Bitkom-Studie zum Digital-Gipfel 2026

16 Monate ohne Digitalimporte: Deutschlands Wirtschaft kämpft mit technologischer Abhängigkeit

Ohne ausländische Digitalimporte wären deutsche Unternehmen nach durchschnittlich 16 Monaten handlungsunfähig. Eine Bitkom-Studie enthüllt hohe Abhängigkeiten von den USA und China – und zeigt, wie die Wirtschaft auf Diversifizierung setzt.

Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2026 halten deutsche Unternehmen ohne ausländische Digitalimporte im Schnitt nur 16 Monate durch. Insbesondere die Abhängigkeit von US- und chinesischen Technologien bei Cloud-Diensten, KI und Mikrochips bereitet der Wirtschaft zunehmend Sorge.
Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2026 halten deutsche Unternehmen ohne ausländische Digitalimporte im Schnitt nur 16 Monate durch. Insbesondere die Abhängigkeit von US- und chinesischen Technologien bei Cloud-Diensten, KI und Mikrochips bereitet der Wirtschaft zunehmend Sorge.

Key Takeaways

  • 16 Monate Durchhaltevermögen: Im Falle eines vollständigen Lieferstopps ausländischer Digitalimporte wären deutsche Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Durchschnitt nach 16 Monaten nicht mehr spielfähig (2025: 14 Monate).

  • Flächendeckende Importquote: 96 % der Unternehmen beziehen digitale Geräte oder Dienstleistungen aus dem Ausland; 94 % stufen Deutschland bei ausländischen Digitaltechnologien als abhängig ein.

  • Massiver Sorgenanstieg bei US-Technologien: Während 79 % der Firmen die Abhängigkeit von China Sorgen macht (2024: 69 %), stieg die Besorgnis bezüglich der USA innerhalb von zwei Jahren sprunghaft von 38 % auf 73 %.

  • Kerngeschäft direkt bedroht: Ein Ausfall digitaler Importe trifft bei 93 % der betroffenen Firmen die Produktion beziehungsweise Leistungserbringung und bei 91 % den Vertrieb.

  • Einstimmiger Appell an die Politik: Jeweils 97 % der Unternehmen fordern eine dringende Stärkung der digitalen Souveränität sowie höhere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien.

Durchhaltefähigkeit im Krisenfall: 16 Monate ohne Tech-Importe

Wo Deutschlands Wirtschaft Digitalimporte nutzt

Importierte Technologie / LeistungAnteil nutzender Firmen
Digitale Endgeräte (Smartphones, Notebooks)94%
Bauteile & Hardware (Chips, Halbleiter, Sensoren)79%
Cloud-Dienste73%
Software68%
Cybersicherheits-Anwendungen62%
Künstliche Intelligenz (KI)56%
IT-Dienstleistungen (Beratung, Programmierung aus dem Ausland)45%

Quelle: Bitkom

Ob Cloud-Dienste, Halbleiter, Software oder künstliche Intelligenz: Die deutsche Wirtschaft ist im digitalen Zeitalter tief in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. 96 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten importieren digitale Technologien und Dienstleistungen aus dem Ausland. Doch wie widerstandsfähig ist der Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn diese kritischen Zuflüsse politisch bedingt oder durch geopolitische Krisen plötzlich abreißen?

Eine repräsentative Befragung von 602 Unternehmen durch den Digitalverband Bitkom anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung liefert dazu eine konkrete Kennzahl: Im Durchschnitt könnten deutsche Firmen einen vollständigen Ausfall digitaler Importe 16 Monate lang verkraften. Obwohl sich dieser Wert gegenüber dem Vorjahr (14 Monate) leicht verbessert hat, bleibt die Grundsituation angespannt. 94 Prozent der Befragten schätzen Deutschland als stark (44 Prozent) oder eher abhängig (50 Prozent) von ausländischen Digitalangeboten ein. Zwei Drittel (66 Prozent) rechnen damit, dass diese Abhängigkeit in den kommenden fünf Jahren weiter zunehmen wird.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betont dabei die Notwendigkeit strategischen Handelns: „Internationale Arbeitsteilung ist eine Stärke unserer Wirtschaft, aber sie darf nicht dazu führen, dass wir im Krisenfall handlungsunfähig werden. Digitale Souveränität bedeutet Resilienz und ist deshalb eine Aufgabe für den gesamten Staat ebenso wie für jedes einzelne Unternehmen.“

Geopolitische Sorgen: Der Blick auf China und die USA

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst

Bei den Bezugsquellen dominieren drei große Wirtschaftsräume: 88 Prozent der importierenden Unternehmen nutzen digitale Angebote aus den USA (62 Prozent häufig), 83 Prozent greifen auf Anbieter aus der EU zurück (53 Prozent häufig) und 80 Prozent beziehen Produkte aus China (50 Prozent häufig).

Subjektiv bewertet ist die gefühlte Verwundbarkeit gegenüber China am höchsten: 88 Prozent der importierenden Firmen fühlen sich von China abhängig (61 Prozent sehr abhängig). Von den USA sehen sich 87 Prozent abhängig (47 Prozent stark), während gegenüber Taiwan 49 Prozent eine Abhängigkeit empfinden (23 Prozent stark).

Besonders auffällig ist der Wandel der Risikowahrnehmung gegenüber den beiden Supermächten. Die Sorge über die Abhängigkeit von China stieg von 69 Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 79 Prozent. Noch dramatischer veränderte sich der Blick auf die USA: Überzeugten 2024 erst 38 Prozent der Unternehmen Bedenken hinsichtlich der US-Abhängigkeit, sind es 2026 bereits 73 Prozent.

