Sowohl bei Airbus als auch bei Boeing ist die Zahl der Flugzeugbestellungen im laufenden Jahr stark gesunken. Die Statista-Grafik zeigt die Netto-Bestellungen inklusive Stornierungen. Während bei Airbus immerhin noch 127 Aufträge eingingen, verzeichnet Boeing ein Minus von 84 Maschinen. Grund dafür sind vor allem die vielen Stornierungen beim Modell 737 (Minus 184 Bestellungen).

Geopolitische Krisen und auch die schwächelnde Weltwirtschaft lassen viele Fluggesellschaften vorsichtiger werden, meinen Experten. Das spiegelt sich auch in ihren Bestellungen wieder: Häufig wechseln sie doch noch zu anderen Modellen, verschieben die Auslieferungen oder stornieren gleich ganz. Für Airbus und Boeing besteht bisher aber noch kein Grund zur Sorge. In den Auftragsbüchern beider Flugzeugbauer befinden sich noch so viele offene Aufträge, dass die Produktion für die kommenden Jahre gesichert ist.

Überraschung: Airbus erhält Rekordauftrag

Das kam unerwartet: Nur einen Tag vor der Bekanntgabe seiner Neunmonatszahlen verkündet Airbus einen Rekordauftrag. Stolze 300 Flugzeuge der A320neo-Familie wurden bestellt - alle von der indischen Billigairline IndiGo. Geordert hat der Billiganbieter aber nicht nur die  Kurz- und Mittelstreckenversion, sondern auch noch die aufgewertete A321XLR, wie das Handelsblatt berichtet.

Das Timing dieser Mega-Bestellung ist perfekt für den Airbus-Chef Guillaume Faury. Diese Botschaft macht sich natürlich gut bei der Verkündung der Zahlen, denn eigentlich stockte der Bestelleingang seit Anfang des Jahres, wie obige Bildergalerie belegt.

Außerdem rückt Airbus dank der IndiGo-Bestellung wieder näher an den Vorjahreswert heran. Darüber hinaus ist ein zweiter Deal in greifbarer Nähe: Die US-Billigfluggesellschaft Spirit hat angekündigt, 100 A320-Maschinen bestellen zu wollen. Noch steht zwar nicht fest, wann genau der Auftrag abgeschlossen wird, aber die Chancen, dass Airbus die Bestellung noch bis zum Ende des Jahres verbuchen kann, stehen gut.

Inder schließen mega-Deal mit Airbus

Der Auftrag von IndiGo geht als bisher einer der größten Deals in die Geschichte von Airbus ein. Der Listenpreis für die über 100-fach georderte Standardversion A320neo liegt bei 110,6 Millionen US-Dollar. Damit dürfte die Bestellung der Billigairline rein rechnerisch auf einen Gesamtwert von fast 30 Milliarden Euro kommen. Da die Hersteller allerdings hohe Rabatte gewähren, muss IndiGo wohl deutlich weniger bezahlen.

Erwartet hatte mit diesem Milliarden-Deal vermutlich niemand, denn erst kürzlich hatte IndiGo seinen bislang größten Quartalsverlust bekannt gegeben. Analysten hatten deutlich weniger erwartet - in den IndiGo Büchern steht ein Minus von 150 Millionen US-Dollar. Die Erklärung des Vorstandschefs Ronojoy Dutta: Ausgerechnet Airbus habe bestellte Flugzeuge zu spät geliefert.

Airbus profitiert von Boeings Problemen

Der Mega-Deal zeigt, dass Airbus zum Teil von Boeings Problemen mit dessen Modell 737 Max profitieren kann. Bei der Modernisierung der 737 ging offensichtlich einiges schief - aufgrund massiver Fehler hat sich der Konkurrent des Airbus A320 selbst ins Aus geschossen. Gleich zwei Mal stürzte die Boeing 737 Max aufgrund einer fehlerhaften Softwaresteuerung ab. Seit März darf sie deswegen nicht mehr starten. Abheben darf sie wohl erst wieder im kommenden Frühjahr.

Boeing verbucht in den ersten drei Quartalen ein Minus von 84 Flugzeugen (Stornierungen). Aber auch beim eigentlichen Erfolgsmodell Dreamliner läuft es aktuell nicht. Neue Bestellungen bleiben aus, die Liste der zu fertigenden Langstreckenflieger schrumpft.

Das Management von Boeing kämpft gegen diese Entwicklung. Eigentlich kündigte das Unternehmen seit Jahren einen kleineren Langstreckenjet mit dem inoffiziellen Namen "Boeing 797" an. Dieser wird aber vermutlich nicht auf den Markt kommen. Stattdessen scheint sich der Flugzeugbauer auf die Entwicklung eines 737-Nachfolgers zu konzentrieren.  Laut "The Air Current" steht Boeing bereits in Kontakt mit Fluggesellschaften und Leasingunternehmen. Im Gespräch steht ein neues, kleineres Flugzeug (Future Small Airplane) - mit einer Anzahl von 180 bis 210 Sitzen.

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