Die Autoindustrie in Deutschland schrumpft weiter. Neue Branchendaten weisen auf einen deutlichen Beschäftigungsabbau hin – mit spürbaren Folgen für Zulieferer und Mittelstand. Der Standort gerät zunehmend unter Druck.
In der deutschen Automobilindustrie sind im vergangenen Jahr Branchenschätzungen zufolge erneut Zehntausende Stellen abgebaut worden.vladdeep - stock.adobe.com)
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Deutlicher Beschäftigungsrückgang in der Autoindustrie
In der deutschen Autoindustrie sind im vergangenen Jahr erneut Zehntausende Arbeitsplätze weggefallen. Nach vorläufigen Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) waren 2024 rund 726.000 Menschen im Automobilsektor beschäftigt. Das entspricht einem Minus von knapp 47.000 Stellen gegenüber dem Vorjahr.
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Noch gravierender fällt der Vergleich mit dem Vorkrisenjahr 2019 aus: Seitdem hat die Branche fast 107.000 Arbeitsplätze eingebüßt. Damit setzt sich der strukturelle Anpassungsprozess in einer der Schlüsselindustrien des Landes fort, wie der Verband mitteilt.
Breiter Stellenabbau bei Unternehmen und Zulieferern
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Auch die Ergebnisse einer aktuellen Branchenumfrage unterstreichen die angespannte Lage. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, im vergangenen Jahr Stellen am Standort Deutschland abgebaut zu haben. Nahezu jedes zweite Unternehmen reduziert demnach aktuell weiter Arbeitsplätze.
Bemerkenswert ist die unterschiedliche regionale Gewichtung: Rund jeder vierte Betrieb baut ausschließlich in Deutschland Stellen ab, während im Ausland gleichzeitig Personal aufgebaut wird. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Verlagerung von Wertschöpfung hin – mit entsprechenden Konsequenzen für die industrielle Basis am Standort.
Standortdebatte gewinnt an Schärfe
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie e.V.VDA)
VDA-Präsidentin Hildegard Müller findet deutliche Worte zur aktuellen Situation. „Deutschland hat eine massive Standortkrise“, kritisierte sie. „Die Bedingungen am Standort Deutschland und Europa verschlechtern sich zusehends, das bringt die Unternehmen und ganz besonders den automobilen Mittelstand unter Druck.“
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Insbesondere auf europäischer Ebene sieht Müller Handlungsbedarf. „Noch zu oft begegnet der Wirtschaft in Brüssel eine Kombination aus Realitätsverweigerung und Relevanzillusion“, betonte sie.
Umfragebasis mit 124 Zulieferern
Für die Erhebung befragte der VDA nach eigenen Angaben zwischen dem 11. und dem 25. Januar insgesamt 124 rpt 124 Zulieferer. Die Zahlen basieren auf vorläufigen Daten und zeichnen ein konsistentes Bild eines Industriezweigs im Umbruch.´
Mit Material der dpa
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FAQ zur Autoindustrie
Wie viele Menschen arbeiten aktuell in der Autoindustrie? – Laut vorläufigen VDA-Daten waren im vergangenen Jahr rund 726.000 Personen im deutschen Automobilsektor beschäftigt.
Wie stark ist der Stellenabbau ausgefallen? – Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Beschäftigten um knapp 47.000. Seit 2019 summiert sich das Minus auf fast 107.000 Stellen.
Wie reagieren die Unternehmen der Autoindustrie? – Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen bauten im vergangenen Jahr Stellen in Deutschland ab, viele reduzieren auch aktuell weiter Personal.
Wen hat der VDA für die Autoindustrie-Umfrage befragt? – Nach Verbandsangaben wurden zwischen dem 11. und 25. Januar insgesamt 124 rpt 124 Zulieferer befragt.