Koffer mit Chinaflagge, davor ein gelbes Absperrband mit "Quarantine Zone"

Reisebeschränkungen sind für viele deutsche Firmen in China derzeit in Problem - Bild: ink drop - stock.adobe.com

Nicht nur Urlauber sehnen ein Ende der Reisebeschränkungen herbei: Für die Wirtschaft werden die Einschränkungen zum immer größeren Problem. Bestes Beispiel: China. Nach wie vor gibt es eine Einreisesperre für ausländische Staatsangehörige, neue Visa werden nur sehr eingeschränkt erteilt. Wer nach China einreist, muss mindestens 14 Tage in Quarantäne.

74 Prozent der deutschen Unternehmen in China sehen deshalb die Reisebeschränkungen als derzeit größte Corona-Herausforderung. Das geht aus der jährlichen Geschäftsklima-Umfrage der Außenhandelskammer (AHK) China aus dem November hervor, die heute vorgestellt wurde. Das sind zwar weniger als im Juni 2020 – damals waren es noch 89 Prozent – dennoch könnten die Reisebeschränkungen auch zu langfristigen Konsequenzen führen, erklärte der deutsche Botschafter in China, Clemens von Goetze bei der Vorstellung der AHK-Umfrage.

Vor allem die Geschäftsbeziehungen leiden dabei unter den Restriktionen, beklagen 58 Prozent der befragten Unternehmen. Auch die fehlende Teilnahme an Messen (37 Prozent) und Geschäftsverhandlungen (32 Prozent), die nicht stattfinden können, sind für viele ein Problem. Eine weitere Folge: Maschinen und Produktionswerkstätten können nur schwer in Betrieb genommen oder gewartet werden, weil das zuständige Fachpersonal nicht einreisen darf.

Einen Überblick über alle Folgen der Reisebeschränkungen sehen Sie in der Grafik:

Vor allem die Aufrechterhaltung von Geschäftsbeziehungen ist aufgrund der Reisebeschränkungen derzeit schwer möglich. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Geschäftsklima-Umfrage der AHK China
Vor allem die Aufrechterhaltung von Geschäftsbeziehungen ist aufgrund der Reisebeschränkungen derzeit schwer möglich. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Geschäftsklima-Umfrage der AHK China

Deutsche Firmen in China konnten Umsatz steigern

Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Obwohl viele deutsche Unternehmen, die in der Volksrepublik tätig sind, im ersten Halbjahr 2020 mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hatten, konnten 39 Prozent ihren Umsatz und 42 Prozent ihren Gewinn steigern. Rund ein Viertel erzielte Umsätze und Ergebnisse auf Vorjahresniveau. „China ist die einzige große Volkswirtschaft, die in 2020 – wenn auch nur mit circa zwei Prozent – gewachsen ist“, erklärte Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Davon haben auch deutsche Unternehmen profitiert, die Rückgänge in der EU und den USA durch das im zweite Halbjahr wieder anziehende Geschäft in China teilweise kompensieren konnten.“

Auch für das Jahr 2021 rechnen die deutschen Unternehmen mit einem guten Jahr: 72 Prozent der Befragten erwarten steigende Umsätze und 56 Prozent höhere Gewinne für 2021. 77 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Branche in China besser entwickeln wird als in anderen Märkten.

Ein wichtiger Schritt für künftige Geschäfte ist für von Goetze dabei das Investitionsabkommen (CAI) zwischen China und Europa. Es könne zwar nicht alle Herausforderungen lösen, die die Unternehmen in China haben, helfe aber zum Beispiel in den Bereichen Marktzugang und fairer Wettbewerb.

Was der Investitionspakt für die deutschen Maschinenbauer und die Autoindustrie bedeutet, lesen Sie hier:

Marktzugang in China verbessert sich

Vor allem beim Thema Marktzugang hat sich aber wohl schon einiges getan. Denn auf die Frage „Ist Ihr Unternehmen mit Marktzugangsbeschränkungen in China konfrontiert?“ haben 70 Prozent mit „Nein“ geantwortet. 2019 waren es nur 37 Prozent. „Durch das CAI werden die von China bereits eingeleiteten Marktöffnungsschritte für europäische Unternehmen unumkehrbar“, erklärte Stephan Wöllenstein, Präsident der Deutschen Handelskammer in Nordchina.

Wenn es Beschränkungen gibt, dann sind diese vor allem indirekt, zum Beispiel bei den Bieter- und Ausschreibungsverfahren (14 Prozent), Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Lizenzen, Zertifizierungen und Produktzulassungen (elf Prozent) oder bei unzureichenden Vorlaufzeiten zur Umsetzung neuer Vorschriften (sechs Prozent).

Daneben gibt es laut der AHK-Umfrage noch weitere wirtschaftliche Herausforderungen. Auf Platz eins: Restriktionen beim Internetzugang (34 Prozent) gefolgt von langsamem Internet in einigen Regionen (28 Prozent). Gerade in Zeiten der Digitalisierung aufgrund der Coronakrise sei das eine tägliche Belastung, sagte Wöllenstein.

Eine weitere Folge der Krise: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und Entkopplungsszenarien haben den Trend zur Lokalisierung verstärkt“, erklärt er. Die deutsche Wirtschaft macht sich in China vor allem Sorgen vor den Risiken der steigenden Kosten durch verschiedene Standardanforderungen in den Märkten (37 Prozent) und vor einem langfristigen Geschäftsrückgang (35 Prozent).

 

Spannungen zwischen USA und China werden anhalten

Als Reaktion lokalisieren die Unternehmen vor allem ihre Forschung und Entwicklung (43 Prozent) sowie Beschaffung (34 Prozent) und passen Schlüsseltechnologien an verschiedene Standards (33 Prozent) an.

Die Spannungen zwischen den USA und China wird den Unternehmen als weitere Unsicherheit erhalten bleiben. Er gehe nicht davon aus, dass die Handelskonflikte dieses Jahr einfach verschwinden, sagte Botschafter von Goetze.

Und auch die Reisebeschränkungen werden die Firmen wohl noch länger belasten. Es gebe bisher keine Signale von chinesischer Seite, dass die Quarantäne- oder Visaregeln bald geändert werden sollen, so von Goetze. Er rechne nicht damit, dass sich die Situation bald ändert.

China bleibt Dauerthema in der Industrie

  • Mit welchen Maßnahmen die deutschen Firmen in China den Auswirkungen von Covid-19 entgegenwirken wollen, lesen Sie hier.
  • RCEP heißt das neue Freihandelsabkommen in Asien. Was kommt nun auf die deutsche Industrie zu? Die Antwort gibt es hier.

(Bild: Eisenhans - stock.adobe.com)

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