Ein autonomer Frachthubschrauber soll die Luftlogistik des U.S. Marine Corps stärken. Sikorsky erhält dafür einen Auftrag über 15,5 Millionen US-Dollar im Programm Marv-EL Increment 2.
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Der R66 Turbinetruck soll dann zur Verfügung stehen, wenn bodengebundene oder bemannte Luftfahrtsysteme nicht verfügbar sind.Sikorsky
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Summary: Das U.S. Marine Corps hat Sikorsky am 27. April 2026 in Washington mit Marv-EL Increment 2 beauftragt. Der R66 Turbinetruck von Sikorsky und Robinson Unmanned kombiniert Matrix-Autonomie mit der R66-Zelle. Ziel ist eine schnelle, unbemannte Versorgung in umkämpften Einsatzumgebungen und mehr Sicherheit für Personal.
Das United States Marine Corps hat Sikorsky, ein Unternehmen von Lockheed Martin, einen Auftrag im Wert von 15,5 Millionen US-Dollar für das Programm Medium Aerial Resupply Vehicle – Expeditionary Logistics, kurz Marv-EL, Increment 2 erteilt.
Im Mittelpunkt steht der R66 Turbinetruck. Der autonome Frachthubschrauber wird kommerziell von Sikorsky und Robinson Unmanned entwickelt. Er kombiniert das Autonomiesystem Matrix von Sikorsky mit der R66-Zelle der Robinson Helicopter Company. Die Plattform soll eine flexible, bezahlbare und schnelle Gefechtsversorgung ermöglichen. Das Programm ist auf Einsatzszenarien ausgelegt, in denen Munition, medizinische Versorgungsgüter und weitere essenzielle Ausrüstung schnell und präzise an den jeweiligen Bedarfspunkt gelangen müssen.
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Welche Lücke Marv-EL in der Luftlogistik schließen soll
Das Marv-EL-Programm adressiert eine Fähigkeitslücke zwischen kleinen taktischen Drohnen und großen strategischen Lufttransportern. Damit entsteht eine unbemannte Logistikplattform der Mittelgewichtsklasse, die auch dort operieren soll, wo klassische Versorgungswege eingeschränkt sind. Vorgesehen ist der Einsatz von einfachen vorgeschobenen Einsatzbasen, Schiffsdecks oder unbefestigten Landezonen aus. Der R66 Turbinetruck soll insbesondere dann zur Verfügung stehen, wenn bodengebundene oder bemannte Luftfahrtsysteme nicht verfügbar sind. Für das U.S. Marine Corps ist dabei entscheidend, Ausrüstung unabhängig von Gelände, Wetter oder gegnerischer Bedrohung ausliefern zu können. Gleichzeitig soll Personal in Hochrisikoszenarien aus der Gefahrenzone herausgehalten werden.
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Matrix-System als technologische Basis
Der R66 Turbinetruck wird durch das Matrix-System ermöglicht. Die Plattform soll ähnliche Funktionen nutzen wie Sikorskys neuer vollständig autonomer Hubschrauber S-70UAS U-Hawk. Matrix wird in den R66 Turbinetruck ähnlich integriert wie in den S-70UAS U-Hawk, allerdings mit kleinerem Platzbedarf, anderen Leistungsparametern und niedrigeren Betriebskosten. Damit wird die Autonomietechnologie auf eine kompaktere Plattform übertragen. Auch der Bedienablauf orientiert sich am U-Hawk. Der Bediener gibt die Missionsziele in ein digitales Tablet ein. Anschließend erstellt das System automatisch einen Flugplan und nutzt Sensoren sowie Algorithmen, um den R66 Turbinetruck sicher zum Zielort zu führen.
