Ein Bearbeitungszentrum von Rema Control erweitert bei Kama die Zerspanung: Fünfachsfräsen, Drehen, Schleifen und Tieflochbohren laufen nun auf einer Maschine.
Wolfgang KlingaufWolfgangKlingauf
Das vertikale Bearbeitungszentrum Leonard Big LBT5.25 von Rema Control ist das Highlight in der Fertigungshalle des Sondermaschinenbauers Kama.Teamtec
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Summary: Kama Maschinenbau in Schönwald nutzt seit März 2025 ein vertikales Fahrständer-BAZ Leonard Big LBT5.25 von Rema Control. Die über Teamtec beschaffte Maschine wurde an Hallenhöhe, Fanuc-Steuerung und Zerspanungsanforderungen angepasst. Sie soll Komplettbearbeitung ermöglichen, Umspannfehler vermeiden und die Fertigung von kleinen Präzisionsteilen bis zu Bauteilen über zwei Meter Länge effizienter machen.
Sondermaschinenbauer sind tatsächlich
besondere Maschinenbauer, denn sie sind permanent mit wechselnden
Herausforderungen konfrontiert. Das gilt auch für die Firma Kama in Schönwald,
die sich auf kundenspezifische Maschinen und Anlagen fürs Kunststofffügen, Metallschweißen,
Heißnieten etc. spezialisiert hat. Die Sondermaschinen werden weltweit vor
allem in der Automobilindustrie eingesetzt. Auf ihnen entstehen unter anderem Innenraumauskleidungen,
Lüftungsdüsen, Dachzierleisten, Luftkanäle sowie Kunststoffteile von
Schiebedächern. Auch die Endbearbeitung von Blasteilen wie Wassertanks oder
Luftführungen ist ein Bereich, den Kama-Maschinen übernehmen.
Kama baut aber auch für andere Branchen
Sondermaschinen, mit denen sich zum Beispiel Kontaktfolien für Taschenrechner
und Fernbedienungen herstellen lassen. Sogar eine vollautomatische
Fertigungslinie für Staubsaugerbeutel und Maschinen zur Herstellung von Tuben
gehören zum Repertoire der Firma. Geschäftsführer Stefan Magdt erklärt: „Durch
unsere langjährige Erfahrung sind wir in der Lage, Sondermaschinen explizit
nach den Erfordernissen und Wünschen der Kunden zu entwickeln und zu bauen.“
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Hohe
Fertigungstiefe
Die meisten Maschinenkomponenten fertigt
Kama selbst. „Zusätzlich übernehmen wir Lohnfertigungsaufträge, sofern es sich
um Prototypen und Kleinserien handelt“, erwähnt Stefan Magdt, „je
anspruchsvoller, desto lieber.“ Das liegt an den gut ausgebildeten und
erfahrenen Mitarbeitern, die bei Kama Aufträge von A bis Z abarbeiten. Sie
programmieren, bedienen die Maschinen und sind dafür verantwortlich, dass am
Ende die Qualität der Bauteile stimmt. „Dafür haben sie ein entscheidendes
Mitspracherecht beim Maschinen- und Werkzeugkauf“, sagt Magdt.
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Der moderne Maschinenpark lässt kaum
Wünsche offen. Er besteht aus mehreren 5-Achs-Fräsmaschinen, CNC-Drehmaschinen,
Schleif- und Erodiertechnik, womit das Kama-Fertigungsteam sämtliche
Materialien bearbeiten kann: Kunststoff ebenso wie Aluminium, verschiedenste
Stähle – auch Sonderlegierungen – und Titan.
Highlight
in der Fertigungshalle
Der im Maschinentisch eingelassene Rundtisch eignet sich zur Drehbearbeitung.Teamtec
Mit dem im März 2025 in Betrieb
genommenen vertikalen Fahrständer-BAZ Leonard Big LBT5.25 des italienischen
Maschinenherstellers Rema Control erfüllte sich Stefan Magdt einen schon länger
gehegten Wunsch: „Genau so eine Maschine hat uns noch gefehlt. In dieser Größe,
Steifigkeit und vor allem mit den unglaublich vielen Zerspanungsmöglichkeiten –
vom fünfachsigen Simultanfräsen übers Drehen und Schleifen bis hin zum
Tieflochbohren. Eine solche Flexibilität ist für uns ideal, da wir als
Sondermaschinenbauer und Dienstleister nie genau wissen, welche Aufgaben auf
uns zukommen.“
Die passende Maschine zu finden, war
nicht einfach, denn es gab ein paar zwingende Kriterien. So musste die
Wunschmaschine mit einer Fanuc-Steuerung ausgestattet sein. „Meine Mitarbeiter
und ich sind Fanuc-Fans, weshalb alle unsere Zerspanungsmaschinen von einer
Fanuc-CNC gesteuert werden“, betont der Geschäftsführer.
