Nahaufnahme eines Halbleiters

Heißbegehrt und derzeit Mangelware in der Automobilindustrie: Halbleiter. - Bild: sdecoret / stock.adobe.com

Auch in den kommenden Monaten kann man davon ausgehen, dass der Automarkt unter der Halbleiterkrise leidet. So lautet eine aktuelle Analyse von Prof. Ferdinand Dudenhöffer, die PRODUKTION vorliegt.

Der Branchenexperte sagt: „Nach unseren Einschätzungen werden verknappte Angebote bis Mitte nächsten Jahres den Automarkt beschränken. Heutige Produktionsausfälle und Kurzarbeit machen sich erst in drei bis vier Monaten bei den Neuwagenzulassungen bemerkbar.“

Deswegen sei die Kurzarbeit im September erst richtig bei den Neuzulassungen im Dezember spürbar. 

Mikrochip-Mangel bringt weitere Ausfälle im VW-Stammwerk

Jüngstes Beispiel: Die anhaltende Lieferkrise bei wichtigen Elektronik-Bauteilen wie Mikrochips führt bei Volkswagen zu erneuten Produktionsausfällen und Kurzarbeit am Stammsitz Wolfsburg, wie die Nachrichtenagentur ‚Dpa‘ berichtet. So ziehen sich die zuerst bis Ende dieser Woche einkalkulierten Einschränkungen weit in den Oktober hinein, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Am Freitag (1.10.) soll demnach nur eine Golf-Montagelinie in der Frühschicht betrieben werden. In der nächsten und übernächsten Woche (4.10. bis 15.10.) gibt es dann voraussichtlich ‚komplett Kurzarbeit“ - einen einzigen Tag (14.10.) ausgenommen. Zuvor hatte die ‚Braunschweiger Zeitung‘ über die aktualisierten Planungen berichtet.

Halbleiter-Engpass: Autobauer produzieren auf „Halde“

In der gesamten Autoindustrie ist die mangelnde Versorgung mit Halbleiter-Komponenten derzeit ein großes Problem. Auch Anbieter wie BMW und Mercedes-Benz oder die Nutzfahrzeugsparten von Volkswagen und Daimler sind betroffen. Nach vorschnell gekündigten Verträgen mit Chipproduzenten oder gekappten Mengen in der Corona-Verkaufsdelle Mitte 2020 fehlen jetzt vielerorts dringend benötigte Teile.

Hohe Fahrzeug-Stückzahlen konnten bereits nicht zu Ende gefertigt werden, es bilden sich „Halden“. Verschärfend hinzu kommen eigene Kapazitätsengpässe in der Halbleiterindustrie.

Prognose vom Ford-Chef: So lange dauert der Elektronik-Engpass

Auch Ford stellt sich darauf ein, dass die Autobranche noch lange unter der Halbleiter-Knappheit leiden wird. „Ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, dass uns voraussichtlich bis Ende kommenden Jahres wichtige Elektronik-Teile fehlen werden“, sagte Ford-Chef Jim Farley am Dienstag (28.08.21) im TV-Sender CNBC. Der US-Autoriese gehört zu den Herstellern, die zuletzt besonders schwer von den Engpässen betroffen waren.

Die Gründe für den Halbleitermangel

Auslöser der Halbleiter-Knappheit war unter anderem die erhöhte Nachfrage nach Notebooks und anderen Elektronikprodukten in der Corona-Krise. Aber auch generell brauche jede Industrie mehr Chips, betonte die Chefin des Prozessor-Spezialisten AMD, Lisa Su, bei einem Konferenz-Auftritt in der Nacht zum Dienstag (28.09.2021). Erschwerend kam hinzu, dass Chiphersteller in den vergangenen Jahren ihre Kapazitäten bei einigen Halbleiter-Arten angesichts zunächst schwacher Nachfrage zurückgefahren hatten und diese jetzt nicht wieder schnell aufstocken können. Zugleich wird gerade massiv in neue Chip-Kapazitäten investiert - es dauert aber oft Jahre, bis sie Früchte tragen.

 

Hinzu kommt: Es gibt nur wenige Unternehmen, die in der Lage sind große Mengen an Halbleitern herzustellen. Welche Player den Markt dominieren, hat unser Partner-Portal technik-einkauf.de recherchiert.

 

Die Autobranche wird besonders schwer von den Halbleiter-Engpässen getroffen. Ein Grund ist, dass die Geschäfte mit ihr wegen relativ niedriger Stückzahlen für die Chipkonzerne weniger lukrativ sind als beim Verkauf an große Elektronikkonzerne. Viele Autohersteller hatten zu Beginn der Pandemie zudem selbst Nachfrageeinbrüche - in der Folge stornierten sie bereits zugesagte Mengen bei den Halbleiterfirmen. Jetzt, wo das Autogeschäft wieder besser läuft, fehlen diese Chips.

 

Die Instandhaltung der Anlagen in einem Reinraum zur Chipherstellung hält komplexe Herausforderungen bereit. Einen Einblick in einen solchen Reinraum gewährt diese Reportage von Instandhaltungsexperte Stefan Weinzierl für unser Partner-Portal instandhaltung.de.

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