Autonome Transportroboter der Firma Knapp. - Bild: Knapp
Bei den Open Shuttles von Knapp handelt es sich um autonome Transportroboter, die eigenständig agieren und Aufgaben in Distributionszentren oder auch Produktionsstätten übernehmen. - Bild: Knapp

Die zunehmende Wichtigkeit der IT sieht auch Thomas Wiesmann von der Beumer Group: „Mit dieser fortschreitenden Entwicklung der Warenströme im Zuge des E-Commerce und der damit verbundenen Retourenthematik steigt auch die Anforderung an den Grad der Vernetzung, der Automatisierung und der Systemintegration.“ Das heiße, dass sämtliche Warenflüsse künftig intelligent gesteuert werden müssten. Um diese zunehmende Komplexität in der Logistik zu beherrschen, sei immer mehr IT erforderlich.

Wiesemann weiter: „Diese reicht in der Intralogistik mittlerweile weit über Lager und Distributionszentren hinaus. Sie integriert beispielsweise die Fertigung oder die Versorgung von Montage-Arbeitsplätzen, aber auch die Verbraucher. Damit steigert die IT die Wertschöpfung und Profitabilität aller Beteiligten entlang der gesamten Lieferkette.“ Das wirke sich auch auf den Maschinen- und Anlagenbau aus. Bei der Entwicklung neuer Lösungen könne der Anteil der Software schon bis zu 50 Prozent betragen. „Je leistungsfähiger diese ist, desto effizienter ist die Anlage“, verdeutlicht Wiesmann.

Doch reicht Automatisieren künftig noch aus, oder sind demnächst sogar autonome Systeme notwendig? Dazu meint Brauneis: „Automatisierte Systeme lassen sich immer weniger gut einsetzen, je geringer die Stückzahl wird. Hochautomatisierte Systeme sind in der Massenproduktion gut einsetzbar, wird das Produkt nun aber individuell an den Kunden angepasst, wie es beim Customizing der Fall ist, wird der Einsatz von autonomen Systemen beziehungsweise Robotern notwendig.“

Autonome System oder Roboter?

Zu diesem Thema erklärt Max Winkler von SSI Schäfer: „Der 'Kollege Roboter' wird, neben der Depalettierung gerade beim Zusammenstellen von Mischpaletten gebraucht, da das Waschpulver ganz unten stehen soll und die Eier oben liegen müssen.“ Andererseits: Heute veränderten sich die Kundenwünsche, Produkte und Technologien immer schneller. Somit werde es der Robotik noch schwerer gemacht, Fuß zu fassen. Winkler klärt auf: „Die Roboter waren in der Produktion so erfolgreich, weil man dort grundsätzlich immer wiederkehrende Prozessschritte hat, mit den gleichen Bauteilen oder nur in sehr, sehr geringen Varianten. Doch je größer die Variante der Aufgabe ist, desto schwieriger tut sich ein Roboter.“ Somit gebe es einerseits einen Trend, der die Aufgabe schwieriger mache, andererseits gebe es Entwicklungen, die den Einsatz der Robotik erleichterten. „Die Technologie wird immer besser und auch immer günstiger“, so Winkler.

Eine ähnliche Sicht der Dinge vertritt Wiesmann: „Infolge von E-Commerce und Atomisierung nimmt unter anderem die Bedeutung kartonverpackter Ware immer weiter zu und damit auch die Bedeutung kleiner Ladungsträger. Deshalb setzen immer mehr Logistikunternehmen und Lagerbetreiber zum Beispiel auf autonom agierende innerbetriebliche Transportsysteme, die ihre Route eigenständig organisieren, oder auf Lager, die Leerstände in Echtzeit erkennen und füllen.“

Vollautomation mit Robotik

Differenzierter sieht das Volker Welsch von PSB Intralogistics: „Autonome Systeme oder Roboter sind lediglich ein Teil der Automatisierungskette. Gerade bei 'one-piece-flow'-Anforderungen, bei denen jeweils nur wenige Teile der gleichen Bauart gegriffen werden, zeigt sich die Überlegenheit der menschlichen Haptik gegenüber dem Robotergreifer.“

Wohin geht derzeit die Entwicklung innerhalb der Intralogistik? Georg Kirchmayr von der TGW Logistics Group meint dazu, dass „die rasante Entwicklung im Bereich E-Commerce völlig neue Logistiklösungen erfordert, nämlich hochflexible, leistungsskalierbare Systeme. Die Anforderungen der Omni-Channel-Distribution oder der sogenannten 'Cyber Weeks' sind hoch – deshalb ist der ganz klare Trend Vollautomation mit Robotik.“ Zudem spiele Industrie 4.0 eine wichtige Rolle. In der Entwicklung fokussiere sich das Unternehmen  dabei vor allem auf die Bereiche der Inbetriebnahme, des Anlagenbetriebes und des Service. Informationsbeschaffung, -aufbereitung und -visualisierung oder Multi-Channel-Ferndiagnose und -wartung seien nur der Anfang.