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Das zweite Kriterium war die
Maschinenhöhe. Durch die Halle und einen Deckenkran bedingt, ist die
Ständerhöhe begrenzt. Der Z-Verfahrweg darf nicht mehr als 1000 mm
betragen. Anders sieht es beim Y-Verfahrweg aus. Dieser sollte möglichst größer
sein als 1000 mm, was viele Maschinen in dieser Größenordnung nicht bieten
können.
Live-Vorführung
überzeugt
Fündig wurden Stefan Magdt und sein für
die neue Maschine zuständiger Facharbeiter Jürgen Orschulok letztendlich bei der
Teamtec Werkzeugmaschinen GmbH in Alzenau, der deutschen Exklusivvertretung von
Rema Control. Das Unternehmen war im Haus schon seit Jahren bekannt, wenngleich
es bisher nie zu einer Zusammenarbeit gekommen war. „Im Internet bin ich erneut
auf Teamtec und die Rema Control Leonard Big aufmerksam geworden“, sagt Stefan
Magdt. Es folgten Telefonate und persönliche Treffen.
Teamtec-Vertriebsleiter Claudio Lista
organisierte für das Kama-Team einen Vor-Ort-Termin im Rema-Werk in Stezzano
bei Bergamo, kombiniert mit einem Referenzbesuch bei einem Nachbarunternehmen,
das mit einer Leonard Big Schwerzerspanung betreibt. „Dort konnten wir beim
Fräsen eines großen Kegels live erleben, wie stabil die Maschine gebaut ist“,
erwähnt Zerspanungsfachmann Magdt begeistert. „Das massive Bett und die breiten
Führungen ließen keine Schwingungen aufkommen. Danach war mir klar: Dieses
Bearbeitungszentrum passt perfekt für unsere Anforderungen.“
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Rema
erfüllt viele Sonderwünsche
Damit die Leonard Big LBT5.25 jedoch zu
100 Prozent den Vorstellungen von Stefan Magdt und Jürgen Orschulok entsprach,
musste Rema Control noch einige Anpassungen vornehmen. Zuvorderst stand der
Tausch des im Standard zu hohen Fahrständers der Big-Version gegen den
kleineren der „normalen“ Leonard, der jetzt auf Zentimeter genau in die Halle
passt.
Rema konnte auch weitere Sonderwünsche erfüllen:
So verfügt die Kama-Version der Leonard Big über einen vertikalen, in den Maschinentisch
eingelassenen Rundtisch mit Drehfunktion (B-Achse). Zusätzlich ist ein
aufgesetzter horizontaler Drehtisch (C-Achse – ebenfalls mit Drehfunktion)
vorhanden, inklusive eines manuellen Reitstocks. Um diese Achse „mobil“ zu
gestalten, steuerte Kama eine Eigenkonstruktion bei, über die man den Tisch
leicht verschieben und auch ganz herausnehmen kann. Eine Verlängerung des Maschinentisches
ermöglichte schließlich, den B-Achs-Tisch so zu positionieren, dass der
komplette 2500 mm X-Verfahrweg genutzt werden kann.
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Dazu kam noch die gewünschte
Einsatzmöglichkeit einer langen Bohrstange. Für diese konstruierte Rema einen
Sonderbohrstangenhalter, der unten an die Z-Achsen-Konsole angeschraubt wird. Jürgen
Orschulok weist darauf hin, dass diese Ergänzung zwar einfach klingt, aber
keineswegs trivial ist. Der Einsatz der Bohrstange muss mit Sensoren überwacht
und in der Steuerung aktiviert werden, damit die Maschine keine falschen
Bewegungen ausführt und die Bohrstange nicht beispielsweise ins Werkzeugmagazin
crasht.
