Der Frauenanteil in Familienunternehmen steigt kaum. Eine Allbright-Studie zeigt: In den Top-Etagen der 100 größten Familienunternehmen liegt er bei 13 %.
An der Spitze von Familienunternehmen sind weiterhin wenig Frauen.fizkes - stock.adobe.com
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Summary: Die Allbright Stiftung hat Anfang März den Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands untersucht. Der Anteil weiblicher Führungskräfte liegt bei 13 % und stieg binnen zwei Jahren nur um 0,4 Prozentpunkte. Besonders nicht-börsennotierte Familienunternehmen bleiben deutlich hinter börsennotierten Firmen zurück.
Der Frauenanteil in den Top-Etagen der deutschen Familienunternehmen kommt kaum voran. Nach einer Studie der gemeinnützigen Allbright Stiftung lag der Anteil weiblicher Führungskräfte in den 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands Anfang März dieses Jahres bei 13 %. Gegenüber dem Stichtag vor zwei Jahren bedeutet das lediglich einen Zuwachs um 0,4 Prozentpunkte.
Wie aus der Studie hervorgeht, wurden in der Zwischenzeit wieder verstärkt Männer für Geschäftsführungen rekrutiert. Nur 17 % der Neuzugänge in den Geschäftsführungen der Familienunternehmen waren weiblich. Damit bleibt der Fortschritt bei der Besetzung von Spitzenpositionen mit Frauen deutlich begrenzt.
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„Vollbremsung“ beim Frauenanteil in Geschäftsführungen
Die Geschäftsführerin und der Geschäftsführer der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg, sprechen von einer deutlichen Verlangsamung. „Wir beobachten gerade eine Vollbremsung bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Geschäftsführungen der deutschen Unternehmen insgesamt“, kommentieren sie. „Für die Familienunternehmen ist das ein besonders großes Problem, denn sie stoppen die Entwicklung, bevor sie richtig gestartet ist.“
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Aus Sicht der Studienautoren müssten die Unternehmen nun stärker in die besten Köpfe und in das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven in der Führung investieren. Nachholbedarf sehen sie insbesondere bei der Digitalisierung, bei den Geschäftsmodellen und bei der Zusammensetzung von Führungsteams.
Einen deutlichen Einfluss auf den Frauenanteil in der Geschäftsführung hat der Studie zufolge die Transparenz der Unternehmen. Auch externe Akteure, die nicht zu den Familien gehören, spielen demnach eine Rolle.
20 der 100 größten Familienunternehmen sind an der Frankfurter Börse notiert, während die Aktien zu einem guten Teil in Familienhand liegen. Genannt werden unter anderem BMW, Continental, Henkel und Merck. Bei diesen Unternehmen liegt der Frauenanteil in den Geschäftsführungen bei 19,8 %. Damit entspricht er etwa dem Durchschnitt aller börsennotierten Unternehmen.
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Anders sieht es bei nicht-börsennotierten Familienunternehmen aus. Dort liegt der Frauenanteil in den Führungsetagen laut Studie bei 11,1 %. Der Unterschied zeigt, welche Bedeutung Transparenz und externe Einflüsse für die Entwicklung in den Führungsgremien haben können.
Die Studie beschreibt die Geschäftsführungen der Familienunternehmen insgesamt als „deutlich männlicher, deutscher und stärker von Ingenieuren geprägt“ als die Vorstände der 160 in Dax, MDax und SDax notierten Unternehmen. Für viele häufig regional verankerte Firmen ist es demnach eine Herausforderung, überregionale und internationale Führungskräfte zu gewinnen.
Auch persönliche Netzwerke spielen laut Ankersen und Berg eine wichtige Rolle bei der Auswahl für das Top-Management. Diese seien „teils sehr exklusive Netzwerke, in denen kaum Frauen vorkommen“. Hinzu komme „ebenso wie eine tradierte, immergleiche Rekrutierungsschablone“.
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Wie häufig verlassen Frauen die Geschäftsführung?
Die Studie verweist zudem auf eine auffällige Entwicklung bei den Abgängen. Im Zweijahreszeitraum vom 1. März 2024 bis zum 1. März dieses Jahres haben Frauen deutlich häufiger die Geschäftsführung verlassen als Männer. Betroffen waren 32 % der weiblichen Geschäftsführungsmitglieder, aber 24 % der männlichen Geschäftsführungsmitglieder.
Bei börsennotierten Unternehmen zeigte sich dagegen ein anderes Bild. Dort gaben binnen zwei Jahren 23 % der weiblichen und 38 % der männlichen Vorstandsmitglieder ihren Posten ab. Damit unterscheiden sich die Dynamiken in Familienunternehmen und börsennotierten Unternehmen deutlich.
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Viele Familienunternehmen ohne Frau in der Geschäftsführung
Ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in der Geschäftsführung sehen die Autoren der Studie nur bei sechs Unternehmen. Genannt werden unter anderem Jungheinrich, Mann + Hummel, Merck und Voith.
Demgegenüber stehen 51 Unternehmen, die keine einzige Frau in der Geschäftsführung haben. Dazu zählen laut Studie Firmen wie Dachser, Haniel, Kärcher und die Schwarz Gruppe. Damit bleibt ein erheblicher Teil der größten Familienunternehmen Deutschlands in der obersten Führungsebene vollständig männlich besetzt.
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Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in Führungspositionen der Wirtschaft ein. Ihre Studie macht deutlich, dass die Entwicklung in vielen Familienunternehmen weiterhin nur langsam vorankommt.
Mit Material von dpa.
FAQ zum Frauenanteil in Familienunternehmen
• Wie hoch ist der Frauenanteil in Familienunternehmen? – In den 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands liegt der Frauenanteil in den Top-Etagen bei 13 %.
• Wie stark ist der Frauenanteil in Familienunternehmen gestiegen? – Gegenüber dem Stichtag vor zwei Jahren stieg der Anteil nur um 0,4 Prozentpunkte.
• Warum ist der Frauenanteil in Familienunternehmen niedriger als bei börsennotierten Firmen? – Laut Studie spielen Transparenz, externe Akteure, Netzwerke und Rekrutierungsmuster eine wichtige Rolle.
• Welche Familienunternehmen haben ein ausgewogenes Verhältnis beim Frauenanteil? – Die Studie nennt unter anderem Jungheinrich, Mann + Hummel, Merck und Voith.
• Wie viele Familienunternehmen haben keine Frau in der Geschäftsführung? – Laut Studie haben 51 der untersuchten Unternehmen keine einzige Frau in der Geschäftsführung.