Chinas Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 4,5 Prozent – doch Immobilienkrise bremst weiterhin
Chinas Wirtschaft hat im dritten Quartal mit 4,5 Prozent Plus überrascht. Während ein Tech-Exportboom und der Einzelhandel die Konjunktur auf Zielkurs halten, verschärft sich im Inland die schwere Immobilienkrise weiter.
Chinas Wirtschaft hat im Sommer etwas an Tempo gewonnen, doch die Probleme im eigenen Land bleiben groß.Symbolbild - KI-generiert
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Key Takeaways
4,5 Prozent BIP-Wachstum: Chinas Wirtschaft wuchs im dritten Quartal etwas stärker als von Ökonomen erwartet (Prognose: 4,4 Prozent), nach 4,3 Prozent im Vorquartal.
Jahresziel im Visier: Für die ersten neun Monate steht ein Plus von 4,6 Prozent zu Buche, womit China im staatlichen Zielbereich von 4,5 bis 5,0 Prozent liegt.
Boom im Tech-Export: Die Gesamtexporte stiegen von Januar bis September um 21,3 Prozent (September: +36,3 Prozent), vor allem getrieben durch weltweite Nachfrage nach Halbleitern und KI-Elektronik.
Einbruch bei Immobilien: Die Investitionen in die Immobilienentwicklung sanken in den ersten neun Monaten drastisch um 20,6 Prozent, was Konsum und Kommunalfinanzen belastet.
Keine großen Stimuli erwartet: Fachleute rechnen angesichts der soliden Daten vorerst nicht mit neuen, umfassenden Konjunkturpaketen der Pekinger Führung.
Handelsüberschuss (Jan.–Sept.): rund 938 Mrd. US-Dollar (ca. 834 Mrd. Euro)
Chinas Volkswirtschaft hat in den Sommermonaten etwas an Schwung gewonnen, steht im Inland jedoch weiterhin vor enormen Herausforderungen. Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent zu. Damit übertraf die Entwicklung die durchschnittliche Prognose von Volkswirten, die mit 4,4 Prozent gerechnet hatten. Im zweiten Quartal hatte das Plus bei 4,3 Prozent gelegen, nach einem starken Jahresauftakt mit 5,0 Prozent.
Im direkten Vergleich zum Vorquartal wuchs die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent. Auf Jahressicht meldeten die Behörden für die ersten neun Monate ein Gesamtwachstum von 4,6 Prozent. Damit liegt das Land derzeit im vorgegebenen Korridor der Regierung, die für das Gesamtjahr ein Wachstum von 4,5 bis 5,0 Prozent anstrebt. Statistikamtssprecher Mao Shengyong betonte die Zuversicht, dieses Jahresziel zu erreichen. Die Schwächephase im zweiten Quartal führte er auf schwankende Ölpreise infolge der Nahost-Lage zurück und stellte für das vierte Quartal eine weitere Aufhellung in Aussicht.
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Einzelhandel überrascht positiv – Vorerst keine weiteren Konjunkturpakete
Gegen Ende des dritten Quartals zeigten sich sowohl die Industrieproduktion als auch der Binnenkonsum verbessert. Die Fertigung in den Industriebetrieben stieg im September um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (August: 5,2 Prozent). Deutliche Signale kamen auch aus dem Einzelhandel, dessen Umsätze im September um 1,1 Prozent zum Vorjahr zulegten, nachdem das Plus im August lediglich 0,4 Prozent betragen hatte.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft abseits des Automarktes: Ohne Berücksichtigung von Autokäufen stiegen die Einzelhandelsumsätze im September um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – der stärkste Wert seit Oktober 2025. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, betonte, dass der chinesische Wachstumstrend damit auf Kurs bleibe und dringende Stimulierungsmaßnahmen der Notenbank oder Regierung derzeit nicht notwendig seien. Auch Volkmar Baur von der Commerzbank sieht die Regierung mit dem Verlauf zufrieden und erwartet vorerst keine weiteren großen Impulse, abgesehen von bereits seit Oktober bestehenden Zinszuschüssen für Erstkäufer von Wohnungen.
Boomender Außenhandel verschärft internationale Spannungen
Tech-Boom als Treiber der chinesischen Exporte
Die starke Nachfrage nach Schlüsseltechnologien glättet derzeit Chinas Konjunkturkurve. Speziell zwei Produktgruppen sorgen für Rekordwerte im Auslandsgeschäft:
Halbleiter: Unverzichtbare Bausteine für die weltweite Elektronik- und Automobilfertigung.
