Elektroteile, aus denen "Made in China" Schriftzug gemacht wurde

China spielt im Halbleiter-Geschäft eine wichtige Rolle. (Bild: V. Yakobchuk - stock.adobe.com)

Das Wort des Jahres ist eigentlich Wellenbrecher. In der Industrie könnte es aber auch Halbleitermangel, Halbleiterkrise oder Chipmangel sein. Fast jede Branche war davon betroffen. Eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt, dass das Thema auch nächstes Jahr ganz oben auf der Agenda stehen wird. Denn: „Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage von Halbleitern wird immer größer“, sagt Michael Alexander, Partner bei Roland Berger, einer Pressemitteilung zufolge. Die Knappheit der Chips wird seiner Ansicht nach bis 2023 und wahrscheinlich auch darüber hinaus bestehen bleiben.

Denn nach Analysen der Experten von Roland Berger steigt die Chip-Nachfrage von 2020 bis 2022 um 17 Prozent pro Jahr. Die Produktionskapazität steigt im gleichen Zeitraum dagegen nur um sechs Prozent. Umso wichtiger sind deshalb eigene Halbleiter-Ökosysteme, wie sie die EU plant. Dieser soll die technologische Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der EU verbessern.

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Das geopolitische Signal, das davon ausgehen soll, ist umso wichtiger, wenn man sich die zentrale Rolle Chinas im Halbleiter-Sektor anschaut. Die Wissenschaftler von Merics haben dazu zwei Studien veröffentlicht. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie „Mapping China’s semicondutur ecosystem in global context – Strategic dimensions and implications" von Merics und der Stiftung Neue Verantwortung ist: China wird seine nationale Position in der globalen Wertschöpfungskette in diesem Jahrzehnt wohl weiter ausbauen. Die Gefahr für Europa sei es, im Wettbewerb nicht weiter zurückzufallen und zunehmend auf chinesische Anbieter angewiesen zu sein.

Die Wissenschaftler schreiben aber auch, die derzeitige Situation nicht als ein „chinesisches Streben nach technologischer Autarkie” interpretiert werden sollte – zumindest nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre. China werde jedoch versuchen, seine eigenen Firmen in eine internationale Führungsposition zu bringen, die damit europäische Interessen herausfordern wird.

Halbleiter-Markt: Das muss Europa jetzt tun

Damit Europa bei Halbleitern weiter wettbewerbsfähig bleibt und nicht von China abhängig ist, braucht es nach Ansicht der Wissenschaftler von Merics eine Halbleiter-Strategie. In einer zweiten Studie beschreiben sie deshalb die Maßnahmen, die die EU nun umsetzen sollte.

Investitionen in Chip-Design

Die Europäische Union sollte nach Ansicht der Wissenschaftler unter anderem die Eintrittsbarrieren für KMUs und Start-ups aber auch für die Ausgründungen von Forschungseinrichtungen verbessern. Weitere Punkte: Investitionen in die Infrastruktur und Bürokratie-Abbau.

Stärkere Back-End-Fertigung in Europa

Während die Front-End-Produktion bereits im Fokus der Politik steht, müsse das auch bei der Back-End-Fertigung passieren, fordern die Experten. Der Grund: Die Konzentration der Back-End-Kapazitäten in Asien habe Auswirkungen auf die nationale Sicherheit Europas. China hat in diesem Bereich bereits einen hohen Weltmarktanteil.

Halbleiter-Wertschöpfungsketten besser bewerten

Im ganzen Prozess ist es ebenfalls wichtig, die weltweite Halbleiter-Wertschöpfungskette abzubilden und zu bewerten. Auch in diesem Bereich sehen die Wissenschaftler noch Verbesserungsbedarf in der EU: „Europäische Akteure müssen Abhängigkeiten verstehen, Engpässe einschätzen und vorausschauend erkennen, um in dieser hoch komplexen und verflochtenen industriellen Wertschöpfungskette strategisch planen zu können“, schreiben sie.

Eine wichtige Rolle könnte dabei die neue „Beobachtungsstelle für kritische Technologien“ spielen. Den Experten zu folge ist es aber auch wichtig, Partnerschaften mit „gleichgesinnten Partnern“ wie den USA oder ostasiatischen Volkswirtschaften zu schließen.

Wer die größten Halbleiter-Hersteller weltweit sind, erfahren Sie auf unserem Schwesterportal TECHNIK+EINKAUF.

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