Automotive

MAN Salzgitter: Droht dem Traditionswerk
das Aus als Produktionsstandort?

IG Metall und Betriebsrat legen für das MAN-Werk Salzgitter ein eigenes Zukunftskonzept vor – und warnen vor einem schleichenden Rückzug der Produktion. Trotz stabiler Zahlen drohen massiver Stellenabbau und der Umbau zum Logistikstandort.

Veröffentlicht
Das MAN-Werk Salzgitter gehört seit Jahrzehnten zum industriellen Rückgrat der Region. Ursprünglich als reiner Produktionsstandort für Achsen und Komponenten aufgebaut, war das Werk lange ein wichtiger Zulieferer innerhalb des MAN-Konzerns.

Die IG Metall und der Betriebsrat am MAN-Standort Salzgitter gehen in die Offensive. Mit einem eigenen Zukunftskonzept wollen sie die industrielle Perspektive des Werks sichern – und stellen sich damit offen gegen den Kurs des Managements. Der Bus- und Lastwagenhersteller gefährde aus Sicht der Arbeitnehmer die Zukunft des Standorts, obwohl die wirtschaftliche Lage stabil sei. Vorschläge aus der Belegschaft würden bislang nicht ernsthaft aufgegriffen, teilte die Gewerkschaft mit.

Besonders kritisch bewerten die Arbeitnehmervertreter die Personalplanung. In einem der diskutierten Szenarien könnte die Zahl der Beschäftigten von aktuell rund 2.161 bis zum Jahr 2032 auf weniger als 852 sinken. Ein Einschnitt, der nach Ansicht von IG Metall und Betriebsrat einer schrittweisen Abwicklung der industriellen Fertigung gleichkäme.

Das vorgelegte Zukunftskonzept gliedert sich nach Angaben der IG Metall in drei Stufen: kurzfristige Maßnahmen zur Weiterentwicklung der bestehenden Achsproduktion, bereits durchgerechnete Projekte im Umfeld der Kreislaufwirtschaft sowie langfristige strategische Ansätze im Bereich von E-Komponenten. Ziel sei es, Salzgitter als industriellen Standort weiterzuentwickeln – nicht ihn zurückzubauen.

Hintergrund ist der im November angekündigte Stellenabbau bei MAN: Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen in Deutschland 2.300 Arbeitsplätze wegfallen, davon 600 in Salzgitter. Zwar einigte sich das Unternehmen kürzlich mit der Arbeitnehmerseite auf Investitionen von fast einer Milliarde Euro in deutsche Standorte sowie eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2035. Diese Vereinbarung gilt jedoch nicht für Salzgitter.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen scheiterten zuletzt Gespräche auf Spitzenebene. Demnach habe MAN Zusagen angeboten, die denen für andere deutsche Standorte entsprachen. Der Arbeitnehmerseite reichte das jedoch nicht. Aus Unternehmenskreisen heißt es, es seien immer neue Forderungen erhoben und rote Linien überschritten worden. Die Verhandlungen seien daher endgültig abgebrochen worden.

Für Salzgitter steht damit viel auf dem Spiel. Im schlimmsten Fall droht der Umbau zum reinen Logistikstandort – und mittelfristig der vollständige Abzug der Produktion.

Ein Standort mit Geschichte – und Brüchen

Das MAN-Werk Salzgitter gehört seit Jahrzehnten zum industriellen Rückgrat der Region. Ursprünglich als reiner Produktionsstandort für Achsen und Komponenten aufgebaut, war das Werk lange ein wichtiger Zulieferer innerhalb des MAN-Konzerns. Doch schon in den vergangenen Jahren geriet Salzgitter immer wieder unter Druck: sinkende Stückzahlen, veränderte Antriebstechnologien und konzerninterne Verlagerungen sorgten für Unsicherheit. Die aktuelle Auseinandersetzung knüpft an eine lange Phase des Strukturwandels an – mit der Frage, ob Salzgitter künftig noch Teil der industriellen Wertschöpfung von MAN bleibt.

Mit Material der dpa

Der MAN-Standort Salzgitter auf einen Blick

Wie viele Beschäftigte arbeiten aktuell in Salzgitter? Rund 2.161 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit am Standort beschäftigt.

Wie stark könnte der Stellenabbau ausfallen? In einem Szenario sinkt die Beschäftigtenzahl bis 2032 auf weniger als 852.

Was fordert die IG Metall konkret? Investitionen in Achsproduktion, Projekte zur Kreislaufwirtschaft und eine strategische Rolle bei E-Komponenten.

Warum gilt die Beschäftigungssicherung nicht für Salzgitter? Salzgitter ist nicht Teil der jüngsten Gesamtvereinbarung zwischen MAN und der Arbeitnehmerseite.

Was droht dem Standort im schlimmsten Fall? Der Umbau zum reinen Logistikstandort und langfristig der vollständige Abzug der Produktion.