Claudio Lista, der für Stefan Magdt
stets als Ansprechpartner zur Verfügung stand und alle Sonderwünsche mit Rema
verhandelte, ist überzeugt: „So eine Maschine wie diese Leonard Big kann man
sich nicht vorstellen, die muss man gesehen haben. Da stecken so viele
zusätzliche Funktionen drin – übrigens auch ein schwenkbarer Fräskopf und ein
spezieller Schleifzyklus, sodass die Umsetzung in der Steuerung selbst für die Fanuc-Anwendungsspezialisten
eine Herausforderung war.“
Die
Rechnung geht auf
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Kama-Geschäftsführer Stefan Magdt (rechts) zeigt Claudio Lista (Mitte) und Jürgen Schill von teamtec anhand einer Zeichnung, welch hohe Präzisionsanforderungen sich mit der neuen Rema-Maschine erfüllen lassen.Teamtec
Nach einem Jahr Erfahrung ist Stefan
Magdt hochzufrieden mit seinem Allroundtalent: „Wir fertigen darauf verschiedenste
Teile, zum Beispiel eine große 2000 mm lange Platte mit dreißig 60 mm-Bohrungen
in H7-Passung. Einmal eingestellt, und alle Bohrungen passen.“ Er erwähnt auch
kleine handgroße Teile wie zum Beispiel spezielle Türscharniere aus Duplex-Stahl
mit 24 Prozent Chromanteil. Zudem weist er auf das kleinste Werkzeug hin, das Kama
auf der Rema Leonard Big bis jetzt genutzt hat: „Das war ein 0,4er Bohrer. Auch
hier war die erzeugte Genauigkeit perfekt.“
Der Geschäftsführer freut sich
besonders über die reproduzierbare Qualität und Effizienz: „Die
Komplettbearbeitung auf einer Maschine vermeidet Umspannfehler, so dass unsere
Zerspanungsergebnisse an Präzision gewinnen. Und wir sparen uns eine Menge
Nebenzeit, so dass wir unterm Strich deutlich produktiver fertigen können.“
Durchdacht
bis ins Detail
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Jürgen Orschulok ist von den
praktischen Vorteilen begeistert, unter anderem von der Zugänglichkeit der
Maschine: „Durch das Fahrständerprinzip kann ich ganz nah ans Werkstück ran,
ohne mich erst über eine Führung beugen zu müssen.“ Auch die Wartungseinheiten sind
frei zugänglich und im Rückraum der Maschine ist genügend Platz, um
gegebenenfalls den Werkzeugwechsler, die Energieketten, Führungsschienen etc.
zu erreichen.
Jürgen Schill, Gebietsverkaufsingenieur
bei Teamtec, ergänzt weitere Vorteile: „Die Kugelrollspindel ist feststehend, stattdessen
dreht sich die Mutter, was bei einer Länge von 2500 mm Schwingungen
vermeidet. Erwähnenswert ist auch das mitfahrende Werkzeugmagazin mit eigener
Führung. Außerdem sind alle Energieketten freischwebend aufgehängt, so dass sie
keiner Verschmutzung ausgesetzt sind.“ Last but not least weist er auf die Energieeffizienz
hin, die durch das Rekuperieren beim Bremsen, durch frequenzgesteuerte Pumpen
und die LED-Beleuchtung so gut ist, dass Kama für die Investition eine
Förderung vom Freistaat Bayern und der EU bekommen hat. Für Firmenchef Magdt
ein zusätzlicher Grund zur Freude.
Sondermaschinenbau mit großer Fertigungstiefe
Das Vertikal-Bearbeitungszentrum
Leonard Big LBT5.25 des italienischen Maschinenherstellers Rema Control eignet
sich je nach Ausbaustufe für eine Vielzahl von Zerspanungsaufgaben. Mit
Verfahrwegen bis zu 1200 mm in Y- und Z-Achse können selbst sperrige Werkstücke
bearbeitet werden. Die Länge der X-Achse ist bei dieser Fahrständermaschine im
Standard von 1,6 m bis 12 m frei wählbar. Das Maschinenbett besteht
aus einer Stahl-Schweißkonstruktion und garantiert nicht zuletzt durch eine
speziell konzipierte Wärmebehandlung hohe Robustheit und Stabilität. Darüber
hinaus sorgt die thermosymmetrische Struktur von Ständer, Schlitten und
Kopfeinheit für hohe Steifigkeit. Durch zahlreiche Optionen hinsichtlich der
Ausstattung mit Achsen, Spindeln und Werkzeugen eröffnet Rema Control dem
Anwender eine extrem hohe Flexibilität. Rema Control wird im deutschen Markt
exklusiv von der Teamtec CNC-Werkzeugmaschinen GmbH in Alzenau vertreten.