Gleichzeitig tritt die deutsche Wirtschaft auch als Exporteur digitaler Leistungen auf: 33 Prozent verkaufen entsprechende Produkte ins Ausland – vorrangig in die EU (86 Prozent), gefolgt von den USA (61 Prozent), Japan (54 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (54 Prozent).

Importquellen vs. gefühlte Abhängigkeit

  • USA: 88 % Importquote | 87 % gefühlte Abhängigkeit | 73 % Besorgnis (2024: 38 %)

  • China: 80 % Importquote | 88 % gefühlte Abhängigkeit | 79 % Besorgnis (2024: 69 %)

  • EU: 83 % Importquote | Gefestigtes Kernfundament

  • Taiwan: 49 % gefühlte Abhängigkeit (23 % stark, 26 % eher)

Lieferstopp trifft direkt das Kerngeschäft

Fallen digitale Importe aus, bleibt das nicht auf die IT-Abteilung beschränkt. Die Umfrage zeigt, dass ein Importstopp die operationalen Kernprozesse der Unternehmen unmittelbar lahmlegen würde:

  • 93 % erwarten negative Folgen für die Produktion beziehungsweise Leistungserbringung.

  • 91 % sehen Vertrieb und Verkauf bedroht.

  • 87 % fürchten Störungen in Logistik und Lieferketten.

  • Auch Einkauf (79 %), Kundenservice (78 %) sowie der reguläre IT-Betrieb (69 %) wären schwer betroffen.

Handlungsstrategien und Barrieren im Unternehmensalltag

Die Unternehmen verharren nicht in Passivität. Um Risiken abzufedern, greifen 44 Prozent verstärkt auf europäische und deutsche Anbieter zurück. 41 Prozent legen größere Lagerbestände kritischer Bauteile an, 40 Prozent bereiten System- und Lieferantenwechsel vor, und 32 Prozent bauen eigenes technisches Know-how auf. Multi-Sourcing nutzen 31 Prozent, während 13 Prozent auf offene Standards setzen. Lediglich 3 Prozent haben noch keinerlei Vorkehrungen getroffen.

Allerdings stoßen die Diversifizierungsbemühungen an wirtschaftliche und strukturelle Grenzen. Bei der Lieferantenauswahl dominieren weiterhin finanzielle Konditionen (97 Prozent) und technologisches Know-how (93 Prozent), gefolgt von IT-Sicherheitsstandards (89 Prozent). Vertrauen und langfristige Beziehungen spielen nur für 50 Prozent eine primäre Rolle. Zudem geben 73 Prozent der Firmen an, bezüglich der Politik in Partnerländern gezwungenermaßen Risiken einzugehen (2024: 53 %), und 59 Prozent fühlen sich machthabenden Regierungen im Ausland schutzlos ausgeliefert (2024: 39 %). Da 85 Prozent der Firmen die globalen Ketten für zu eng verflochten halten und 68 Prozent keine kurzfristigen Alternativen sehen, richten sie klare Forderungen an den Staat.

5 Bitkom-Prioritäten für digitale Souveränität

  • Wettbewerbsfähigkeit & Kapital: Bürokratie abbauen, innovationsfreundliche Regulierung etablieren und Venture Capital für Start-ups stärken.

  • Gezielte Investitionen: Fokus auf Halbleiter, KI, Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren legen.

  • Resilienz & Cybersicherheit: Sichere, interoperable Systeme und offene Standards fördern.

  • Diversification & Handelsschutz: Lieferketten breiter aufstellen und EU-Wirtschaftsschutzinstrumente konsequent einsetzen.

  • Digitale Kompetenzen: Bildung und digitale Fähigkeiten in allen Altersgruppen nachhaltig ausbauen.

Mit Material des Bitkom

FAQ – Häufig gestellte Fragen

  • Wie lange überleben deutsche Firmen ohne Digitalimporte? - Im Durchschnitt könnten deutsche Unternehmen ab 20 Beschäftigten bei einem vollständigen Stopp ausländischer Digitalimporte etwa 16 Monate weiterarbeiten. Das ergab eine repräsentative Bitkom-Befragung zur Digital-Gipfel-Saison 2026.

  • Von welchen Ländern ist die deutsche Wirtschaft digital am stärksten abhängig? - Die größte gefühlte Abhängigkeit besteht gegenüber China (88 % der Firmen) und den USA (87 %). Besonders stark gestiegen ist die Besorgnis über die US-Abhängigkeit: Sie wuchs innerhalb von zwei Jahren von 38 % auf 73 %.

  • Welche Unternehmensbereiche wären von einem Importausfall betroffen? - Ein Ausfall trifft vor allem das operative Kerngeschäft. 93 % der Firmen erwarten Auswirkungen auf die Produktion bzw. Leistungserbringung, 91 % auf den Vertrieb und 87 % auf Logistik und Lieferketten.

  • Welche Maßnahmen ergreifen Unternehmen gegen die digitale Abhängigkeit? - Die häufigsten Schritte sind der verstärkte Wechsel zu deutschen/europäischen Anbietern (44 %), das Anlegen von Bauteile-Vorräten (41 %) und die Vorbereitung von Anbieter- bzw. Systemwechseln (40 %).

  • Was fordert der Verband Bitkom von der Politik? - Bitkom fordert unter anderem gezielte Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, KI und Cloud, Bürokratieabbau, die Stärkung von Venture Capital sowie den konsequenten Einsatz europäischer Handelsschutzinstrumente.