Konjunktur

Konjunkturprognosen: RWI und ifo senken Wachstum

Die aktuellen Konjunkturprognosen von RWI und ifo Institut fallen schwächer aus als zuvor erwartet. Steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts treiben die Inflation und dämpfen das Wirtschaftswachstum.

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer kommt im Januar nicht vom Fleck.
Sowohl das Ifo-Institut als auch das RWI echnen mit weniger Wirtschaftsdynamik.

Summary: RWI und ifo Institut korrigieren ihre Konjunkturprognosen für Deutschland nach unten. Beide Institute erwarten schwächeres Wachstum und steigende Inflation durch höhere Energiepreise infolge des Nahostkriegs. Staatliche Ausgaben stabilisieren die Konjunktur, während Exportmärkte schwächeln.

Warum senken RWI und ifo ihre Konjunkturprognosen?

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das ifo Institut haben ihre Konjunkturprognosen für Deutschland nach unten korrigiert. Hintergrund sind steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts.

Das RWI erwartet für das Jahr 2026 nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 %. Für 2027 prognostizieren die Ökonomen ein Plus von 1,2 %. Gegenüber der Prognose vom Dezember entspricht dies einer Korrektur um 0,1 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte nach unten.

Auch das ifo Institut rechnet mit einer abgeschwächten Dynamik. Nach Berechnungen der Münchner Wirtschaftsforscher wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,8 % wachsen und im kommenden Jahr um 1,2 %.

Energiepreise treiben wirtschaftliche Risiken

Auslöser der Entwicklung ist der Krieg im Nahen Osten. Seit dem 28. Februar greifen die USA und Israel iranische Ziele an. Der Iran reagierte unter anderem mit einer faktischen Blockade der Straße von Hormus, über die rund 20 % der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert werden.

Die Rohstoffmärkte reagierten entsprechend. Ölpreise stiegen zeitweise auf 108 USD je Barrel, während sich Gaspreise auf über 50 EUR je Kilowattstunde verdoppelten. In Deutschland verteuerten sich Kraftstoffe um bis zu 17 %.

Steigende Energiepreise erhöhen nicht nur Produktionskosten in der Industrie, sondern belasten auch den privaten Konsum, da Haushalte mehr Geld für Energie ausgeben müssen.

Wie entwickelt sich die Inflation?

Die Verbraucherpreise lagen im Februar bei 1,9 %. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert das RWI eine Inflationsrate von 2,6 %, für 2027 von 2,4 %. Den Höhepunkt erwarten die Essener Ökonomen in den Sommermonaten dieses Jahres.

Auch das ifo Institut rechnet mit steigenden Preisen. „Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem heutigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp 3 Prozent steigen“, sagt ifo Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Staatliche Ausgaben treiben die Erholung

Trotz der Energiepreisschocks sehen beide Institute weiterhin eine konjunkturelle Erholung. Diese wird jedoch vor allem von staatlichen Impulsen getragen.

Laut RWI fließen durch Sonderschuldenprogramme für Investitionen und Klimaschutz in diesem und im kommenden Jahr jeweils 10 Milliarden EUR zusätzlich in die Wirtschaft. Zusätzlich steigen die Verteidigungsausgaben jährlich um weitere 7 Milliarden EUR.

Auch das ifo Institut beobachtet eine zunehmende Bedeutung staatlicher Nachfrage. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, legten im vierten Quartal 2025 insbesondere staatliche Ausrüstungsinvestitionen und öffentliche Konsumausgaben deutlich zu.

Warum die Erholung ungewöhnlich ist

Die konjunkturelle Erholung verläuft laut ifo Institut anders als in früheren Zyklen. „Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, insbesondere weil staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgeweitet und zunehmend nachfragewirksam werden“, so Wollmershäuser.

Gleichzeitig sinken jedoch die Warenausfuhren weiter. Damit wird der Aufschwung nicht – wie in Deutschland häufig üblich – vom Exportgeschäft getragen, sondern primär von inländischen Impulsen.