Matrix-Familie soll Reichweite unbemannter Lösungen erweitern
„Während wir die Matrix-Familie erweitern, vergrößern wir auch die Reichweite unbemannter Lösungen für zivile und militärische Kunden“, erläuterte Rich Benton, Vice President und General Manager von Sikorsky. „Der kommerziell entwickelte R66 Turbinetruck ist einfach, wirtschaftlich und rekonfigurierbar; ideal für risikoreiche, schwer zugängliche Umgebungen, in denen es entscheidend ist, Personal aus der Gefahrenzone herauszuhalten.“
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Robinson sieht R66-Plattform als Basis für autonome Logistik
Auch Robinson Helicopter Company hebt die Bedeutung der gemeinsamen Entwicklung hervor. „Unsere Partnerschaft mit Sikorsky bringt die bewährte Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der R66-Plattform in den Bereich der unbemannten Logistik“, betonte David Smith, President und CEO der Robinson Helicopter Company. „Der R66 Turbinetruck stellt einen bedeutenden Schritt nach vorn dar, um bewährte Drehflügler zu skalierbaren, autonomen Frachtlösungen für anspruchsvolle operative Umgebungen weiterzuentwickeln. Gemeinsam liefern wir eine bahnbrechende Fähigkeit, die die Einsatzbereitschaft der Soldaten erhöhen und neue Möglichkeiten für sicheren, zuverlässigen und bezahlbaren autonomen Transport eröffnen wird.“
R66 Turbinetruck soll Missionsanforderungen flexibel abdecken
Paul Fermo, President von Robinson Unmanned, verwies auf die operativen Anforderungen. „Betreiber benötigen Logistiklösungen, die mit sich schnell verändernden Missionsanforderungen Schritt halten können, ohne die Komplexität zu erhöhen“, sagte Fermo. „Durch die Kombination der fortschrittlichen autonomen Fähigkeiten von Matrix mit der robusten, flugerprobten R66-Zelle liefert der R66 Turbinetruck genau diese Fähigkeit, wann und wo immer sie benötigt wird – unabhängig von der Umgebung.“
Marv-EL ist als Mittelgewichtsfähigkeit innerhalb des Programms Unmanned Logistics System – Air, kurz ULS-A, angelegt. Gefordert ist ein unbemanntes Luftfahrzeug, das eine logistische Nutzlast zwischen 1.300 und 2.500 lb (Pfund) transportieren kann. Der geforderte Einsatzradius liegt bei 100 nautischen Meilen. Die Bedienung soll über ein gemeinsames digitales Handgerät erfolgen. Damit zielt das Programm auf eine Plattform, die in taktischen Logistikszenarien flexibel einsetzbar ist und gleichzeitig die Komplexität für die Betreiber begrenzt.
Was als nächster Schritt geplant ist
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Robinson Unmanned wird den ersten R66 Turbinetruck zur Integration, Erprobung, Bewertung und Demonstration an Sikorsky liefern. Die Fähigkeitsdemonstrationen sollen zeigen, wie das plattformunabhängige und offenarchitektonische Design von MATRIX auf der R66-Turbinetruck-Zelle umgesetzt wird. Sikorsky bringt zudem Erfahrungen aus dem Jahr 2025 ein. Das Unternehmen nahm an Phase 1 des Aerial Logistics Connector des U.S. Marine Corps teil und will diese Erfahrung in Marv-EL Increment 2 nutzen. Damit rückt der autonome Frachthubschrauber als Baustein für die unbemannte Luftlogistik weiter in den Fokus. Für das U.S. Marine Corps geht es um schnellere Versorgung, höhere Einsatzflexibilität und weniger Risiko für Personal in schwer zugänglichen oder umkämpften Einsatzräumen.
Quelle: Sikorsky
FAQ zum autonomen Frachthubschrauber im Marv-EL-Programm
1. Was ist der autonome Frachthubschrauber R66 Turbinetruck?
Der R66 Turbinetruck ist ein autonomer Frachthubschrauber von Sikorsky und Robinson Unmanned, der Matrix-Autonomie mit der R66-Zelle kombiniert.
2. Wofür wird der autonome Frachthubschrauber eingesetzt?
Er soll Munition, medizinische Versorgungsgüter und weitere Ausrüstung in umkämpften oder schwer zugänglichen Einsatzumgebungen liefern.
3. Welche Rolle spielt der autonome Frachthubschrauber im Marv-EL-Programm?
Er soll eine Fähigkeitslücke zwischen kleinen taktischen Drohnen und großen strategischen Lufttransportern schließen.
4. Welche Nutzlast soll der autonome Frachthubschrauber transportieren?
Marv-EL verlangt eine logistische Nutzlast zwischen 1.300 und 2.500 lb (Pfund) bei einem Einsatzradius von 100 nautischen Meilen.
5. Warum setzt Sikorsky beim autonomen Frachthubschrauber auf Matrix?
Matrix soll automatische Flugplanung, Sensorik und Algorithmen für den sicheren autonomen Flug zum Zielort bereitstellen.
6. Welche Technologie nutzt der autonome Frachthubschrauber?
Der R66 Turbinetruck nutzt das Matrix-System von Sikorsky für autonome Flugplanung, Sensorik und sichere Missionsführung.
7. Wer entwickelt den autonomen Frachthubschrauber R66 Turbinetruck?
Der R66 Turbinetruck wird kommerziell von Sikorsky und Robinson Unmanned entwickelt.