Hybridantrieb für MGCS-Panzer

MGCS-Antrieb: Rolls-Royce und ZF entwickeln Hybridlösung

Der MGCS-Antrieb für Europas künftiges Hauptkampfsystem nimmt Gestalt an. Rolls-Royce Power Systems und ZF entwickeln ein hybrides Powerpack für schwere militärische Kettenfahrzeuge.

Gemeinsam entwickeln Rolls Royce und ZF erstmals einen parallel hybriden Antrieb für schwere militärische Kettenfahrzeuge.

Summary: Rolls-Royce Power Systems entwickelt im Auftrag der Bundeswehr den MGCS-Antrieb, ZF liefert ein elektrifiziertes Lenkschaltgetriebe. Das hybride Powerpack soll mehr als 1.400 kW Systemleistung erreichen. Ziel ist ein leistungsfähiger, effizienter und kompakter Antrieb für das europäische Gefechtsfahrzeug der nächsten Generation.

Was hinter dem MGCS-Antrieb steckt

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Rolls-Royce Power Systems mit der Entwicklung des MGCS-Antriebs beauftragt. Das Unternehmen fungiert als Generalunternehmer für das gesamte Powerpack, während ZF als Unterauftragnehmer das elektrifizierte Getriebesystem beisteuert.

Gemeinsam entwickeln beide Unternehmen erstmals einen parallel hybriden Antrieb für schwere militärische Kettenfahrzeuge. Ziel ist ein leistungsfähiges und zugleich effizientes Antriebsmodul für das europäische Hauptkampfsystem Main Ground Combat System (MGCS).

Der Fokus liegt laut Unternehmensangaben auf europäischer industrieller Wertschöpfung sowie auf hoher Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit der Technologie.

„Europa braucht eine starke und verlässliche Verteidigungsarchitektur, um seine Verteidigungsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Unser Antriebssystem ist ein robuster und leistungsfähiger Baustein dafür, ausgelegt für heutige und zukünftige Einsatzprofile. Es stärkt die Handlungsfähigkeit europäischer Streitkräfte, erhöht die operative Zuverlässigkeit und trägt zugleich dazu bei, technologische Kompetenz und industrielle Wertschöpfung nachhaltig in Europa zu verankern“, sagt Dr. Jörg Stratmann, CEO der Rolls-Royce Power Systems AG.

Welche Rolle der mtu-Motor im MGCS-Antrieb spielt

Im Zentrum des Systems steht ein neu entwickelter 10-Zylindermotor der mtu-Baureihe 199. Der Hochleistungsdiesel ist laut Hersteller für extreme Lastanforderungen, hohe Fahrdynamik und den steigenden Energiebedarf moderner Gefechtsfahrzeuge ausgelegt.

Der Motor liefert rund 1.100 kW mechanische Leistung und stellt damit den Hauptanteil der insgesamt mehr als 1.400 kW Systemleistung des hybriden Powerpacks bereit. Er arbeitet erstmals in einem schweren Kettenfahrzeug als Teil eines Hybridantriebs in Parallelbauweise.

Technisch basiert der 10V-Motor auf einer überarbeiteten Plattform mit optimierter Verbrennung, höherer Leistungsdichte und verbesserter thermischer Effizienz. Ein robustes PLD-Einspritzsystem ermöglicht zudem den Betrieb mit minderwertigem Kraftstoff. Gleichzeitig bleibt der Motor vielstofffähig.

Das Kühlsystem ist darüber hinaus auf zusätzliche elektrische Verbraucher ausgelegt. Der sogenannte MOTS-Ansatz (Military-Off-The-Shelf) der Baureihe 199 wird laut Unternehmen konsequent weitergeführt und soll eine resiliente und skalierbare Lieferkette ermöglichen.

Erste Prototypen des Powerpacks sollen noch vor Ende der 2020er Jahre getestet werden. Eine Serienfertigung wäre demnach ab Anfang der 2030er Jahre denkbar.

Wie das ZF-Getriebe den MGCS-Antrieb elektrifiziert

Ein zentraler Bestandteil des Antriebssystems ist das elektrifizierte Lenkschaltgetriebe eLSG 5000 von ZF. Dabei handelt es sich um ein System mit stufenloser Überlagerungslenkung für schwere gepanzerte Kettenfahrzeuge.

Das Getriebe integriert By-Wire-Technologien für Antrieb, Bremse und Lenkung sowie Funktionen zur Energierückgewinnung. Zusätzlich ermöglicht es sowohl Boost-Funktionen als auch Rekuperation.

Ein elektrisch-mechanisches Überlagerungslenkgetriebe steigert laut Hersteller die Agilität und Energieeffizienz der Fahrzeuge. Ergänzt wird das System durch ein neues Lüfterantriebskonzept, das Nebenverbraucher reduziert und damit Leistungsfähigkeit und Reichweite erhöht.

Für die Besatzung bedeutet das eine präzisere Manövrierbarkeit, ein agileres Fahrverhalten sowie eine vereinfachte Bedienung.

„Mit dem Main Ground Combat System investieren die europäischen Partnernationen in moderne Verteidigungstechnik und darüber hinaus in die langfristige Stabilität und Handlungsfähigkeit einer wehrhaften Demokratie in Europa“, sagt ZF-Vorstand Andreas Moser. „Wir sind stolz darauf, mit einem innovativen, elektrifizierten Lastschaltgetriebe einen wichtigen Beitrag für ein kompaktes und leistungsstarkes Antriebsmodul zu leisten, um den Fahrzeugen die notwendige Mobilität und Reaktionsfähigkeit zu verleihen.“

Warum MGCS als Technologieträger gilt

Das Main Ground Combat System ist ein gemeinsames europäisches Rüstungsprojekt von Deutschland und Frankreich. Die Plattform soll langfristig die heutigen Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ersetzen.

Das System entsteht als vernetzter Verbund aus Gefechtsfahrzeug, Wirkmitteln, Sensorik, Führungs- und Kommunikationsarchitektur sowie neuen Schutzkonzepten.

Damit soll MGCS laut Projektbeschreibung Mobilität, Überlebensfähigkeit und Vernetzung auf ein neues technisches Niveau heben. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf durch digitale Systeme und zusätzliche elektrische Verbraucher deutlich – ein zentraler Grund für den hybriden MGCS-Antrieb.