Industrie und Investitionen bleiben unter Druck

Private Investitionen entwickeln sich weiterhin schwach. Viele Unternehmen verfügen über freie Kapazitäten und sind nicht vollständig ausgelastet. Zusätzlich belasten schwächere Exportmärkte die Industrie.

Handelskonflikte mit den USA sowie eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit gelten als zusätzliche strukturelle Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft.

Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen

Die expansive Fiskalpolitik schlägt sich auch in den öffentlichen Finanzen nieder. Laut RWI steigt das Finanzierungsdefizit von 119 Milliarden EUR im Jahr 2025 auf 186 Milliarden EUR im Jahr 2026 und auf 213 Milliarden EUR im Jahr 2027. Die Defizitquote erreicht damit 2027 rund 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts.

Am Arbeitsmarkt kommt die konjunkturelle Erholung mit Verzögerung an. Laut ifo Institut wird die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr zunächst noch sinken und erst im kommenden Jahr wieder steigen. In allen Szenarien liegt die Arbeitslosenquote im Jahr 2027 unter dem Niveau von 2026.

Rückgang flexibler Arbeitsmodelle

Eine Sonderauswertung der RWI-Forscher von 14,2 Millionen Online-Stellenanzeigen zeigt zudem Veränderungen bei Arbeitsmodellen. Seit dem Jahr 2023 gehen sowohl Home-Office-Angebote als auch Teilzeitstellen zurück.

Im Jahr 2025 erreichten Home-Office-Angebote wieder das Vor-Corona-Niveau. Je nach Branche enthalten nur noch 5 bis 15 % der Stellenanzeigen entsprechende Möglichkeiten.

Welche Risiken bleiben bestehen?

Die Konjunkturprognosen bleiben aufgrund des unsicheren Kriegsverlaufs mit erheblichen Risiken verbunden. Sollte es zu längeren Lieferunterbrechungen kommen, könnten Energiepreise weiter steigen.

Steigt der Gaspreis etwa auf 90 EUR je Kilowattstunde, würde die Inflation laut RWI um zusätzliche 0,4 Prozentpunkte zunehmen, während das Wirtschaftswachstum um 0,4 Prozentpunkte sinken würde.

RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt sieht zudem strukturelle Herausforderungen: „Der Iran-Krieg zeigt, wie verwundbar die deutsche Wirtschaft durch Energieabhängigkeiten nach wie vor ist“, warnt Schmidt. „Ohne die staatlichen Impulse würde die Erholung in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen. Doch der Preis für das insgesamt bescheidene Wachstum ist sehr hoch. Die explodierenden Staatsdefizite laufen aus dem Ruder. Und dass die öffentlichen Impulse in einen sich selbst tragenden Aufschwung übergehen, ist nicht zu beobachten.“

Unter der Lupe: Die RWI- und Ifo-Konjunkturprognose

Warum wurden die Konjunkturprognosen gesenkt? RWI und ifo Institut senken ihre Prognosen vor allem wegen steigender Energiepreise infolge des Nahostkriegs.

Welche Wachstumsraten erwarten die Konjunkturprognosen? Das RWI erwartet 0,9 % Wachstum im Jahr 2026 und 1,2 % im Jahr 2027. Das ifo Institut rechnet mit 0,8 % in diesem Jahr und 1,2 % im kommenden Jahr.

Welche Rolle spielen Energiepreise in den Konjunkturprognosen? Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen Produktionskosten, treiben die Inflation und bremsen das Wirtschaftswachstum.

Was stabilisiert laut Konjunkturprognosen derzeit die Wirtschaft?  Vor allem staatliche Investitionen und öffentliche Ausgaben sorgen derzeit für konjunkturelle Impulse.

Welche Risiken nennen die Konjunkturprognosen? Längere Konflikte im Nahen Osten und dauerhaft hohe Energiepreise könnten Wachstum weiter dämpfen und Inflation erhöhen.