssicherung für Kolben mittels Kameras: die Maschine justiert sich bei einer Fehlererkennung autonom nach und korrigiert somit die Fehler entsprechend. Dies ist ein echtes I4.0-Thema, bei dem die Vorteile klar auf der Hand liegen.

Noch am Anfang

Vieles ist im Gange beim Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle, und obwohl zwischenzeitlich einige Digitalisierungsprojekte angestoßen wurden, sieht sich das Unternehmen wie viele andere noch am Anfang des Prozesses. „Wir haben jedoch das immense Potenzial erkannt und gehen unseren Weg nun mit Nachdruck weiter“, resümiert Markus Bentele.

  • Im Jahr 2018 war die Blockchain-Technologie für sechs Prozent der vom Bitkom befragten Unternehmen die wichtigste Technik (2017: Zwei Prozent). Das macht Platz 8.

    Im Jahr 2018 war die Blockchain-Technologie für sechs Prozent der vom Bitkom befragten Unternehmen die wichtigste Technik (2017: Zwei Prozent). Das macht Platz 8. - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Elf Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass bei Ihnen 2018 das Thema Künstliche Intelligenz , also KI, am höchsten im Kurs steht - das macht Platz 7. 2017 waren es noch neun Prozent. - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

    Elf Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass bei Ihnen 2018 das Thema Künstliche Intelligenz , also KI, am höchsten im Kurs steht - das macht Platz 7. 2017 waren es noch neun Prozent. - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Auf Platz 6 der wichtigsten Technologien landen - oder besser fliegen - Drohnen. 2018 waren sie für 20 Prozent der befragten Unternehmen die wichtigste Technologie (2017: 15 Prozent).

    Auf Platz 6 der wichtigsten Technologien landen - oder besser fliegen - Drohnen. 2018 waren sie für 20 Prozent der befragten Unternehmen die wichtigste Technologie (2017: 15 Prozent). - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Auf Platz 5 landen Virtual und Augmented Reality: 25 Prozent der vom Bitkom befragten Unternehmen haben das Thema im Jahr 2018 ganz oben auf ihrer Liste (2017: 22 Prozent).

    Auf Platz 5 landen Virtual und Augmented Reality: 25 Prozent der vom Bitkom befragten Unternehmen haben das Thema im Jahr 2018 ganz oben auf ihrer Liste (2017: 22 Prozent). - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Für 36 Prozent der befragten Unternehmen ist die Robotik 2018 klar die wichtigste Technik (2017: 30 Prozent). Das macht Platz 4

    Für 36 Prozent der befragten Unternehmen ist die Robotik 2018 klar die wichtigste Technik (2017: 30 Prozent). Das macht Platz 4. - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Auf Platz 3 landet der 3D-Druck. Für 38 Prozent der Unternehmen, die der Bitkom befragt hat, ist er 2018 die wichtigste Technik (2017: 33 Prozent).

    Auf Platz 3 landet der 3D-Druck. Für 38 Prozent der Unternehmen, die der Bitkom befragt hat, ist er 2018 die wichtigste Technik (2017: 33 Prozent). - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Im Jahr 2018 steht das Thema Internet of Things (Internet der Dinge, IoT) bei 39 Prozent der Unternehmen ganz oben auf der Liste der wichtigsten Technologiethemen (2017: 37 Prozent). Das macht Platz 2.

    Im Jahr 2018 steht das Thema Internet of Things (Internet der Dinge, IoT) bei 39 Prozent der Unternehmen ganz oben auf der Liste der wichtigsten Technologiethemen (2017: 37 Prozent). Das macht Platz 2. - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay

  • Ganz klar auf Platz 1: Big Data. Für 57 Prozent der befragten Unternehmen ist das ohne Frage das wichtigste Technologiethema des Jahres 2018 (2017: 51 Prozent).

    Ganz klar auf Platz 1: Big Data. Für 57 Prozent der befragten Unternehmen ist das ohne Frage das wichtigste Technologiethema des Jahres 2018 (2017: 51 Prozent). - Quelle: Bitkom, Bild: Pixabay