Das DIW-Konjunkturbarometer steigt im April leicht auf 97,9 Punkte. Der Krieg im Nahen Osten belastet jedoch die fragile Erholung der deutschen Wirtschaft.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird laut DIW derzeit spürbar vom Krieg im Nahen Osten beeinflusst. Die Eskalation hat die Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten erhöht. Der damit verbundene Anstieg der Öl- und Gaspreise verstärkt den Inflationsdruck.Hastuti - stock.adobe.com
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Summary:
Das DIW Berlin meldet für April einen leichten Anstieg des Konjunkturbarometers auf 97,9 Punkte. Der Krieg im Nahen Osten erhöht Unsicherheit, Energiepreise und Inflationsdruck. Besonders Industrie, Exporte, Investitionen und Binnenwirtschaft geraten dadurch unter Druck.
Warum bleibt das DIW-Konjunkturbarometer unter 100 Punkten?
Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist im April leicht auf 97,9 Punkte gestiegen. Wie das DIW Berlin mitteilt, liegt der Wert damit weiterhin unter der neutralen Marke von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt.
Nach dem Vier-Jahres-Hoch im Februar und einem deutlichen Rückgang im März kommt der seit Herbst beobachtete Aufwärtstrend vorerst nicht weiter voran. Gegenüber den Werten des vergangenen Jahres bleibt das Barometer zwar erhöht. Von einer stabilen Erholung kann nach den Angaben des Instituts derzeit aber keine Rede sein.
Krieg im Nahen Osten erhöht Druck auf Energiemärkte
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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird laut DIW derzeit spürbar vom Krieg im Nahen Osten beeinflusst. Die Eskalation hat die Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten erhöht. Der damit verbundene Anstieg der Öl- und Gaspreise verstärkt den Inflationsdruck.
Für Unternehmen bedeutet das steigende Kosten, während zugleich die globale Nachfrage schwächer ausfällt. Hinzu kommen zunehmende Risiken für internationale Lieferketten. Auch die reale Kaufkraft der privaten Haushalte wird belastet. Damit geraten nicht nur die ohnehin schwachen deutschen Exporte unter Druck, sondern auch die Binnenwirtschaft, die zuletzt noch stabilisierend gewirkt hatte.
Staatliche Maßnahmen in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimatransformation tragen zwar zur Stabilisierung bei und entfalten schrittweise Wirkung. Diese Effekte werden jedoch aktuell durch externe Belastungen teilweise überlagert.
„Die geopolitische Eskalation trifft die deutsche Wirtschaft in einer Phase, in der sich gerade eine dynamische Erholung abgezeichnet hat“, sagt DIW Konjunkturchefin Geraldine Dany Knedlik. „Steigende Energiepreise und die hohe Unsicherheit dürften den weiteren Aufschwung bremsen.“
In der Industrie bleibt das Gesamtbild schwach und von hoher Unsicherheit geprägt. Bereits vor Kriegsausbruch entwickelte sich die Industrieproduktion nur verhalten. Zwar stützen staatliche Nachfrageimpulse, insbesondere aus dem Verteidigungsbereich, einzelne Produktionssegmente. Für einen breiten Ausgleich der Industrieschwäche reicht das nach Einschätzung des DIW bislang jedoch nicht aus.
Die zu Jahresbeginn sichtbare vorsichtige Zuversicht hat sich zuletzt wieder eingetrübt. Sie war unter anderem durch eine stabilere Auslandsnachfrage gestützt worden. Im März und April gaben die ifo-Geschäftserwartungen jedoch deutlich nach.
„Die ohnehin gedämpfte Investitionsbereitschaft der Unternehmen wird durch die aktuelle Spannungslage zusätzlich geschwächt“, sagt Laura Pagenhardt, DIW-Konjunkturexpertin. „Die hohe Unsicherheit über geopolitische Entwicklungen, Energiepreise und die globale Konjunktur erschwert die Planung deutlich und bremst die beginnende Aufhellung der Industrie.“
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Dienstleister spüren schwächere Kaufkraft
Auch im Dienstleistungssektor trübt sich die Stimmung etwas ein. Die nachlassende Kaufkraft der Haushalte belastet das Konsumklima und führt zu einer spürbaren Eintrübung der Erwartungen bei den Dienstleistungsunternehmen.
Der Arbeitsmarkt zeigt sich nach Angaben des DIW insgesamt stabil. In Umfragen äußern Unternehmen jedoch eine geringere Einstellungsbereitschaft angesichts der anhaltenden konjunkturellen Schwäche. Die Beschäftigungslage bleibt im historischen Vergleich dennoch robust.
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Welche Reformen rücken jetzt in den Fokus?
Die aktuelle Entwicklung trifft auf eine deutsche Wirtschaft, die bereits durch eine längere Schwächephase belastet ist. Aus Sicht des DIW kommt hinzu, dass Reformbedarf aufgestaut wurde. Der externe Schock durch den Krieg im Nahen Osten verschärft damit eine ohnehin fragile Lage.
„Der Krieg im Nahen Osten dämpft den im Winter aufkeimenden Aufschwung spürbar und trifft auf eine Wirtschaft, die durch eine jahrelange Schwächephase und einen aufgestauten Reformbedarf angeschlagen ist“, resümiert Konjunkturexperte Guido Baldi. „Umso wichtiger ist es, dass trotz der momentanen Krise die Reformbemühungen im Inland und zur Stärkung des europäischen Binnenmarktes nicht nachlassen.“
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Quelle: DIW
FAQ zum DIW-Konjunkturbarometer
• Was zeigt das DIW-Konjunkturbarometer im April? – Das DIW-Konjunkturbarometer steigt leicht auf 97,9 Punkte, bleibt aber unter der neutralen Marke von 100 Punkten.
• Warum belastet der Krieg im Nahen Osten das DIW-Konjunkturbarometer? – Der Krieg erhöht die Unsicherheit an den Energiemärkten, treibt Öl- und Gaspreise und verstärkt den Inflationsdruck.
• Welche Rolle spielt die Industrie im DIW-Konjunkturbarometer? – Die Industrie bleibt schwach, weil Unsicherheit, gedämpfte Investitionsbereitschaft und fragile Auslandsmärkte die Erholung bremsen.
• Wie wirkt sich das DIW-Konjunkturbarometer auf die Einschätzung der Binnenwirtschaft aus? – Die Binnenwirtschaft verliert an Dynamik, weil steigende Preise und geringere Kaufkraft das Konsumklima belasten.
• Welche Maßnahmen nennt das DIW-Konjunkturbarometer als stabilisierend? – Staatliche Maßnahmen in Verteidigung, Infrastruktur und Klimatransformation wirken stabilisierend, werden aber von externen Belastungen teilweise überlagert.