KI-Elektronik: Hardwarekomponenten für Infrastruktur und Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Dieser Produktbereich verhalf China im September zu einem Exportsprung von 36,3 Prozent im Vorjahresvergleich.
Während die Binnennachfrage verhalten bleibt, erweist sich das Auslandsgeschäft als zentraler Stützpfeiler der Wirtschaft. In den ersten neun Monaten stiegen die chinesischen Exporte auf US-Dollar-Basis um 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im September beschleunigte sich das Ausfuhrplus sogar auf 36,3 Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung ist die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten wie Halbleitern und Hardware für künstliche Intelligenz (KI).
Der immense Exporterfolg bescherte China von Januar bis September einen Handelsüberschuss von rund 938 Milliarden US-Dollar (rund 834 Milliarden Euro). Der riesige Überschuss sorgt jedoch zunehmend für Unmut bei Handelspartnern. Insbesondere in Europa wächst die Sorge, dass preiswerte Waren aus China den heimischen Herstellern Marktanteile entziehen und die Industrien unter Druck setzen.
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Tiefe Immobilienkrise bremst die Binnenwirtschaft
Im starken Kontrast zum Außenhandel steht die anhaltende Investitionsschwäche im Inland. Die sogenannten Anlageinvestitionen in Fabriken, Maschinen, Gebäude und Infrastruktur sanken in den ersten neun Monaten um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Den Hauptgrund bildet die tiefgreifende Krise am Immobilienmarkt: Die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen von Januar bis September um 20,6 Prozent ein.
Diese Entwicklung belastet das Land über mehrere Mechanismen gleichzeitig. Sinkende Immobilieneinheiten mindern das Vermögen vieler Bürger, was zu Verunsicherung und geringeren Konsumausgaben führt. Bauunternehmen verringern die Zahl neuer Projekte und vergeben folglich weniger Aufträge. Zudem fehlen den Städten und Kommunen Einnahmen, da der Verkauf von Grundstücken an Bauträger lange Zeit eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war.
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Wie die Immobilienkrise die Wirtschaft belastet
Der Einbruch der Immobilieninvestitionen um 20,6 Prozent entfaltet eine dreifache Negativwirkung:
Konsumzurückhaltung: Sinkende Immobilienpreise verunsichern Haushalte; Bürger halten ihr Geld zusammen.
Auftragseinbruch im Baugewerbe: Weniger Neubauprojekte entziehen Handwerkern und Zulieferern die Geschäftsgrundlage.
Kommunale Finanznot: Städten entgehen Einnahmen aus dem Verkauf von Grundstücken an Bauunternehmen.
Vor diesem Hintergrund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen angepasst. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einem Wachstum von 4,5 Prozent, für 2027 prognostiziert er nur noch 4,0 Prozent. Der Fonds mahnt, dass China die Schwäche des Binnenkonsums gezielt adressieren müsse, da der Exportboom die inländischen Probleme nicht dauerhaft kompensieren könne.
Wie stark ist Chinas Wirtschaft im dritten Quartal gewachsen? - Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas stieg im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit fiel das Wachstum etwas stärker aus als von Analysten erwartet (4,4 Prozent) und lag über dem Wert des zweiten Quartals (4,3 Prozent).
Erreicht China sein offizielles Wachstumsziel für das Gesamtjahr? - Mit einem Wachstum von 4,6 Prozent in den ersten neun Monaten liegt China auf Kurs, das von der Regierung gesteckte Jahresziel von 4,5 bis 5,0 Prozent zu erreichen.
Welcher Wirtschaftssektor stützt das chinesische Wachstum aktuell am stärksten? - Der wichtigste Wachstumstreiber ist der Exportbereich. Angetrieben von der globalen Nachfrage nach Halbleitern und KI-Elektronik stiegen die Ausfuhren in den ersten neun Monaten um 21,3 Prozent (September: +36,3 Prozent).
Warum belastet die Immobilienkrise die chinesische Wirtschaft so stark? - Einbruch der Investitionen um 20,6 Prozent führt zu Wertverlusten bei Wohnungen, was Bürger beim Konsum vorsichtiger macht. Zudem vergeben Baufirmen weniger Aufträge, und den Städten fehlen Einnahmen aus Grundstücksverkäufen.
Sind in naher Zukunft weitere große Konjunkturpakete der Regierung zu erwarten? - Analysten gehen davon aus, dass vorerst keine großen Stimulationsmaßnahmen beschlossen werden, da die aktuellen Kennzahlen die Erreichung des staatlichen Jahresziels sichern.