Ausbildungsverträge deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau.

Auch im zweiten Corona-Jahr 2021 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau. (Bild: hkama - stock.adobe.com)

In deutschen Betrieben und Verwaltungen werden immer weniger Menschen ausgebildet. Auch im zweiten Corona-Jahr 2021 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch auf der Grundlage vorläufiger Zahlen berichtete.

467.100 neue Verträge bedeuteten im vergangenen Jahr zwar einen leichten Zuwachs nach dem historischen Tiefstand von 2020 (465.700), aber eben auch weiterhin eine große Lücke zum Niveau aus dem Jahr 2019, als noch 513.300 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag unterzeichneten.

Dabei erscheint der Fachkräftebedarf in einigen Bereichen nahezu unermesslich, etwa wenn es um die konkrete Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen an Gebäuden oder den Ausbau der Erneuerbaren Energien geht. Bereits im Jahr 2025 werden allein für diese Regierungspläne rund 400.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, heißt es in einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Gefragt seien diverse Bau- und Ausbauberufe, Maschinenbauer und Elektrotechniker, aber auch Fachkräfte für die personalintensivere ökologische Landwirtschaft.

In der alljährlichen BIBB-Hitliste der beliebtesten Ausbildungen lagen aber bei den Männern der klassische Kfz-Mechatroniker und bei den Frauen erstmals die medizinische Fachangestellte ganz vorn. Ebenfalls beliebt sind verschiedene kaufmännische Ausbildungen sowie Ausbildungen zum Fachinformatiker und zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Duale Berufsausbildung ist wichtig

Insgesamt fällt es den Unternehmen in Deutschland aber immer schwerer, Ausbildungsplätze zu besetzen, wie eine weitere aktuelle Studie zeigt. Bei einer repräsentativen Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg gab fast die Hälfte der Betriebe an, dass die Zahl der Bewerbungen zurückgegangen sei. Etwa 40 Prozent berichteten außerdem, dass die Qualität der Bewerbungen abgenommen habe.

Die duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule sei wichtig, um den Fachkräftebedarf von Betrieben zu sichern, sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger. "Voraussetzungen hierfür sind zunächst, dass sie die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können und die Auszubildenden die Ausbildung erfolgreich abschließen können. Beides hat in der Pandemie deutlich gelitten." Den befragten Betrieben zufolge waren Prüfungen verschoben worden oder es war unter Pandemie-Bedingungen schlicht die Zeit zu knapp, um die geforderten Inhalte zu vermitteln.

Grundsätzlich leidet das duale Ausbildungssystem seit Jahren unter der Konkurrenz akademischer Bildungswege und den sinkenden Zahlen bei den Schulabsolventen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf nicht weniger als 540 verschiedene Berufsbilder ist seit Jahren rückläufig, nachdem es 2008 noch knapp 608.000 Ausbildungsanfänger gab. In der Corona-Krise sind zudem zahlreiche Informationsveranstaltungen an den Schulen sowie Betriebspraktika ausgefallen.

Ein Drittel der Betriebe berichtete der IAB-Studie zufolge, dass es in der Coronakrise schwieriger gewesen sei, mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern in Kontakt zu treten. 43 Prozent boten weniger oder gar keine Praktika für Schülerinnen und Schülern an - vor allem die Unternehmen, die besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie litten.

Arbeitgeber sind in der Verantwortung

Laut einer Studie der staatlichen KfW-Bank aus dem vergangenen Sommer haben sich während der Pandemie vor allem Kleinstbetriebe aus der Ausbildung zurückgezogen, während bei den mittleren Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten die Azubi-Zahlen häufig rückläufig waren. Dabei tragen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Ausbildung in Deutschland mit rund 90 Prozent der angebotenen Plätze. Gleichwohl bilden nur zwölf Prozent der KMU tatsächlich selbst aus.

IG Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban sieht die Arbeitgeber in der Verantwortung. Sie machten es sich zu einfach, alles auf die Pandemie zu schieben, erklärte der Gewerkschafter in Frankfurt. "In der Metall- und Elektroindustrie gibt es über 10.000 Auszubildende weniger als im Vorjahr und der Rückgang ist nicht allein der Pandemie geschuldet."

Die Arbeitgeber müssten endlich wieder mehr Potenziale heben und mehr Menschen ausbilden. Darüber hinaus müsse die im Koalitionsvertrag verankerte Ausbildungsgarantie schnellstmöglich mit Leben gefüllt werden, um einen weiteren Rückzug vieler Betriebe zu verhindern.

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?

dpa